-< Botanisehe Mittheilungen aus den Tropen lierausgegeben von Dr. . F. W. Schimper, a. o. Professor der Botanik an der Universitt Bonn. Heft 7. Brasilische Pilzblumen. Von Alfred Mller. Mit 8 Tafeln. Jena, VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 1895, LIBRARY NEW YORK BOT AN IC AL GARDEN Brasilische Pilzblumen. Von Alfred MUer. Mit 8 Tafeln. *- Jena, VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 1895, LIBRARY xr i NEW YORK Vorwort. BOTANICAL GARDEN So wie fr das- vorhergehende VI. Heft der Botanischen Mittheilungen aus den Tropen", so ist auch fr das hiermit in die Oeffentlichkeit tretende der Stoff gesammelt worden whrend meines 2^|^ jhrigen Aufenthalts zu Blumenau in Sdbrasilien, Den Dank fr die mir zu Theil gewordene Untersttzung und Be- rathung, dem ich im Vorwort zum VI. Hefte Ausdruck gegeben habe, wiederhole ich hier. Whrend ich meine Beobachtungen ber die Pilzgrten der Ameisen am Rande des Urwaldes unter dem unmittelbaren Eindrucke des Geschauten niederschreiben konnte , so ist dies- mal die Abhandlung selbst erst in Berlin im Sommer 1894 voll- ^^ endet worden. Es lag das in der Natur des bearbeiteten Stoffes cyi begrndet. Die anatomisch entwickelungsgeschichtliche Unter- ^j^ suchung der Phalloideenfruchtkrper kann an Spiritusmaterial '~^ leichter und sicherer, als an frischgesammeltem verfolgt werden. "^ Es wre daher nicht richtig gewesen, die Zeit des Aufenthalts ^ in Brasilien, welche der Beobachtung der lebenden Formen gewidmet sein sollte, mit Arbeiten zuzubringen . welche eben so gut oder besser nach der Rckkehr konnten erledigt werden. In Berlin war mir zudem im KnigHchen botanischen Museum die Benutzung des Vergleichsmateriales und der umfangreichen Literatur ber die Phalloideen ermglicht. VT - Herrn Geheirarath Professor Dr. Engler habe ich zu danken fr die mir ertheilte Erlaubniss zu ungestrtester Benutzung aller Hlfsmittel, welche das botanische Museum bieten konnte; die Herren P. Hennings und Dr. Lindau halfen mir freundlichst beim Durchmustern der Sammlung, und beim Durchsuchen der Literatur. Auch bei der Correctur des Textes untersttzte mich Herr Dr. Lindau in liebenswrdigster Weise. Ganz besonders aber habe ich diesmal noch mit herzlichem Danke eines gtigen Freundes zu gedenken, dessen lebhafter An- theilnahme an meiner Arbeit und dessen knstlerischem Knnen die wohlgelungene 1. Tafel dieses Heftes zu danken ist. Herr Richard Volk, Apotheker und Chemiker zu Ratzeburg in Lauen- burg, hat dies Bild der Dictyophora phalloidea nach einer von mir aufgenommenen Photographie gemalt. Die unbedingte Treue der Wiedergabe ist oberstes Ziel dieser Darstellung gewesen. Mit sorgsamer Mhe ist der durch das Lichtbild in seiner usseren Erscheinung festgehaltene Pilz Linie fr Linie nachgebildet, und ich kann wohl sagen, dass die Form jeder einzelnen Netzmasche der so schnell vergnglichen Wirklichkeit genau entspricht. Es waren viele mhevolle Skizzen und Versuche nothwendig. ehe das Bild, so wie es nun vorliegt, zu Stande kam. Auch Herr A, Giltsch zu Jena, aus dessen bewhrter Anstalt die litho- graphischen Tafeln hervorgegangen sind, hat sich daran in liebens- wrdigster Weise betheiligt. Herrn Rieh. Volk verdanke ich ausser- dem die schnen Figuren 31 und 32 auf Tafel VIII, welche den Perrckenkopf der neuen Gattung Itajahya darstellen. Den im Titel angewendeten Ausdruck Pilzblumen" habe ich zuerst in Ludwigs Lehrbuch der niederen Kryptogamen angetroffen. Wenn wir in den Phalloideen diejenigen Pilze sehen, welche vor allen anderen durch Gestalt, Farbe und Geruch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so drfen wir ihnen den sthetischen Namen ..Pilz- blumen" gewiss mit Recht zuertheilen. Dass auch Insekten, wenig- stens beim Ithyphallus impudicus, durch den Geruch angelockt - VII werden,, and zur Verbreitung der Sporen jedenfalls beitragen knnen, ist bekannt, und durch eine Arbeit von T. Wemyss Fulton in den Annais of Botany 1889/90 ausfhrlich besttigt worden. Dass freilich die Keimung der Sporen durch den Verdauungsprozess der Insekten soll hervorgerufen werden, wie jener Autor will, kann vorlufig nur als willkrliche Vermuthung angesehen werden. Auch wissen wir ber den etwaigen Insektenbesuch bei fast allen andern Phalloideen so gut wie nichts. Nach diesen Rich- tungen hin soll also durch den Ausdruck Pilzblumen" keiner be- stimmten Ansicht Ausdruck verliehen sein. Berlin, Januar 1895,. Inhalts -Verzeicliniss. Seite Einleitung l I. Protubera nov. gen. und Clathreen. 1. Protubera JVIaracuj nov. gen. et nov. spec 10 2. Clathrus chrysomycelinus nov. spec 22 3. Colus Garciae nov. spec 35 4. Laternea columnata (Bosc) Nees 42 5. Blumenavia rhacodes nov. gen. et nov, spec 57 n. Phalleen. 6. Aporophallus subtilis nov. gen. et nov. spec 68 7. Mutinus bambusinus (Zollinger) Ed. Fischer 72 8. Itajahya galericulata nov. gen. et nov. spec 79 9. Ithyphallus glutinolens nov. spec 100 10. Dictyophora phalloidea Desvaux 111 11. Dictyophora callichroa nov. spec 129 Uebersicht der Ergebnisse 131 Zusammenstellung der durch die vorliegende Arbeit vernderten und der Beschreibungen neuer Gattungen und Arten 145 Erklrung der Tafeln 149 Einleitung. Die Untersuchungen ber die Pilzgrten einiger sdamerika- nischer Ameisen, von denen ich im 6. Hefte dieser Mittheilungen aus Blumenau in Brasilien berichten konnte , dehnten sich zwar durch die ganze Zeit meines beinahe dreijhrigen dortigen Aufenthalts aus; doch scheute ich mich immer ihnen zuviel Zeit zuzuwenden und behandelte sie zumal im Anfange meiner Thtig- keit ziemlich stiefmtterlich. Sollte doch meine Hauptaufgabe, dem Plane gemss, den ich vor der Abreise der Knigl. Akademie der Wissenschaften vorlegte, in der entwickelungsgeschichtlichen Untersuchung von Pilzen durch knstliche Kultur bestehen, und als erwnschtestes Ziel in dieser Richtung musste die Auffindung von solchen noch unbekannten Formen gelten, welche typisch neu im Bau der fertigen Fruchtkrper oder im Gange der morpho- logischen Entwickelung, geeignet wren, unsere Kenntniss l)er das natrliche System der Pilze zu festigen und an den noch weniger sicheren Stellen aufzuklren. Dies Ziel behielt ich stets vor Augen ; auf die knstliche Kultur aller irgendwie Erfolg versprechenden Formen verwendete ich den Haupttheil meiner Zeit, und im Ganzen wurden ber 9000 Gbjekttrgerkulturen angelegt und beobachtet. Ich darf wohl sagen, dass diese Bemhung nicht ohne Erfolg geblieben ist. Eine Schimper's Mitteiluugeii, Heft 7. 1 Reihe von Frmeii wurden gefunden, welche in der Kultur werth- volle Ergnzungen der bisher in Europa gewonnenen Aufschlsse ergaben, und es fanden sich aucli einige, welche als neue Typen mssen betrachtet werden, Formen also, welche meine oben an- gedeuteten AVnsche und Erwartungen ganz und gar befriedigten. Insbesondere nach Richtung der Protobasidiomyceten und der niederen Autobasidiomyceten war die Ausbeute reich zu nennen. Die Zeichnungen, welche die in den Kulturen gewonnenen Er- gebnisse darstellen, wurden stets sofort ausgefhrt, und auch die Beschreibung der Beobachtungen liegt fertig vor. Es wird meine nchste Aufgabe sein, ber das Ergebniss jener meiner Haupt- arbeit in zusammenhngender Darstellung zu berichten. Mit um so grsserer Freude denke ich mich dieser Pflicht zu entledigen, als meine ganze Arbeit Schritt fr Schritt sich darstellen wird als eine glnzende Besttigung der Richtigkeit jener Anschauungen, welche ber das System im Reiche der Pilze Professor Brefeld, mein verehrter Lehrer in fnfundzwanzigjhriger unermdlicher Arbeit geschaffen hat. Immer klarer, immer einfacher und natr- licher enthllt sich der verwandtschaftliche Zusammenhang der verschiedenen Gruppen des chlorophyllosen Pflanzenreiches in jedem folgenden Bande der Brefeld'sclien Untersuchungen aus dem Gesammtgebiete der Mycologie", verstndlich in ihrer morpholo- gischen Bedeutung werden nach und nach alle die unendlich mannigfaltigen ungeschlechtlichen Fruchtformen, welche die Forscher frherer Zeiten in Verwirrung setzten, auf Grund des umfassenden Thatsachenmaterials werden sie auf wenige Typen zurckgefhrt, bis endlich am Schlsse des 8. und des 10. Bandes jenes Werkes das Gesammtresultat der Forschungen in scharfen Zgen kurz und klar dem mit den Thatsachen vertrauten Leser vor Augen gestellt werden kann. Welche noch nie vordem gesehene Form auch immer ich dem Boden des sdbrasilischen Urwaldes entnahm, ihr Verstndniss begegnete keinen Schwierigkeiten, wenn ich sie im laichte jener Brefeld'schen Auffassungen betrachtete. Mhelos, sehr natrlich fgten sie sich den Verwandtschaftsreihen ein und an, deren Zu- sammenhang richtig erkannt war, hier eine Lcke ausfllend zwischen schon bekannten Formen , dort ber die hchsten be- kannten noch einen Schritt hinausgehend durch hhere Form- ausbildung des Fruchtkrpers, Vorher jedoch, ehe ich meiner Hauptaufgabe mich zuwende, lockt es mich , zum zweiten Male einen Seitenweg meiner Be- obachtungen zu verfolgen, und die Ergebnisse mitzutheilen ber eine besondere Gruppe von Pilzen, die zwar im Sinne jener Haupt- aufgabe nur geringe Aufklrung und Frderung in Aussicht stellten, die ich aber als Pilzforscher in Brasilien ebensowenig un- beachtet lassen konnte, wie die pilzzchtenden Ameisen, weil sie mit zu auffallender, zu anziehender und die Neugier stachelnder Eigenart sich mir immer und immer wieder aufdrngten. Ich meine die durch ihre wundersamen Formen auffallendste aller Pilzfamilien, die Phalloideen. Schon bald nach meiner Ankunft in Brasilien, wenn ich den Landsleuten in Blumenau auf ihre Frage, was ich denn dort zu thun gedchte zur Antwort gab, ich wollte mich mit Pilzen beschftigen, wurde mir oftmals gesagt: o wir haben hier einen sehr merkwrdigen Pilz, er ist nur Abends zu sehen, stinkt abscheulich, hat einen Stiel und ein Netz darum, wie einen Reifrock, die Kinder nennen ihn die Dame, oder auch die Schleierdame. Das war die deutsch-brasilische Diagnose der Dictyophora phalloidea. Und kaum war mit dem November 1890 die heisse Jahreszeit herangekommen, so wurde mir auch eine solche Dame gebracht, und ich stand staunend vor diesem merk- wrdigsten aller Pilzgebilde (Taf. I), und fasste im Augenblick den Entschluss, alles zu sammeln, was ich von Phalloideen nur irgend wrde auftreiben knnen. Die Gesammtausbeute gestaltete sich nicht ungnstig. Nicht weniger als 10 verschiedene Formen von Phalloideen fand ich auf dem Gebiete der Colonie Blumenau, und es drften wenige, wenn berhaupt irgend welche Oertlich- 4 keiten auf der Erde bekannt sein, auf denen bei gleich enger Umgrenzung des Gebietes eine gleich grosse Anzahl von Vertretern jeuer Familie gefunden worden ist. Das Sammeln und vor Allem das Beobachten der Phalloideen im Freien gewann alsbald einen ausserordentlichen Keiz, Diese Beschftigung ist spannend, reich an Ueberraschungen entmuthigender und freudiger Art. Sind doch bei weitem die meisten Phalloideen nirgends wirklich gemein zu nennen, jede Fundstelle wird mit Freude begrsst. Werden nur Eier gefunden, so entsteht zumal im Anfang, ehe man mit den Formen vertraut ist, die Frage, was fr ein Pilz wird es werden? Die Neugier treibt dazu, das Ei abzuernten, und als werthvolles Objekt fr die Untersuchung zu benutzen. Die Ueberlegung aber fordert, es stehen zu lassen, um wenigstens erst ein entwickeltes Exemplar gesehen zu haben. Die Sorge entsteht, wird der kost- bare Fund auch nicht verloren gehen, sich gesund entwickeln? Man verbirgt ihn durch Laub vor den Augen der Menschen und Thiere. AVie leicht erzeugt man dadurch einen Krppel, wenn das Receptaculum sich streckt, und dann an einem Blatt oder Zweigstck Widerstand findet. Oftmals auch sind mir Eier, die ich wochen- ja monatelang mit regelmssigen Zwisclionrumen bisweilen an ziemlich entfernten Standorten beobachtet hatte, im letzten jMomcnt auf unbegreifliche Weise verloren gegangen, so dass ich glauben niuss, dass sie von Thieren gefressen werden. Der merkwrdigste Fall trug sich mit einem Dictyophoraei zu, welches dicht bei meiner AVohnung im Wegegraben stand. Ich erwartete sein Aufplatzen an einem Dezember- Abend 1890. Es war stock- dunkel und ich ging alle Viertelstunde mit der brennenden Lampe nach dem Standort. Um '^j^lO Uhr hatte das Ei noch unverletzt gestanden und war noch nicht geplatzt. U]n 10 Uhr war es spurlos verschwunden. Zu der verhltnissmssigen Seltenheit der Pilze kommt als weiterer erschwerender Umstand noch die stets sehr kurze Lebens- dauer in entwickeltem Zustande. Ist man ondlicli einmal so glck- 5 lieh, ein Ei im Moment des Aufbrechens anzutreffen, nicht zu frh und nicht zu spt zu kommen, so geniesst man allerdings ein fesselndes, eigenartiges Schauspiel, wie ich es insbesondere fr Dictyophora noch eingehend zu beschreiben habe. Weiterhin ist es dann von allergrsster Wichtigkeit, mglichst reichliches Material zu sammeln. Liegt doch die Unsicherheit der Artumgrenzung bei den Phalloideen am meisten in dem Umstnde begrndet, dass so oft nur ein oder wenige Exemplare beobachtet worden sind, und man nicht in der Lage war, die Grenzen der individuellen Ab- weichungen feststellen zu knnen. Bei jedem neuen Standort entsteht nun die neue Schwierigkeit, erst einen entwickelten Frucht- krper zu haben, dann aber wenn mglich Eier aller Grssen zu sammeln. Eine befriedigende Sammlung in diesem Sinne, die also reichliches Material an entwickelten Fruchtkrpern und Eiern aller Entwickelungsstadien enthlt, kann nur in mehr- jhrigem Aufenthalt an einem und demselben Orte und bei dauernder Aufmerksamkeit annhernd zusammengebracht werden. Wenn es mir gelang, in der Mehrzahl der Flle das Material zu beschaffen, welches allen Anforderungen gengte, so verdanke ich das hauptschlich der fortdauernden regen Untersttzung der ich mich bei meinen Sammlungen zu erfreuen hatte. Insbesondere gedenke ich dankbar hier der Frau AnnaBrockes, Dr. Fritz Mller's ltester Tochter, meiner verehrten Cousine. Schon bei den Pilzgrten der Ameisen habe ich ihrer Untersttzung Erwhnung gethan, da sie zuerst die Grten der Apterostigma- Arten entdeckte. Mit lebhaftem Interesse und feinem Verstnd- niss nahm sie auch an meinen sonstigen Arbeiten Theil. Sie be- merkte zuerst die goldgelbe Farbe der Mycelien des neuen Clathrus chrysomycelinus, und ihr Sprsinn fand bald einen sehr ppigen Standort des Pilzes, auf dem das erforderliche reiche Material an jungen Zustnden gesammelt werden konnte. Herr Erich Grtner, mein treuer Gehlfe bei den Arbeiten, hat Woche fr Woche die Blumenauer Umgegend dui-chstreift, und stets auf Phalloideen besonderes Augenmerk gerichtet. Ihm verdanke ich einen grossen Theil des gesammelten Materials. Dr. Fritz Mller und Herr August Mller, meine verehrten Onkel, und mehrere freundliche Einwohner Blumenaus, insbesondere auch der Herr Lehrer Hrtel, benachrichtigten mich von jedem auffallenden Pilzfunde, der ihnen vorkam; und die Kinder der Nachbarschaft wurden zeitweise durch ausgesetzte Belohnung zum Eiersuchen ermuntert. Die wissenschaftliche Verwerthung des so gewonnenen Mate- riales ist mir ausserordentlich erleichtert worden durch die sorg- samen umfangreichen Arbeiten von Ed. Fischer, deren peinliche Genauigkeit und Zuverlssigkeit ich immer wieder aufs neue zu besttigen Gelegenheit fand. Oftmals war es mir mglich, selbst verwickelte Vorgnge in der Entwickelungsgeschichte der Frucht- krper mit verhltnissmssig kurzen Worten zu schildern, wenn ich die treffenden Bezeichnungen und die oft schwer zu findenden Ausdrucksformen benutzte, die in jenen xlrbeiten geschaffen worden sind. Ich werde auf dieselben fort und fort zu verweisen haben, und wenn ich mich auch bemhte, durch kurze Zu- sammenfassung ihrer Ergebnisse dem Leser dieser Mitthei- lungen ein stetes Nachschlagen zu ersparen, so wird doch der- jenige, der die Thatsachen nachprfen oder auch nur den ent- wickelungsgeschichtlichen Einzelheiten grndlich nher treten will, stets auf Fischer's Untersuchungen zurckgreifen mssen. Der Krze halber fhre ich gleich hier die fr uns wichtigsten Arbeiten Fischer's an, um sie weiterhin mit der daneben ver- merkten Abkrzung bezeichnen zu knnen. Die Abhandlung: Versuch einer systematischen bersicht ber die bisher bekannten Phalloideen'', Jahrbuch des botanischen Gartens zu Berlin, Bd. IV, bezeichne ich als: Fischer 1886; die Zur Entwickelungsgeschichte der Fruchtkrper einiger Plialloideen*", Aunales du Jrdin botanique de Buitcnzorg. 1887, als: Fischer 1887; die Untersuchungen zur vergleichenden Entwickelungs- geschichte und Systematik derPhalloideen", Denkschrift der schwei- zerischen naturforschenden Gesellschaft, Bd. 32. I. 1890, als: Fischer 1890; die ,, Neuen Untersuchungen zur vergleichenden Entwicke- lungsgeschichte und Systematik der Phalloideen^", wie vor. Bd. 33. 1. 1893. als: Fischer 1893. Diese x\rbeiten dienten mir zur wesentlichsten Grundlage aller Beobachtungen. Dank dem unermdlichen Eifer und der ausserordentlich gewissenhaften Beobachtung Fischers sind wir heute ber den Etitwickelungsgang der Phalloideenfruchtkrper besser unterrichtet, wie ber denjenigen mancher andern viel leichter zugnglichen asidiomycetengruppen. Nur an den Stellen, wo in Fischer's Angaben sich in Folge bisher fehlenden Materials noch Lcken vorfanden, sowie bei den neuen Formen, konnte ich hoffen, mit meinen Beobachtungen Ergnzungen herbeifhren zu knnen. Wenn ich also auch fortdauernd die grsste Mhe darauf verwendete, in mglichst reichlicher Weise Material fr die vergleichende Untersuchung der Entwickelungsgeschichte zu sammeln , so richtete ich doch mein Hauptaugenmerk auf die Beobachtung der betreffenden Phalloideen im Freien, auf ihr Vorkommen, auf die Lebensweise ihrer Mycehen, auf den Streck- ungsvorgang und auf die eigenthmlichen Gerche; denn gerade nach dieser Richtung ist die reiche Phalloideenlitteratur bisher noch arm geblieben. Weiterhin war es mein Hauptbestreben, von den wunderbaren Formen, die nur so selten in vollendeter Ent- faltung unversehrt zu erhalten sind, mglichst getreue, also pho- tographische Abbildungen zu gewinnen , die in den angefgten Tafeln zum Theil wiedergegeben worden sind. Mehr als bei anderen Pilzformen ist bei den Phalloideen auf photographische Abbildungen Wert zu legen. Nur mit ihrer Hlfe wird es den^ 8 j eiligen Naturforscliern, welche sich mit Phalloideen beschftigen und die tropischen Formen derselben nur aus den zusammen- geschrumpften Alkoholexemplaren und aus mehr oder weniger sche- matischen, nach dem Gedchtniss angefertigten, nicht immer treuen Zeichnungen kennen, mglich gemacht, eine klare anschauliche Vor- stellung von diesen Gebilden zu gewinnen. Und auch der einfache Naturfreund, der sich um ihrer wunderbaren Gestaltung willen fr diese Pilzgruppe interessirt, wird die Photographie gern be- trachten, die ihm Gewissheit giebt, dass bei der Darstellung so merkwrdiger Gebilde jede Willkr der zeichnenden Hand, jede Ausschmckung, jede Schematisirung vermieden worden ist. AVenn irgendwo, so wird man bei den Phalloideen an Abbildungen nicht leicht zuviel bringen. Die individuellen Verschiedenheiten der Fruchtkrper sind gross ; die Beschreibung ist schwierig durch die beispiellose Eigenheit der Formen. Die Erhaltung von natr- lichen Vergleichsstcken ist sehr erschwert, getrocknetes Material ist fast ganz wertlos. Nur wenn frische Fruchtkrper in Alkohol gebracht werden, lassen sich brauchbare Sammlungsstcke er- zielen, aber auch sie sind durch die starke Schrumpfung mehr oder weniger entstellt. Aus allen diesen Grnden hielt ich es fr gerechtfertigt, verhltnissmssig viel Zeit und Mhe auf die Herstellung der Photographien zu verwenden. Um wirklich gute unverletzte Fruchtkrper zu erhalten, ist es noth wendig, reife Eier zu sammeln, und den Streckungsvorgang im Laboratorium, am besten unter einer schtzenden Glocke sich vollziehen zu lassen ; denn nur in den seltensten Fllen wird es gelingen, in der Natur entwickelte Fruchtkrper unbeschdigt vor die photographische Linse zu bringen. Die reifen Eier zu erhalten ist aber sehr schwierig, weil man nicht bei allen Formen sehen kann, ob der Streckungsvorgang nahe bevorsteht. In der Lnge der Zeit kam ich jedoch immer zum Ziel, und mit einer einzigen Ausnahme sind alle die auf den Tafeln dargestellten Fruchtkrper in meinem Laboratorium unter den Augen des Beobachters aus dem Ei ent- 9 wickelt. Bisher hat wohl noch kein Mykolog eine so grosse Anzahl verschiedener Phalloideentypen lebend beobachtet, wie ich es durch die Gunst der Verhltnisse zu thun im Stande war. Mge es durch diesen Umstand entschuldigt werden, dass ich an einigen Stellen der Schilderung des Gesehenen einen verhltniss- mssig breiten Raum gnnte. Protu))era nov. 2:011. und Claihreen. I. Protubera Maracuja nov. gen. Ueber die verwandtscliaftlicben Verliltnisse derPballoideen zu anderen Pilzgruppen ist bis in die jngste Zeit nicbts sicheres bekannt geworden. Nur Yermutbungen wurden geussert. Man hat auf die unleugbare Aehnlichkeit hingewiesen, welche ein junger Amanitafruchtkrper mit dem Ei von Phallus darbietet, auf der anderen Seite ist auch die grosse Uebereinstimmung. welche der Bau der Gleba bei einigen Hymenogastreen mit demjenigen von Phalloideen zeigt, nicht unbemerkt geblieben. Wenn Vittadini schon im Jahre 1831 ein Hysterangium mit dem Namen clathroides bezeichnete, so wollte er offenbar diese Aehnlichkeit betonen. Welcher thatschliche Werth jedoch darauf zu legen sei. musste so lange unentschieden bleiben, als man von der Bntwickelungs- geschichte der Hymenogastreen so gut wie nichts wusste, und dies war bis in die letzte Zeit der Fall. Es musste demnach jede einzelne .Form aus jenem der Be- obachtung schwer zugnglichen Kreise der ..Unterirdischen" hoch- willkommen sein, wenn es nur gelang, sie in allen Entwickelungs- zustnden zu sammeln. n Nachdem ich bei meinen Ausflgen in den Wldern umBlumenau im Jahre 1890 zum ersten male eine Hymenogastree gefunden hatte, dieselbe, welche ich nachher mit dem Namen Protubera Maracuja belegte, war und blieb es mein eifrigstes Bestreben, ein mglichst reichliches Material von Entwickelungszustnden aller Alters- stufen zusammenzubringen, um spter die Entwickelungsgeschichte aufklren zu knnen. Zwar blieb nun bei weiterem Suchen in den nchstfolgenden Jahren diese Protubera die einzige Hymenogastree, sie erwies sich aber als im Itajahythale durchaus nicht selten, und im Laufe der Jahre sammelte ich soviel, als ich irgend fr die Lsung der angeregten Frage wnschen konnte. Mehrere Flaschen, gefllt mit den in Alkohol erhaltenen Fruchtkrpern von weniger als Stecknadelkopfgrsse bis zu 40 mm Durchmesser waren das Ergebniss der fortgesetzt betriebenen Sammlungen. Nach Deutschland im Oktober 1893 zurckgekehrt, erhielt ich die ausgezeichnete Arbeit des Herrn Rehsteiner: Beitrge zur Entwicklungsgeschichte der Fruchtkrper einiger Gastromyceten", Bot. Ztg. 1892, welche auf dem besprochenen Gebiete auf einmal unsere Kenntnisse um ein betrchtliches Stck vorwrts gebracht hatte. Nicht nur fr eine, nein fr eine ganze Reihe bis dahin in dem Entwickelungsgange vllig unbekannter Formen gelang es Herrn Rehsteiner das ntige Material zu beschaffen , und die mhevolle Untersuchung durchzufhren. Aus der Gruppe der Hymenogastreen wurden Hymenogaster decorus, Hysterangium clathroides und Rhizopogon rubescens in dieser Weise behandelt und es scheint, dass die Mhe des Forschers dessen Verdienst, dadurch wahrlich nicht geschmlert werden soll auch vom Glck begnstigt worden ist; denn diese drei Formen stellten drei ganz verschieden ) Typen der Entwickelung dar, und ergaben in Folge dessen so reiche Aufschlsse nach jeder Richtung, als man nur irgend htte hoffen knnen. Herr Rehsteiner fand, dass die Anlage der Gleba bei Hymeno- gaster Phallus-artig war, d. h. in einer oberen glockenfrmigen 12 Zone des kugeligen Fruclitkrpers erfolgte, und von da luicli innen und unten sich ausbreitete. Bei Hysterangium erwies sie sich Clathrus-artig; d. li. sie erfolgte in der Peripherie des jungen Fruchtkrpers, dicht unter der Peridie, und schob von da beim zunehmenden "Wachsthum ihre Wlste nach aussen vor, dazwischen verwirrte Falten schaffend, die (Tlebakammern, Rhizopogon end- lich besass eine Lycoperdon-artige Glebaanlage. d. h. sie begann durch den ganzen Fruchtkrper hindurch gleichzeitig an ver- schiedenen Stellen an der Aussenwand von Knueln dichter ver- flochtenen Gewebes , die sich aus dem ursprnglichen gleich- artigen Fadengeflecht herausformten. Es folgte, als wertvollstes Resultat jener Arbeit, dass die drei genannten Hymen ogastreen- formen in nheren verwandtschaftlichen Beziehungen zu andern Pilzgruppen, zu den Phalleen, Clathreen und Lycoperdaceen stehen, als zu einander selbst. Wenn schon frher erkannt worden war, dass die Gruppe der ,,Hypogaei" nur eine biologische war, geeint durch das gemein- same unterirdische Vorkommen der knollenartigen Fruchtkrper, dass eine systematische Verwandtschaft zwischen ihren zu den Ascomyceten gehrigen Gliedern, und denen, welche sich als asi- diomyceten erwiesen , nicht bestehen konnte , so lsen sich nun auch dieBasidien tragenden Hypogen, die Hymenogastreen, in vor- lufig drei immerhin recht weit von einander al)stehende Gruppen auf. Hymenogaster erscheint nach Rehsteiner als ein den Stamm- formen der Phalleen nahestehender Pilz. Doch ist der Ab- stand von Hymenogaster zu den niedersten Phalleen noch ein recht grosser, und der Zusammenhang der Formen kann vorlufig nur als wahrscheinlich, keineswegs als sicher erwiesen gelten, wie Rehsteiner selbst in ausfhrlicher Darlegung nachweist (a. a. O. S. 39/40 d. S. A.). Viel sicherer erschien die Ableitung der Clathreen von Hysterangium. Hier waren die Beziehungen unverkennbar deut- liche, wenngleich das Mass der Unterschiede noch so gross blieb, 13 flass Avir uns eine lange Eeihe von unbekannten Zwischenforraen zu denken hatten. Insbesondere hatte Hysterangium verhltniss- mssig grosse ellipstisch spindelfrmige Sporen von 1214 i^i Lnge und 4 5 /t Breite, welche zu zweien auf der asidie stehen, wohingegen die Clathreen kleine, hchstens 5 {.i lange, fast stb- chenfrmige Sporen besitzen, die zu 6 8 auf der Basidie an- geordnet sind. Abgesehen von diesem Unterschiede fasste Fischer (1893, S. 45) die Verschiedenheiten der Formen kurz zu- sammen, indem er sagte: Der Unterschied der beiden Pilze besteht besonders darin, dass bei Hysterangium die Bildung der Tramawlste direkt am Centralstrang (welcher seinerseits aussen direkt an die Peridie grenzt) erfolgt, ohne vorangegangene DifFerenzirung von Central- strangzweigen, ferner darin, dass bei demselben die Bildung des Beceptaculums und der Volva unterbleibt." Wie werden nun sehen, dass die hervorgehobenen Unterschiede bei Protubera alle bis auf das fehlende Receptaculum ausgeglichen sind, dass die Centralstrangzweige angelegt werden wie bei Clathrus, bevor die erste Hymeniumanlage sichtbar wird, und dass die Ausbildung der von den nicht differenzirten Zwischengefieclitsplatten durchsetzten Volva hier, wie bei Clathrus erfolgt, mit andern Worten, dass in Protubera eine Zwischenform zwischen Hysterangium und Clathrus gegeben ist, welche den verwandtschaftlichen Zusammen- hang beider ber allen Zweifel erhebt und eine glnzende Be- sttigung der von Rehsteiner zuerst geusserten Ansicht bildet. Protubera ist, wie schon erwhnt wurde, im Waldgebiete des Itajahythales ein weitverbreiteter Pilz. Ich traf ihn vorzugsweise au lehmigen Stellen des Waldbodens im tiefen Schatten, im Wurzelgeflecht verschiedenster Bume. Dort breiten sich die strangfrmigen, fast reinweissen, mitunter schwach rthlich ange- hauchten Mycelstrnge dicht unter der Oberflche im Humus auf weite Strecken hin aus. Die Sti'nge erreichen bis 3 mm Dicke, sie verzweigen sich mannigfaltig und auastomosiren auch 14 mit einander. Einmal gelang es, auf einer Flche von einem Quadratmeter ein dichtes Netz eines solchen Mycelgeflechts frei- zulegen, wo dann Strnge von ber 1 m Lnge gewonnen werden konnten. Morsche Holzstcke werden durch- und um- sponnen. Das Mark der Strnge besteht aus 2 ^.i starken, im allgemeinen parallel und in der Lngsrichtung, jedoch geschlngelt, verlaufenden Hyphen, deren Membranen stark vergallertet sind. Die Rindenschicht wird durch locker vertiochtene, bis 5 f.i starke, nicht vergallertete, unregelmssig, im allgemeinen peripherisch verlaufende und verwirrte Fden gebildet. Die Rindenschicht ist dicht erfllt mit blasenartigen Auftreibungen der Fden, welche Kalkoxalat enthalten. Diese Blasen haben 2450 {.l im Durchmesser und liegen auch in dnnen Schnitten so zahlreich und dicht bei ein- ander, dass die ganze Rinde wie ein Conglomerat von Oxalat- krystallen erscheint, und dass es nicht miiglich ist, ber ihre Hyphenstruktur eine Vorstellung zu gewinnen, ehe man nicht das Kalkoxalat (z. B. durch Salzsure) aufgelst hat. Der gallertige zhe Strang bildet auf dem Querschnitt ein eigenartiges Bild da- durch, dass die in Gallerte eingehllten Fden zwischen sich Hohl- rume lassen, w^elche in der Lngsrichtung den ganzen Strang durch- ziehen und auf sehr dnnen Querschnitten das Bild einer Sieb- platte hervorrufen. Ist der Querschnitt etwas dicker, so wird das Bild der Siebplatte undeutlich, da ebenso wie die Fden auch die Hohlrume den geschlngelten Verlauf haben, und in einem dickeren Schnitt in Folge dessen zum Theil wieder verdeckt werden. Der Durchmesser der Hohlrume (auf dem Querschnitt) geht von fast unmerkbarer Kleinheit bis zu 8 /^ Ihre Querschnittsform ist ganz unregelmssig, im ganzen rundlich, und die sie trennenden Wnde und Gallerthyphen erreichen kaum ber 5 (^i Strke. Ganz vereinzelt finden sich noch in den Strngen Hyphen von 2 7 ^i Durchmesser, welche betrchtliche Lnge erreichen, unver- zweigt erscheinen, scharf umzeichnete Rnder und einen stark licht- brechenden Inhalt haben. Sie finden sich in den Hauptstrngen nur 15 sehr vereinzelt uad selten, in grosser Zahl und regelmssig jedoch dicht unter der xlnsatzstelle der Fruchtkrper. Sie liegen gleichsam wie fremde Krper in dem durchsichtigen Gallertgewebe, und sind an den Enden kuglig aufgetrieben. Ich mchte glauben dass dies Reservestoffbehlter sind, in denen die Baustoffe fr den Frucht- krper angehuft werden, um allmhliche Verwendung zu finden. Wenigstens stimmt es mit dieser Auffassung berein, dass man diese scheidewandlosen Schluche zahlreich und von Inhalt strotzend am Grunde ganz junger Fruchtkrperanlagen findet, whrend man am Grunde der ausgewachsenen Frchte sie zum grssten Theil in- haltsleer und verfallen beobachtet. Die Fruchtkrper stehen an den Enden der Mycelstrnge als rundliche Knollen. Fast ausnahmslos geht jeder Fruchtkrper nur aus einem Strange hervor. Sie sind in der Jugend ganz glatt helUederbraun, ltere Fruchtkrper sind durch Runzeln gefltelt und etwas dunkler (Fig. 1). Sie erreichen Durchmesser, so weit meine Beobachtungen reichen, bis zu 50 mm; die jngsten Zu- stnde sind meist vollkommen unterirdisch. Erst die strker werdenden Fruchtkrper wlben die schwache Bedeckungsschicht auf und treten mit ihrer Obeifiche aus der Erde hervor (pro- tuberare). Alle Fruchtkrper, auch die Mycelstrnge, ndern ihre Farbe in Alkohol nur wenig und sinken darin sofort unter. Die Peridie erreicht kaum je ber ^4 i^m Strke; sie besteht aus gebruntem pseudoparenchymatischem Gewebe, und ist im Verhltniss zur Rinde der Strnge arm an Kalkoxalat. Sie be- rhrt die Gleba nicht, sondern sie umgiebt die weisse, in dickeren Schnitten fast bluliche Volvagallerte , welche Protubera aus- zeichnet. Vergl. Taf. VI Fig. 6. Die Dicke der Volvagallerte ist bei den einzelnen Fruchtkrperu verschieden, erreicht aber bisweilen 2 3 mm. Durch dickere oder dnnere (Fig. 6) strahlen- artig oder, rumlich gesprochen, ttenartig von dem Anheftungs- punkte der Fruchtkrper ausgehende gallertige Platten , die Zweige des Centralstrangcs, steht die Volvagallerte in Verbin- 16 duiig mit der gleicbgebildeten, polsterartigen, am Grunde der Fruchtkrper befindlichen Grallertraasse, welche eine Erweiterung des Mycelstrangmarkes darstellt, und schon in den jngsten Fruchtkrpern angelegt ist. Die radial gerichteten Gallertplatten umschliessen die ebenfalls im grossen Ganzen strahlig ange- ordneten Glebapartien mit ihrem faltigen Kammergewirr. Die Gleba ist von schwrzlich grner Farbe. Ihre Falten sind vom Hymenium ausgekleidet in der fr die Clathreen charakteristischen, oft beschriebenen Weise. Die Basidien, welche bei Protubera denen von Clathrus zum Verwechseln hnlich sind, tragen auf ganz kurzen Sterigmenje acht Sporen, welche lnglich, fast stbchen- frmig, 3 4 ^t lang und IV2 !^ breit sind, dabei schwrzlich grn gefrbt. Diese Sporen sind also fr unsere Wahrnehmung ununter- scheidbar von Clathrus -Sporen, und durch den Besitz solcher Basidien und Sporen nhert sich Protubera in aufflliger Weise vor allen anderen Hymenogastreen den Phalloideen. Hysterangium hat, wie schon oben erwhnt wurde, zweisporige Basidien, und Sporen, welche schon durch ihre Grsse 12 14/< Lnge und 45 (t Breite von denen der Phalloideen. im besonderen von Clathrus, weit abweichen. Dieser Unterschied ist bei Protubera vollstndig ausgeglichen. Wir bemerken aber an dem entwickelten Fruchtkrper noch eine weitere mit Hysterangium nicht, wohl aber mit Clathrus bereinstimmende Eigenheit. Man sieht auf der Figur 6 an vier Stellen die Volva durchsetzt von einer dunklen nach der Gleba hin verlaufenden Linie. Diese Linien stellen durch den Schnitt getroffene AVnde dar, welche die Volva abtheilen. Derartige Wnde in der Volva kommen, wie wir noch weiter sehen werden, bei allen Clathreen vor, man vergleiche z. B. Fig. 10, Taf. VI und Fig. 14 u. 15 auf Taf. VII. Auf ihre Entstehung werden wir nher einzugehen haben. Hier gengt es, hervorzu- heben, dass in dem Besitz dieser Volvascheidewnde Protubera sich den Clathreen aufs engste anschliesst. Schlt man einen Fruchtkrper von Protubpra mglichst dnn :il), so dass die 17 Peridie und die oberste Schicht der Volva cnti'ernt werden, so bemerkt man an seiner Oberflche ein Netz von Maschen, welches in ganz hnlicher Weise, nur noch regelmssiger ausgebildet, an an einem ebenso abgeschlten Fruchtkrper von Clathrus be- obachtet wird. Schlt man einem solchen Clathrusfruchtkrper dann weiter, so bemerkt man, dass jene AVnde unmittelbar in das darunter liegende gitterige Receptaculum berfhren, welches bei Protubera noch nicht zur Ausbildung gelangt. Zu bemerken ist noch, dass in diesen Volvascheidewnden der Protubera ungewhnlich reiche Einlagerung von Krystallen stattfindet, welche in der Volvagallerte selbst nicht vorkommen, und auch in der Peridie weniger zahlreich auftreten, als gerade in diesen Wnden. Nach meinen Beobachtungen kommt unser Pilz im Itajahy- thal ohne Unterschied in allen Jahreszeiten vor. An ein und demselben Standort, an dem ich das Mycel ungestrt liess, konnte ich ihn ber 2 Jahre lang in unregelmssigen Zwischenrumen immer wieder beobachten, eber die Schnelligkeit der Entwicke- lung der einzelnen Fruchtkrper kann ich einige Angaben machen. Ein solcher, der am 6. Dezember 1890 33 mm grssten Durch- messer hatte, zeigte am 20. Dezember 42 mm., ,, 29. war er unverndert, und wurde am 5. Januar zerflossen gefunden. Ein anderer Fruchtkrper mass am 13. Dezember 19 mm grssten Durchmesser, }) 20. 29 ,, , 29. 35 ;, , 5. Januar 40 ?j > 12. ebenfalls 40 mm und zerfloss an einem der nchsten Tage. Bei mehreren anderen ebenfalls in gleichen Zwischenrumen nachgemessenen Frucht- krpern verlief das Wachstum mit ungefhr gleicher Geschwindig- Schimpei's Mittheuiigeu Heft 7. 2 18 keit. Ich glauLe bestimmt versiclieru zu kiinen, dass auch die erste Entwickelung in gleich schneller Weise vor sich geht. Wenigstens fand ich mehrfach Fruchtkrper von ungefhr 30 mm Durchmesser an genau beobachteten Stellen, an denen 14 Tage bis 3 Wochen vorher noch keine Spur davon bemerkt worden war. Bei der Reife platzt die Peridie unregelmssig auf, die Volva zerfliesst zu einer weissschleimigen Flssigkeit, in der die grnlichen Sporenmassen sich dann verbeiten. Mit dem Flssigwerden erzeugt der Pilz einen starken, scharfen, nicht widerwrtigen Geruch, welcher ausserordentlich an den von reifen Frchten einer in Blumenau hufig cultivirten Passions - Blume (nach Dr. Fritz Mllers gtiger Mittheilung der Passiflora alata Ait.) erinnert. Da die smmtlichen Passifloren, von denen viele bei Blumenau vorkommende, essbare Frchte liefern, in der Landessprache Mara- cuj genannt werden, so habe ich dem Pilze diesen Zunamen ge- geben. Die Entwickelungsgeschichte unserer Fruchtkrper konnte an dem reichlich gesammelten Material genau verfolgt werden. Die alier- jngsten Zustnde zeigen uns nur eine Erweiterung des Mycel- stranges, dessen Rinde in die des jungen Fruchtkrpers berfhrt, und dessen Mark in seiner Fortsetzung die kleine kuglige Anschwel- lung ohne irgendwelche Differenzirung ausfllt, als ein gallertiges, von beraus feinen und starkverwirrten Fden gebildetes Geflecht. In dem nchsten Zustand (Fig. 2 Taf. VI) unterscheiden wir auf dem Lngsschnitte den Centralstrang S., welcher sich in zahlreiche nach der Peripherie zu fortschreitende Aeste theilt (Pj G), und zwischen diesen Aesten das Zwischengeflecht A; das ganze von der Peridie umgeben. Ich benutze hier und im Folgenden die von Ed. Fischer (1890) eingefhrten Ausdrcke , und auch die von ihm angewendeten Buchstaben zur Bezeichnung der einander entsprechenden Theile in den Figuren, um eine vergleichende Betrachtung zu er- leichtern. 19 In dem beschriebenen Zustande der Fig. 2 weicht nun Pro- tubera von Hysterangium bereits ein wenig ab, und nhert sich mehr der Entwickelung von Clathrus. Hysterangium nmlich zeigt nach E-ehsteiners Untersuchungen in einem entsprechenden Schnitte zwar auch den in eine grosse Anzahl von Zweigen gespaltenen Centralstrang, aber derselbe ist ganz und gar, auch auf den Zweigen, mit einer Pallisadenschicht berdeckt, welche den Anfang des Hymeniums bekundet. Das Zwischengefiecht fehlt dort. Es ist dort eine vollstndige Trennung zwischen Centralstrang und Peridie durch die Pallisadenschicht herbeigefhrt und erst spter mssen die ussersten Enden der vorwachsenden Centralstrang- zweige (Tramawlste) nachtrglich wieder durch hyphenartiges Auswachsen einiger Basidienanlagen eine Verbindung mit der Peridie herstellen. Hier bei Protubera bleiben die, brigens weniger zahlreich auftretenden, Centralstrangzweige mit der Peridie stets in Verbindung, und das gleiche Verhalten werden wir auch bei Clathrus wiederfinden, wo die Anzahl der Centralstrangzweige noch weiter zurckgeht. Von einer Pallisadenschicht ist im Zu- stande der Figur 2 noch nichts zu sehen. Vielmehr treffen wir die erste Hymeniumanlage erst in der Figur 3 an. Wir sehen, dass hier die Enden der Centralstrangzweige sich verbreitert haben, sie zeigen deutlich gallertige Beschaffenheit und bilden die erste Anlage der spteren Volvagallerte genau in der Weise, wie wir es noch bei Clathrus kennen lernen werden. Das Zwischengeflecht wird weiterhin allmhlich zusammen- gedrckt. An seinem Grunde und in den Winkeln zwischen den Centralstrangzweigen, bei cp in der Figur, tritt die erste Hyphen- pallisade in die Erscheinung, welche spter zum Hymenium wird. Hier auch entsteht bei weiterem Wachstum der erste Hohlraum, die erste Glebakammer, welche vom Hymenium ausgekleidet wird. Alle diese Verhltnisse stimmen mit den fr Clathrus beobachteten aufs genaueste berein. Nun aber wrden wir bei Clathrus in dem entstandenen Hohlrume, tp gegenber, am Ende des Zwischen- 2* 20 geiiechts die erste lleceptaculumanlagc zu uiwaiten haben. Ihr Platz ist bei Protubera deutlich kenntlich, aber die Anlage tritt nicht auf; hier liegt der durchgreifende Unterschied beider Formen. Das weitere AYachsthum des Fruchtkrpers verfolgen wir an den Figuren 4 und 5, welche nur noch Theile je eines Lngs- schnittes zur Anschauung bringen. Wir bemerken, wie die Central- strangzweige nach aussen sich weiter verlngern und verbreitern, das Zwischengeflecht allmhlich zu Platten (Fig. 4 A) zusammen- drckend, dabei stark vergallerten und zur Volvagallerte G werden. Aus dem zusammengedrckten Zwischen geflecht A entstehen im weiteren Verlaufe eben jene Wnde, welche die Volva durchsetzen, und die schon oben bei Beschreibung des reifen Fruchtkrpers erwhnt wurden. Der Vergleich der Figuren 4 u. 5 erlutert dies nher. Weiter rckwrts, nach innen zu, verbreitern sich die Cen- tralstrangzweige nicht in demselben Maasse, wie dicht unter der Volva, hier entsteht vielmehr in Folge ihres Lngenwachsthums aus dem anfnglich winzigen Hohlrume, q) gegenber (Fig. 3), ein grs- serer lnglicher Kammerraum (Fig. 4), dessen Wnde sich von (p aus allmhlich mit der Hyphenpallisade auskleiden, die nachher das Hymenium bildet. In dem freien Rume der so entstehenden Glebakammern finden sich lockere allmhlich zerreissende Ueber- reste des Zwischengeflechts. Weiterhin entstehen von den Wnden der Kammer aus Wlste und Vorragungen in das Innere hin- ein (Fig. 5), welche sich wiederum spalten und theilen und all- mhlich zu dem labyrinthischen Gewirre der reifen (lleba aus- wachsen. Bei Hysterangium nehmen die gallertigen Platten, die Zweige des Centralstranges, auch im reifen Fruchtkrper einen verhltniss- mssig breiten Raum ein, die Glebakammern erscheinen gewisser- maassen in eine den ganzen Fruchtkrper aufbauende Gallertmasse eingebettet, whrend bei Clathrus jene Platten von der heran- wachsenden Gleba bis beinahe zum Verschwinden zusammen- 21 gedrckt werden. In diesem Betracht nun steht Protubera wieder zu Hysterangium. Indessen ist dies Verhltniss der Massen von Glebakaramern zu Gallertwnden ein ausserordentlich schwanken- des. In manchem Fruchtkrper erscheinen auf einem Lngs- schnitte dunkle Glebaflecke auf weissem Grunde, in anderen hin- wiederum bilden die Gallertlinien nur schwache Wnde zwischen den berwiegenden Massen der Glebakammern. Die gallertige Grund- masse am Boden der Fruchtkrper jedoch, jener zuerst angelegte Grundstock des Centralstranges, bleibt stets erhalten. Man sieht ihn von dunkleren, strahlenfrmig vom Mycelansatz ausgehenden Linien durchzogen, die auch auf der Figur 6 angedeutet worden sind. Diese Strahlen bezeichnen lediglich Bndel etwas enger zu- sammenschliessender Hyphen. Wenn auf dem Wege vergleichend morphologischer Unter- suchung der verwandtschaftlichen Beziehung heut lebender Or- ganismenformen nachgesprt wird, so finden sich nur zu oft Lcken in den fr lange Strecken klar verfolgbar an einander schliessenden Reihen. Das natrliche Bedrfniss des Forschers erfordert, diese Lcken auf Grund der zur Verfgung stehenden Kenntnisse nach Mglichkeit zu schliessen, durch die von der Wirklichkeit geleitete Phantasie die fehlenden Zwischenglieder zu ergnzen. Nicht immer kann hier volle Sicherheit in der Be- urtheilung erlangt werden. Keine grssere Genugthuung aber, keinen bessern Beweis fr die Richtigkeit der angewandten For- schungsmethode kann es geben, als wenn nachtrglich in der Natur noch lebend vorhandene Zwischenformen gefunden werden, genau von der Beschaffenheit, wie sie voraus vermuthet worden waren. Einen solchen Fall haben wir an Protubera erlebt. Wenn wir auf Grund der fr Hysterangium und Clathrus bekannten That- sachen im Geiste allmhlich vervollkommnend die erste Form zur andern berfhren, so kommen wir mit Nothwendigkeit zu dem Bilde der Vorstellung, welches durch Protubera pltzlich in die Wirk- lichkeit versetzt ist. Wenn bisher die Palloideen vereinzelt standen 22 im Pilzreicb, und zu keiner anderen Gruppe von ihnen aus ein sicherer Uebergang leitete, so sind nun wenigstens die Clathreen mit voller Sicherheit auf niedere receptaculumlose Formen zu- rckgefhrt. Es ist vielleicht mglich, dass durch genauere Untersuchung des krzlich von owland Thaxter (Botanical Gazette Vol. XVIII PI. IX) besprochenen Pallogaster saccatus noch weitere Auf- klrung knnte gewonnen werden ber die Stammformen der Clathreen. Nach den bisher mitgetheilten Thatsachen ist irgend ein zuverlssiger Schluss nicht mglich, da ber den wichtigsten Punkt, die erste Anlage und die weitere Entwickelung der Gleba bei Phallogaster die Untersuchung noch keinen Aufschluss er- geben hat. 2. Clathrus chrysomycelinus nov. spec. Clathrus chrysomycelinus, dessen ussere Gestalt in voll ent- wickeltem Zustande durch die Figuren Taf. II, 1. u. 2 und Taf. III 1 b zur Anschauung gebracht wird, ist mir von drei verschiedenen Standorten in den Wldern der Umgegend Blumenaus bekannt geworden. Seine Mycelien durchziehen die Humusdecke des Waldbodens. Sie weichen von allen bisher beobachteten Palloideen- mycelien durch ihre goldgelbe Frbung ab, und der Pilz hat des- halb den Namen chrysomycelinus erhalten. Bringt man die Mycelien in Spiritus, so nimmt die Flssigkeit die schne hell- goldgelbe Frbung an, welche eine Lsung von Goldchlorid zeigt, so genau, dass wenn man eine solche Lsung in entsprechender AVeise verdnnt, auch das schrfste Auge keinen Unterschied gegen den von unserem Clathrus gefrbten Alkohol wahrnehmen kann. Die Mycelstrnge erreichen keine bedeutende Strke, wohl kaum ber 2 mm ; sie sind aber sehr reich verzweigt und ver- . stelt, und breiten sich weit im Boden aus. An der einen meiner Fundstellen waren sie auf einer mehrere Quadratmeter grossen 23 Flche verbreitet. Stsst ein Strang auf ein welkes, noch nicht ganz verwestes Blatt, so sehen wir, wie er sich alsbald auflst, und als Ueberzug das Blatt bedeckt ; strahlenfrmig verbreitet er sich von der Berhrungsstelle, anfnglich in Gestalt einer Haut, dann immer dnner werdend, und schliesslich sich auflsend in dnne Strnge und endlich in einzelne Fden. Das in dieser Weise vollkommen bis zu den feinsten Verzweigungen bersicht- lich angeordnete Mycel, welches in der Mitte an den strksten Stellen noch die goldgelbe Farbe des Stranges zeigt, nach dem Rande aber schneeweiss ist, gewhrt einen wunderschnen Anblick. Mit einer Pincette lassen sich grosse Theile desselben von dem Blatte leicht abheben , und in Wasser bertragen , so dass sie mikroskopischer Betrachtung zugnglich werden. So weit ich sehen konnte, kommen an den 2 5 (.t starken Fden Schnallen nicht vor, wohl aber zahlreiche Fadenbrcken (Fusionen). Reich- lich sind die Fden mit den bekannten Krystllchen der Lnge nach besetzt, und in grossen Mengen finden sich die blasig auf- getriebenen Fadenanschwelluugen, welche von einer kugligen Krystallmasse von Kalkoxalat angefllt sind. Lst man dasselbe auf, so erkennt man leicht und deutlich, dass die kuglige Blase nur die Anschwellung eines Fadens darstellt. Diese krystall- fhrenden Blasen sind bei unserem Clathrus so reichlich vorhanden, dass sie besonders in der Rinde der Strnge sich gegenseitig drn- gen und fr flchtige Betrachtung stellenweise ein parenchy- matisches Gewebe vortuschen knnen. Morsches zerbrckelndes Holz wird von dem Pilze ganz und gar durchwuchert. Bringt man Myceltheile mit dem Boden, den sie durch- ziehen, auf einem Teller unter eine feuchtgehaltene Glocke, so wachsen aus den durchrissenen Stellen der Strnge Bschel feiner weisser Mycelfden in die Luft. Man kann diese abreissen und in Nhrlsung bertragen, wo sie auf dem Objekttrger leicht weiterwachsen. Ich hielt solche Kulturen viele Wochen lang und beobachtete die Anlage von Strngen, welche sehr bald auch auf 24 dem Objekttrger die charakteristische gelbe Frbung, wenn auch in schwcherer Schattirung, als am natrlichen Standorte zeigten. Hier wo jeder Faden einzeln verfolgt werden konnte, besttigte es sich, dass Schnallen nicht vorkommen. Irgend welche Neben- fruchtformen traten in keiner der mehrere Wochen hindurch unterhaltenen Kulturen auf. Im Bau der strkeren Mycelstrnge macht sich eine auf- fallende Aehnlichkeit mit den fr Protubera Maracuj beobach- teten geltend. Nur die goldgelbe Farbe und geringere Strke bilden einen Unterschied. Die krystallfhrenden Blasen sind wo- mglich noch zahlreicher hier, als in dem vorigen Fall, sie bilden rings um den Strang eine dichte Schicht von ungefhr 150 n Dicke, ber welche hinaus noch ein kurzes Grewirr von Faden- enden hervorragt. Die krystallfhrenden Blasen kommen ferner hier auch im Innern des Stranges vor. jedoch nicht zer- streut, sondern in platten artigen Schichten, welche ebenfalls in der Lngsrichtung verlaufen und auf dem Querschnitte bisweilen den Strang frmlich halbiren. Auch freie Krystalle finden sich zahlreich an den Fden. Die dnnen Hyphen des Markes zeigen denselben wellig geschlngelten Verlauf wie bei Protubera, bisweilen scheinen sie auf lngere Strecken hin spiralig gedreht, ringsum zu verlaufen. Es kommen auch hier jene fr Protubera (Seite 14) beschriebenen, bis 7 ,a starken, dunkler gefrbten, unver- zweigten Schlauchzellen vor. welche gleich fremden Krpern im Strange liegen. Sie sind, nicht so deutlich wie dort, an den Enden kopfig angeschwollen. Im brigen aber gilt alles dort gesagte auch hier. Die Fruchtkrper entstehen, wie in allen anderen Fllen als kuglige Anschwellungen an sehr dnnen Mycelstrngen. Indem sie heranwachsen, nimmt auch der wurzelartige Strang an Dicke zu. Jeder Fruchtkrper sitzt nur an einem Strange. Die her- anwachsenden Eier sind anfangs ganz weiss, spter nehmen sie eine graue Farbe an, besonders in ihrer oberen Hlfte, der Scheitel wird bisweilen fast schwarz. Die Entwickelung eines 25 Eies dauert, so weit meine Beobachtungen reichen, jedenfalls mehrere Wochen. Die Eier behalten bis zur Reife annhernd Kugelgestalt. Sie erreichten in den beobachteten zahlreichen Fllen nie mehr als 2 cm Durchmesser, Ich verfolgte mehrere Eier, die genau bezeichnet waren, am natrlichen Standorte, und hier machte ich oftmals die schon in der Einleitung erwhnte unange- nehme Erfahrung, dass ein noch nicht reifes Ei von einem zum anderen Tage ganz pltzlich verschwunden, wahrscheinlich wohl von einem Thiere gefressen war. Zwei nahezu reife Eier hatte ich anfangs August 1891 in eine grosse Glasschale verpflanzt und zur Beobachtung ins Zimmer gebracht. Am 13. August 1890 morgens ^'48 wurde an dem einen der beiden das Platzen der Volva bemerkt. Die Volva reisst durchaus unregelmssig auf, bei jedem Stck in anderer Weise. Die Streckung der Receptaculumste geht, nachdem die Volva geplatzt ist, in der Richtung von oben nach unten ziemlich schnell von statten. Der gesammte Streckungsvorgang dauerte in dem genau beobachteten Falle von ^'^S bis 11 Uhr. Die obersten Maschen des Receptaculumgitters waren zuerst fertig. Die Gitterstbe, welche je eine Lcke umgrenzen, strecken sich nacheinander. Jedesmal wird natrlich durch eine solche Streckung das ganze Gebilde in ruckweise zitternde Bewegung gesetzt. Der fertige Pilz, den unsere Figur Taf. II, 1 darstellt, hatte die Hhe von 5 cm, whrend das Ei nur l^/^ cm Durchmesser gehabt hatte. Das fertige gestreckte Receptaculum hat im ganzen entschieden kuglige Gestalt, die Maschen sind fnf- bis sechseckig und im oberen Theile, wie auch die Bilder erkennen lassen, ziemlich regelmssig. Die unteren zeigen eine Neigung zur Lngsstreckung. Das ganze Receptaculum erhebt sich auf gewhnlich acht Sulen, welche aus der Volva aufstreben, und welche in ihrem unteren Theile vollkommen stielartig mit einander verschmolzen sind. Smmtliche Gitterste lassen eine Schwache, rinnige Rckenfurche deuthch erkennen. Sie sind ohne Ausnahme einfach rhrig und 26 ihre Wnde sind auch im vollentwickelten Zustande nicht ganz glatt, sondern etwas querrunzelig gefltelt (s. d. Figuren). In ber- einstimmung mit dem einkammerigeu Bau der Aeste ist auch der Stiel aus einer einzigen Lage von Kammern mit sehr dnnen Wnden gebildet. Kleine Lcher in den AVnden der Recepta- culumste finden sich berall unregelmssig vertheilt, man erkennt auch auf der Figur solche. Die Aeste sind undeutlich dreiseitig- prismatisch und so angeordnet, dass eine Seite des Prismas nach aussen, eine Kante nach der Mitte zeigt. Die Lnge des Stiels ist unbestimmt, bei den einzelnen Stcken verschieden. Einen mittleren Fall stellt die Figur 1 der Taf. II, dar. Der lngste beobachtete Stiel hatte 1^/., cm Lnge. Am Grunde der geplatzten Volva, da wo der Strang einmndet, findet sich auf der Innenseite ein kleines, nahelartiges, spitzes Bndelchen von Hyphen, welches nichts anderes darstellt, als den Rest vom Grundgewebe (Centralstrang) , um welchen herum der Stieltheil des Receptaculums sich gebildet hat. Ein ganz hnliches Gebilde in etwas strkerer Entwickelung ist das von Cavalier und Sechier in ihrer ersten Beschreibung und Abbildung des Colus hirudi- nosus (Ann. sc. nat. II serie. Tome III, Taf. VIII A Fig. 4, Seite 253 ff.) mehrfach erwhnte pistillartige Sulchen am Grunde der Volva. Schliessen wir uns ganz wrtlich an die von Ed. Fischer ge- gebenen GattuDgscharakteristiken an, welche Colus und Clathrus wesentlich als gestielte und nicht gestielte Formen aus ein- ander halten, so wrden wir unsern Pilz seines Stieles wegen als Colus zu bezeichnen und in die Nhe von Colus Mlleri Ed. Fischer zu stellen haben. Ich werde spter noch auf diesen Punkt zurckkommen und die Grnde auseinander setzen, um derentwillen ich die vorliegende Art bei Clathrus belassen zu sollen meinte. berall da, wo die rein weissen zarten Gitterste des Re- ceptaculums sich in den Winkeln vereinigen, sehen wir eine weisse 27 Receptaculumkammer nach innen vorragen (sehr schn links in Taf. II Fig. 1 zu sehen) und an dieser ansitzend ein rundes kugliges Knpfchen von schmutzig-grnlicher Farbe, die einzelnen Glebatheile. Die Gleba ist an dem entwickelten Receptaculum nur auf die Stellen be- schrnkt, wo die Gitterste zusammen stossen, auf die Ecken des Maschennetzes (s. die Figuren). Diese hchst regelmssige Ver- theilung der Gleba am reifen Fruchtkrper bildet ein nicht ganz unwesentliches Merkmal der Form, es unterscheidet sie z. B. wesentlich von Gl. cancellatus, bei dem die Gleba die ganze Innen- seite der Receptaculuraste bedeckt. Wir werden weiter noch wieder- holt darauf aufmerksam werden, dass die Vertheilung der Gleba am reifen Fruchtkrper bisher bei der Beschreibung und Unter- scheidung der Clathreenformen zu wenig Beachtung gefunden hat. Der Grund dieser Thatsache ist indess sehr leicht erklrlich; denn nur an dem ganz frischen, eben gestreckten Fruchtkrper ist die Gleba in ihrer natrlichen Anheftungsweise noch sicher zu erkennen. Die Dauer eines Clathrus von so zartem Bau, wie der unsere, ist aber natrlich nur sehr kurz. Schon nach wenigen Stunden sinkt das Receptaculum zusammen, die flssigwerdende Gleba tropft ab und beschmutzt beliebige Stellen des welkenden Receptaculums. An. einem alten Exemplar ist es dann kaum mehr mglich, eine sichere Vorstellung von dem Aussehen des frischen Fruchtkrpers zu gewinnen. Aus diesem Grunde eben legte ich besonderen Werth auf photographische Abbildung. Man kann Bilder, wie die beigegebenen, nur erhalten, wenn man den Streckungs- vorgang im Zimmer sich unter den Augen des Beobachters vollziehen lsst und die Abbildung macht, sobald er vollendet ist. Nie gelang es mir, im Freien einen unversehrten Fruchtkrper zu finden, stets waren da einige Netzmaschen schon zerrissen und die Gleba in flssigem Zustande. Wenn es aber auch ge- lnge, ein ganz frisch entfaltetes Exemplar im Freien anzutreffen, so wrde doch wieder ein Transport zum photographischen Apparat -~ 28 unmglich sein, ohne das beraus zarte Gebilde, welches keine noch so leichte Erschtterung vertrgt, zu beschdigen. Die Gleba des Pilzes verbreitet einen sehr unangenehmen, indess nicht bermssig starken Geruch nach verdorbenem Leim, fast genau denselben Geruch, wie der weiterhin zu betrachtende Ithyphallus glutinolens. Die Sporen sind 4 /i lang, 1 l'/s ^(^ breit, und in mehreren Fllen gelang es mir, acht Sporen auf der Basidie zu zhlen. Es scheint mir sehr wahrscheinlich, dass dies die normale Zahl ist. Die Entfaltung des Receptaculums scheint bei dieser Form an bestimmte Tageszeit nicht gebunden zu sein. Wenigstens habe ich sie in einem genau geprften Fall am Morgen und in einem andern am Abend beobachtet. Reiches Material an Eiern in allen Grssen setzte mich in den Stand, die Entwicklung der Fruchtkrper genau zu verfolgen. Sie schliesst sich in den Hauptzgen, wie wohl zu erwarten war, eng an die von Fischer (1890) fr Clathrus cancellatus gegebene an. Ich konnte indessen noch jngere als die jngsten von Fischer beobachteten Zustnde beobachten. Der Einfachheit halber benutze ich wieder bei den Zeichnungen dieselben Buch- staben, welche Fischer angewendet hat, in entsprechender Be- deutung. So sehen wir in dem jngsten beobachteten Fruchtkrper, Fig. 7, Taf. VI die Rinde, wie bei Clathrus cancellatus als Fort- setzung der Rinde des Mycelstranges. Unter derselben folgt das Zwischengeflecht , und in der Mitte, als Fortsetzung des Markes des Mycelstranges der Centralstrang S. Das Bild unterscheidet sich von den jngsten Fischerschen Stadien von Clathrus cancellatus (s. Fischer 1890, Taf. 1, Fig. 1) dadurch, dass der Centralstrang noch keine Zweige ausgebildet hat, ferner dadurch, dass das Centrum des Centralstranges heller aussieht, als die ihn umgebende dunklere Schicht, welche allmhlich zum Zwischengeflecht berfhrt. Das Centrum des Centralstranges zeigt bereits den Beginn der Ver- gallertung. Die Neubildungen treten in der dunkleren Rinde des 29 Centralstranges, in SS auf. An dieser sehen wir in der nchsten Figur (8) Erhebungen von Hyphenbndeln auftreten, welche als Fortsetzung des Centralstranges erscheinen, aber noch nicht bis zur Rinde reichen. Es sind dies die Centralstrangszweige Fischers P^ ; die Fig. 8 entspricht etwa seiner Figur 1 (1890, Taf. 1) von Clathrus cancel- latus. Whrend in diesem Zustande die zwischen den Central- straiigzweigen liegenden Theile des Zwischengeflechts A den Haupttheil des Eaumes einnehmen und gleichsam wie durch Wnde durch die Centralstrangzweige getrennt werden, so ist dies Verhltniss gerade umgekehrt in dem nchsten durch Fig. 9 dargestellten Zustande, welcher ber Fischers Fig. 2 a. a. O. vielleicht schon ein klein wenig hinausgeht. Die Centralstrangzweige haben sich in Richtung der Lnge und hauptschlich in die Breite aus- gedehnt, und das Zwischengeflecht zu den Zwischengeflechtsplatten PI zusammengedrckt. In G, also im Innern der Erweiterungen der Centralstrangzweige vergallerten die Hyphen bereits deutlich. Hier vollzieht sich die Anlage der Volvagallerte. Die erste An- lage der Hymenienschicht erfolgt bei ff. Alle diese Vorgnge erinnern uns unwillkrlich an die fr Protubera beschriebenen. Bei ff entsteht nun ein Hohlraum, die erste Glebakammer, welche von dem Hymenium ausgekleidet ist, und in die hinein von den Centralstrangzweigen aus alsbald AVlste wachsen und die be- kannte labyrinthisch verwirrte Phalloideengleba erzeugen, cp gegen- ber aber, am Ende des Zwischengeflechts, tritt ein Knuel enger, verwirrter Hyphen auf, der sich alsbald mit einer Schicht pallisadenartig angeordneter Hyphenenden umkleidet, die Anlage der ersten Receptaculumkammer. Fr die nheren Einzelheiten ber die Herausbildung des Pseudoparenchyms in den Recepta- culumwnden verweise ich auf Fischer (1890). Die betreffenden Vorgnge sind in unserm Falle genau die gleichen.'*") Jene erste, *) Nach Abschluss der Niederschrift habe ich Gelegenheit gehabt, die im Oktober 1894 zu Boston in den Memoirs of the Boston Society of Na- 30 (p gegenber angelegte Receptaculumkammer erlangt nun bald eine auf dem Schnitte dreieckige Gestalt. Ihr gegenber aber vergrssert sich die erste Glebakammer und fllt sich mit den allmhlich vorstossenden Wlsten der Gleba (Fig. 10). Machen wir nun recht verschiedene Schnitte durch die junge Gleba, nur so, dass immer jene erste dreieckige Receptaculumkammer ge- troffen wird, so sehen wir, wie die Wlste und Falten der Gleba im allgemeinen von allen Seiten des Raumes strahlenfrmig auf jene Receptaculumkammer zu sich richten. Wir haben fr Protubera gesehen und wissen aus Fischer's Untersuchungen fr Clathrus cancellatus, dass die allmhlich sich krftiger ausbildende Yolvagallerte durch die zusammengedrckten Platten des Zwischengeflechtes in Fcher getheilt wird. Genau dasselbe trifft bei unserm Gl. chrysomycelinus zu. Diese Platten des Zwischengeflechts verlaufen smmtlich radial und stossen in radial gerichteten Kanten zusammen. Solcher Kanten giebt es so viele, als spter Ecken der Netzmaschen vorhanden sind. Gerade nun an den Enden jener Kanten, nach innen zu, gegenber der ersten Glebakammer, werden jene dreieckigen Receptaculum- zellen angelegt, die wir eben besprochen haben. Diese stehen tural History ver'entlichte, mit ausgezeichnet schnen Tafeln ausgestattete Arbeit des Herrn Edward A. Burt ber Anthurus borealis Burt kennen zu lernen. Herr Burt giebt hier fr das eceptaculum und seine Kammern eine wesentlich andere Entstehungsweise an, als Ed. Fischer fr die von ihm unter- suchten Formen. Ohne der Untersuchung des Herrn Burt zu nahe treten zu wollen, kann ich nur hervorheben, dass ich bei allen von mir untersuchten Phalloideen (bei Aporophallus und Blumenavia habe ich die betreffenden Jugend- zustnde nicht untersuchen knnen) die von Fischer eingehend geschilderte Entstehungsweise aus Knueln, welche sich mit Pallisadenhyphen umgeben, besttigt gefunden habe. Auffallend ist in der Burt'schen Arbeit noch die (Testalt der in Figur 11 abgebildeten Basidien. Aehnliche Bildungen hat, so- viel ich aus den Verffentlichungen sehen kann, Fischer bei keiner seiner zahlreichen Phalloideenuntersuchungen bemerkt, und auch ich habe bei keiner der hier zu schildernden Formen hnliches gesehen. Vielmehr fand ich berall dieselbe, lngst bekannte und oftmals beschriebene und abgebildete Form der Phalloideen-asidien. 31 zunchst also nicht miteinander in Verbindung, sondern liegen einzeln, verhltnissmssig tief im Fruchtkrper. Rings um sie herum und von allen Seiten des Raumes her strahlenfrmig auf sie zu gerichtet, entstehen die Falten der Gleba (Fig. 10). Oftmals (s. dieselbe Figur) knnen wir Stellen beobachten , wo ein vor- wachsender Glebawulst bis an die Receptaculumanlage heranreicht. Dann nimmt seine Spitze an der Bildung des Pseudoparenchyms der Receptaculumkammerwand Antheil, und an seinem Umfange sehen wir den allmhligen bergang von pallisadenfrmigenHyphen, welche zu Pseudoparenchym werden, zu denjenigen, die das Hymenium erzeugen. Fischer hat auch diese Verhltnisse aus- fhrlich erlutert. Er meint, man msse das Pseudoparenchym wesensgleich mit derHymenialschicht setzen und man knne sich vor- stellen, dassersteres entstehe, wenn fr die sich drngenden Hyphen- pallisaden nicht gengend Platz vorhanden wre, whrend Hyme- nium dort zu Stande kme, wo Raum zur Bildung der Basidien und Sporen geboten wrde. Wenn es nun auch richtig ist, dass Pseudoparenchym aus ununterscheidbar gleichen Hyphenpallisaden sich bildet, wie das Hymenium, so ist doch die Fischersche Auf- fassung wohl nur sehr hypothetisch zu betrachten ; denn im Innern der faltenreichen Gleba finden wir oft Stellen, wo die Pallisaden- schichten sich enge aneinander schmiegen mssen, und doch ent- steht hier niemals Pseudoi)arenchym. Auch machen gewisse von Fischer selbst (1890 p. 20 ff.) ge- schilderte Vorgnge in der Eutwickelung von Kalchbrennera jene Auffassung nicht eben wahrscheinlicher. Dort werden nmlich an drei Seiten der Centralstrangzweige glebaerzeugende Tramaplatten gebildet, whrend an der vierten Receptaculumtheile entstehen, ohne dass ein Grund vorhanden ist, anzunehmen, es sei an der vierten Seite weniger Platz vorhanden, als an den drei anderen. Es schien mir nothwendig , hierauf hinzuweisen , weil der von Fischer mit allem Vorbehalte aufgestellte Satz: es ist das Receptaculum eine Glebapartie, bei welcher die Basidien wegen 32 liaummangel nicht zur Entwickelung kommen" in allerletzter Zeit wie ein sicher erwiesener Lehrsatz behandelt worden ist (vergl. L. Rabinowitsch; Flora 1894). In dem Maasse, wie der Fruchtkrper zunimmt, vergrssert sich die Gleba, die Wlste und Falten streben nicht mehr nur von innen auf die dreieckigen eceptaculumkammern zu, sondern bald auch von den Seiten her, und endlich sogar schrg von oben oder aussen her. So wird jene Receptaculumzelle allmhlich immer tiefer in die Glebaparthie, deren Centrum sie bildet, hineinversenkt (Fig. 11 Taf.VI). Ausserhalb jener an die Tetraederform sich an- nhernden Receptaculumkammer bilden sich nun alsbald auch die Anlagen der langrhrenfrmigen Kammern aus, welche spter die Stbe des Netzgitters bilden (Fig. 10 u. 11. Ep.). Ihre Bildung ist in nichts verschieden von der auch sonst fr Receptaculumkammern bekannt gewordenen. Sie treten in unmittelbare Verbindung mit den ersterwhnten nach innen vorspringenden und nur an den Ecken des Netzes vorkommenden mehr isodiametrischen Kammern, welche sie von aussen berhren und miteinander in Verbindung setzen (Rp. Fig. 11). Im Verlauf ihrer weiteren Ausbildung falten sich ihre Wandungen zickzackfrmig ein. Den Beginn der Faltungen stellt die Figur dar. Durch die Glttung dieser Falten, welche jedoch nie ganz vollstndig wird, wie oben schon ange- deutet ist, kommt die Streckung des Receptaculums zu Stande.*) Nie und an keiner Stelle tritt die Gleba mit diesen rhren- frmigen Receptaculumkammern oder vielmehr mit ihren Wnden, in irgendwelche unmittelbare Berhrung. Stets bleibt zwischen *) Dass bei der Streckung des Receptaculums nicht eine Gasaussclieidung ins Innere der Kammern, wie de Eary wollte, als treibende Kraft angesehen werden kann, aus dem einfachen Grunde, weil die Kammerwnde Lcher haben, hat Ed. Fischer in den Mittheilungen der naturforschenden Gesell- schaft in Bern schon 1887 klar auseinandergesetzt. Trotzdem findet sich in der im Vorwort erwhnten Arbeit von Fulton (Annais of Botany 1889/90 Seite 209) die alte, auf unhaltbarer Spekulation beruhende Luftidee wieder als verbrgte Thatsache aufgefhrt. 33 beiden Elementen eine Schicht gallertiger Hyphen als trennende Wand erhalten. Zwar wird nun mit weiterem Wachsthum der Grieba allmhlig auch die Anlage des Receptaculumnetzes in die Gleba hineinversenkt. Und wenn wir ein annhernd reifes Ei sorgfltig abschlen, die Volva vollstndig entfernen, so sehen wir das Receptaculumgitter gleichsam eingelegt in die brunlich- grnliche Glebamasse (Fig. 12). Indessen berzeugt uns auch hier ein Blick mit der Lupe schon, dass eine Verbindung und Berhrung der Gleba mit den Gitterstben des Netzes nirgend eingetreten, vielmehr die trennende Gallertschicht berall erhalten geblieben ist. Es ist nun klar , wie es kommt , dass die Gleba bei der Streckung des Receptaculums in annhernd gleichgrosse Klmp- chen vertheilt, an den Ecken des Netzes fest haftet. Sie besteht aus einer Reihe von gesonderten Abtheilungen, deren jede strahlenfrmig um eine der an den Ecken liegenden dreieckigen Receptaculumkammern herum angelegt ist. Die einzelnen Partien sind von einander getrennt durch die allmhlich verlngerten und stark zusammengedrckten Centralstrangzweige P^ (Eig. 11), welche gallertig geworden sind, und in denen die Trennung der Gleba bei der Reife des Fruchtkrpers erfolgt. Diese Centralstrang- zweige sind im reifen Fruchtkrper zu gallertigen Wnden geworden, welche die einzelnen Glebaabtheilungen sackartig umschliessen. Da sie in Folge des gegenseitigen Druckes ganz unregelmssige Gestalt angenommen haben, so ist es nicht verwunderlich, dass sie auf einem Schnitt, wie der in Fig. 11 dargestellte ist, nicht berall, also z. B. nicht in der Mitte zwischen den beiden vor- springenden Kammern ganz deutlich erkennbar sind, obwohl natrlich auch dort eine solche Scheidewand durch den Schnitt mit Nothwendigkeit getroffen sein muss. Rechts und links im Bilde bei P^ sind die zu dnnen Wnden gewordenen Central- strangzweige indessen zweifellos erkennbar. Besonders deutlich und meist schon mit blossem Auge sichtbar erscheinen sie, wenn Scliimper's Mittheiluugeu Heft 7. 3 - 34 wir, wie oben bereits geschehen, ein nahezu reifes, von der Volva ent- blsstes Ei von aussen besehen. Die Figur 12 stellt halb schematisch eine Netzmasche in dieser Ansicht dar. Hier zeigen sich die Enden der zu AVnden gewordenen Centralstrang- zweige als dunkle Linien, welche die in gekrseartigen Windungen angeordnete Gleba in Felder theilen. eber den ganzen Frucht- krper bilden diese dunklen Linien ein Netz, entsprechend dem eceptaculuranetz, aber in derart verschobener Anordnung, dass seine Balken die des andern Netzes kreuzen , und seine Ecken in die Mitte der Felder des Receptaculumnetzes fallen. Zum Schlsse mssen wir noch einmal auf die Figur 10 zurck- greifen, an der eine, auch noch bei andern Clathreen hufige, so weit ich aber weiss, nicht beschriebene Eigenthmlichkeit der die Volva durchsetzenden Scheidewnde zum Ausdruck kommt. Wir wissen, dass diese Scheidewnde durch die Gallerte der Volva hindurch das Receptaculum mit der Rinde verbinden , dass sie aus dem bereits in den jngsten Fruchtkrperanlagen angelegten Zwischen- geflecht /l ihren Ursprung nehmen. Die Kante, in welcher sie die Receptaculumste berhren, ist an den letztern durch die eingangs erwhnte Rckenfurche bezeichnet. Ursprnglich ver- laufen nun diese Zwischengeflechtsplatten regelmssig radial. Bei der Grssenzunahme der Fruchtkrper aber werden sie, wie dies ausnahmslos an allen untersuchten Stcken zu beobachten war, stark verbogen, sodass sie mitunter sogar geschlngelten Verlauf nehmen (Fig. 10). Diese auch bei allen andern Clathreen be- obachtete (z. B. Fig. 19 Taf. VII.) *) Eigenthmlichkeit der Zwischen- geflechts])latten ist nur dadurch zu erklren, dass in ihnen inter- calares Wachsthum stattfindet, und zwar strkeres als nthig wre, um die gerade radiale Verbindung der Receptaculum- ste mit der Rinde aufrecht zu erhalten. Die dnnen, sich der- *) M:m verg^leiehe auch die schne Zeichnung Nr. 18 von A. Hurt a.a. U. ber AnthuruR borealis Hurt. 35 art in der Flche vergrssernden Scheidewnde werden in Folge dessen innerhalb der weichen, entweder nachgebenden, oder vielleicht auch drckenden Volvagallerte hin- und hergebogen. Ausserdem mag noch hinzukommen, dass die Volvagallerte nicht in demselben Maasse in den letzten Stadien der Ausreifung sich vergrssert, wie die in ihrem Innern liegende Fruchtkrper- anlage, dass sie also bei deren schneller Wachsthumszunahme zwischen ihr und der Peridie zusammengepresst wird, wodurch dann natrlich eine Verbiegung der Theilungswnde herbeigefhrt werden wrde. Diese Theilungswnde der Volvagallerte spielen eine gewisse olle beim Platzen des Eies. Es kommt nicht selten bei Cla- threen vor, dass die Volva in regelrechten Lappen sternfrmig auf- reisst. und in diesen Fllen wird man finden, dass die Zerreissungs- linien mit den Zwischenwnden zusammenfallen. Bei keiner der beobachteten Formen ist aber dies gerade Aufreissen die Regel. Vielmehr zerreisst meistens die Volva unregelmssig und ich glaube, dass gerade die so hufige Verbiegung und Verzerrung jener Theilungswnde die Ursache dafr ist, dass sie nicht immer als Linien des Zerreissens auftreten knnen. 3. Colus Garciae nov. spec. Die kleinste und zarteste der bei Blumenau beobachteten Phalloideenformen ist der Colus Garciae, den unsere Abbildung (Taf. IV Fig. 2) in natrlicher Grsse darstellt. Dieser Pilz wurde am 30. Oktober 1892 von Herrn Erich Grtner zuerst ge- funden an einer feuchten Stelle des dicht beschatteten Waldbodens in einem der zur Garcia abfallenden Seitenthler. Die Garcia ist ein Nebenflsschen des Itajahy, welches gerade beim Stadtplatz Blumenau in den Hauptuss sich ergiesst. An eben derselben Fundstelle wurden im Laufe der Zeit noch mehrere Fruchtkrper 3* 36 - und auch die zur Beurtlieilung des Entwickelungsganges notli- wendigen Eistadien gesammelt. Dagegen haben wir den Pilz nirgends sonstwo wieder gefunden. Unser Colus hatte in dem grssten beobachteten Stcke nur eine Gesammthhe von 5 cm. Die Volva ist aussen grauweiss gefrbt; sie zerreisst unregel- mssig. In einem Falle beobachtete ich, dass sie regelmssig in drei Lappen aufgerissen war, welche mit den drei Receptaculum- sten abwechselten. Hier waren also ausnahmsweise die von jenen Aesten aus die Volva durchsetzenden Scheidewnde fr die Form des Aufreissens maassgebend gewesen. Aus der Volva er- hebt sich das reinweisse Receptaculum. Seine untere Hlfte stellt eine dnne, glatte, beraus zarte Rhre dar, deren Wnde nicht, wie man auf Grund der bisher bekannten Formen erwarten drfte, einen kammerigen Aufbau zeigen , sondern einfach aus wenigen pseudoparenchymatischen Zelllagen gebildet sind. Der ganze untere rhrige Stiel macht in Folge dessen den Eindruck einer einzigen Stielkammer und ist beraus hinfllig, wie denn auch der Frucht- krper wenige Stunden nachdem die Streckung vollendet ist, wieder zusammensinkt. Vom oberen Rande der eben beschriebenen, offenen Rhre erheben sich nun drei Aeste, welche schlank auf- steigend an ihrer Spitze zusammenhngen, und im wesentlichen eine scharf zugespitzte dreiseitige Pyramide darstellen, die nur im unteren Drittel schwach ausgebaucht ist. Diese Receptaculum- ste besitzen kammerigen Bau im Gegensatze zu dem unteren Theil des Stieles ; jeder von ihnen stellt eine rhrige Kammer dar. An den strksten Stellen der Aeste, im unteren Drittel ist noch eine sehr viel kleinere, nach aussen zu gelegene Kammer vor- handen. Nach innen ist die Wand der Aeste auch im fertigen Zustande des Pilzes grobrunzelig quergefltelt, wie es auf dem Bilde an dem linken Ast zu sehen ist, an der Aussenseite aber bemerken wir eine sonst noch nirgends beobachtete Eigenthmlich- keit. Hier verlaufen nmlich, der Lnge nach an den Kanten eines jeden Astes zwei bandfrmige Streifen vom Ansatz des 37 Stieles an bis zur Spitze. Diese Bnder sind genau wie die Kammerwnde gebildet, aus pseudoparencbymatisch verbundenen Zellen ; sie sind dem Receptaculum mit der schmalen Seite ange- setzt, so dass sie zwischen sich eine Rinne bilden, und in ihrem Verlaufe schwach wellig hin und hergebogen. Sie sind nicht in ihrer ganzen Lngenausdehnung fest angewachsen, sondern wo die auch auf der Aussenseite nicht vllig glatte Receptaculumwand sich einbiegend eine Falte bildet, entsteht zwischen derselben und der aufgesetzten Wand eine Oeffnung. Es ist klar, dass durch diese, wie T Trger wirkenden Streifen der obere durchbrochene eceptaculumtheil eine verstrkte Festigkeit erhlt. Die Bnder nehmen an Breite nach oben etwas ab, sind aber deutlich er- kennbar bis zur Spitze, wo sie von einem Ast auf den andern ohne Unterbrechung bergehen. Man wird sie nach dieser Be- schreibung auch auf dem Bilde an dem mittleren Aste erkennen. Deutlicher werden sie in der Figur 16 (Taf. VII), welche den Querschnitt darstellt, durch die Mitte eines Receptaculum- astes in fast vllig entwickeltem Eizustande. Hier erscheinen die Leisten als zwei Spitzen aa. Da die Wnde noch starkgefltelt sind, so erscheint pseudoparenchymatisches, in der Flcheu- richtung getroffenes Kammerwandgewebe auch im Innern der Kammerhohlrume. Es ist der Erwhnung wohl werth, dass auch auf den von Tulasne (Expl. scientifique d'Algerie Sc. nat. Bo- tanique, Acotyledones, Tab. 23) gegebenen Abbildungen fr Colus hirudinosus Cav. et Sech, diese beiden versteifenden Leisten an den Hauptsten des Receptaculums auftreten. Die nahe Ver- wandtschaft jener Form mit der unseren wird dadurch trefflich besttigt. Bei mehr als einem Dutzend, von demselben Mycel geernteter Fruchtkrper und Eier waren drei Receptaculumste vorhanden. In einem reifen Ei dagegen, welches durch die Mycelien in un- mittelbarem Zusammenhang mit den dreistigen Stcken stand, fanden sich vier Receptaculumste. Es ist mit Rcksicht auf 38 die demnchst fr Laternea columnata zu besprechenden Thatsachen auch hier wohl nicht ausgeschlossen, dass Einzelwesen mit 2 oder auch mehr als vier Aesten gelegentlich auftreten knnen. Die Anzahl der Aeste kann zur Artunterscheidung hier so wenig wie dort dienen. Der erste Fruchtkrper wurde im November 1892, der letzte im Januar 1893 geerntet. Das Auftreten fiel also in diesem Falle mit der heissesten Zeit des Jahres zusammen. Die Gleba ist durchaus auf den oberen Theil des Recepta- culums beschrnkt, sie fllt im frisch gestreckten Fruchtkrper den Raum zwischen den drei Aesten vollstndig aus und zwar so, dass diese halb in die Gleba eingesenkt erscheinen. Die untersten Theile der Aeste sind schon meist glebafrei. Die Farbe der Gleba ist wie gewhnlich schmutzig brunlich mit schwacher Beimischung von grn, der Geruch ist sehr widerlich, er erinnert an faulige Seethiere, ist aber nur ausserordentlich schwach entwickelt. Die kleinen grauen, nahezu kugligen Eier (vergl. d. Abbild. Taf. IV Fig. 2) haben kaum mehr als 12 mm Durchmesser. Die Streckung des Receptaculums ging in dem einzig beobachteten Falle verhltnissmssig langsam vor sich. Nachdem die Volva am Morgen des 2. November geplatzt war. streckte sich der obere Theil des Receptaculums zuerst und war bis zum Abend vllig entwickelt. Erst im Laufe der folgenden Nacht streckte sich der untere rhrige Theil. Der Streckungsvorgang vollzieht sich auch hier, wie bei allen sicher beobachteten Clathreen in der Richtung von oben nach unten. Die im humosen Boden in der fr die Phalloideen charakte- ristischen AVeise verlaufenden Mycelien sind weiss, und der Klein- heit des Pilzes entsprechend sehr feinfdig. Mehr als ^/o mm Strke wurde nicht beobachtet. Sie gleichen, von den geringeren Maassen und der weissen Farbe abgesehen , den fr Clathrus chysomycelinus beschriebenen vollkommen, insbesondere auch in dem Fehlen der Schnallen, dem reichlichen Besitz von Krystallen So- und aucli von jenen glnzend lichtbrechenden schlauch artigen Zellen, welche auf Seite 24 fr den Clathrus erwhnt wurden. In den jngsten Entwickelungszustnden des Pilzes lassen sich wie bei Clathrus: Rinde, Zwischengeecht () und Central- strang unterscheiden. Whrend aber bei Clathrus dort die alsbald auftretenden Verzweigungen des Centralstranges runde Bndel sind, welche den sj)ter durch das Receptaculumgitter bezeichneten Maschen an Zahl und Anordnung entsprechen, so sind es hier drei (oder vier , vielleicht in Ausnahmefllen noch mehr oder weniger) senkrechte, im Centralstrange selbst als in einer gemein- samen Kante zusamraenstossende Platten oder Wnde, welche den ganzen Raum des Eies in drei oder vier gleiche Rume theilen. Wir finden also in der Reihe von Protubera ber Clathrus nach Colus hin ein stetes Zurckgehen der Centralstrangzweige an Zahl. Die nach aussen gerichteten Theile dieser Platten nehmen alsbald an Dicke zu und vergallerten ; sie bilden die Anlage der Volvagallerte. Die Figur 13 Taf. VII zeigt einen Querschnitt durch ein junges Ei in diesem Zustande. In seinem alleruntersten, in jungen Eiern natrlich sehr kleinen Theile, bleibt der Centralstrang unverzweigt. Bei cp (Fig. 13), der Stelle, welche der mit demselben Buch- staben frher bezeichneten Stelle der Clathrusformen entspricht (vergl. Tafel VI, Fig. 9), entsteht die erste Anlage des Hymeniums, ihr gegenber der erste Receptaculumknuel , welcher in der folgenden Figur 14 schon deutlich sichtbar erscheint (a). Dieser zuerst angelegte Receptaculumknuel entspricht der grossen, inneren, rhrenfrmigen Kammer des fertigen Recepta- culumastes. In der weiteren Ausdehung der Volva, der Zusam- menpressung des Zwischengefiechts bis zu schmalen, die Volva durchsetzenden Platten (PI Fig. 14) und in der allmhligen Aus- bildung der Gleba zeigt der Pilz ein im wesentlichen gleiches Verhalten wie Clathrus chrysomycelinus und auch wie die erste von Fischer genau untersuchte Clathreenform, der Clathrus can- cellatus. In dem durch die Figur 14 dargestellten Zustande, wo / \ 40 also die Vorwlbungeii der Gleba, die AVulst- und Falten- bildungen schon deutlich begonnen haben, ist ausserhalb der Anlage jener ersten Kammer a noch keine weitere Anlage von Receptaculumtheilen zu bemerken. Diese letzteren, welche dem Bandstreifen an der Aussenseite und stellenweise der zweiten kleineren Kammer den Ursprung geben , entstehen, ebenso wie die Anlage des unteren rhrigen Receptaculumtheiles, erst spter, wenn die Ausbildung der Gleba schon erheblich weiter fort- geschritten ist. Die Figur 15 endlich giebt uns einen Lngsschnitt durch ein nahezu reifes Ei. Da hier nur drei Receptaculumste vor- handen waren, so kann im Lngsschnitte nur einer derselben ge- troffen werden. Wir erkennen deutlich seinen rhrig-kammerigen Aufbau. Die Wnde der Kammern sind in der gewhnlichen Weise gefltelt. Ausserhalb der Hauptkammer erscheinen Bruchstcke von den Wnden der kleineren Kammern und Bruchstcke der Bandstreifen , welche dem Receptaculum angeheftet sind. Da diese nicht in einer meridional gerichteten Ebene verlaufen, knnen sie auch auf dem Lngsschnitt nicht ununterbrochen zur Anschauung kommen. An der Spitze bemerkt man in der Volva eine Scheidewand, welche ungefhr die Kante anzeigt, in der die drei den Asten entsprechenden meridionalen Zwischengeflechts- wnde zusammenstossen. In Wirklichkeit trifft der Schnitt nicht haarscharf diese Vereinigungskante. Aus diesem Grunde sieht es auch so aus, als ob zwischen dem Ende des im Schnitt sicht- baren ileceptaculumastes und den links von jener Scheidewand erscheinenden zu einem der andern Aste gehrigen Receptaculum- theilen ein Zwischenraum a bestnde, Macht man Querschnitte durch die Spitze entwickelter Eier, so berzeugt man sich indess leicht, dass die Receptaculumste in einer ununterbrochenen, allerdings auf einen sehr kleinen Fleck begrenzten Verbindung miteinander stehen. Ein ganz genau durch jenen Vereinigungs- punkt fhrender Lngsschnitt, der indess nur bei sehr reichem ^ 4:1 Material durch gnstigen Zufall zu erlangen sein wrde, msste jene Trennung a zwischen den Receptaculumsten, die in unserer Figur auftritt, nicht zeigen. Die Gleba berhrt unmittelbar die Karamerwnde und dringt vielfach in die Falten derselben ein. An der entgegengesetzten Seite reicht sie bis an die innere Volva- haut, woraus hervorgeht.^ dass im Eizustande das Receptaculum vollstndig in die Glebamasse eingebettet ist. Im unteren Theil des Eies erscheint die stark eingefaltete Wand des unteren rhrenfrmigen Receptaculumtheiles , und es wird aus dieser Zeichnung ganz deutlich, dass dieselbe keinen kammerigen Auf- bau besitzen kann. Macht man Querschnitte durch diesen unteren Theil des Eies, so bemerkt man, dass hier, wie es auch nicht wohl anders sein kann, die Scheidewnde in der Volva fehlen. Diese endigen nach unten zu blind in der Gallerte da , wo die Anlagen der Receptaculumste aufhren. Die Sporen von Colus Garciae sind etwas lnger als diejenigen von Clathrus chrysomycelinus , nmlich 5 /ti lang. Ihre Breite ist 1 iVa H- Bei vielfachem Suchen habe ich mehr als sechs Sporen nie an einer Basidie ansitzend gesehen. Indessen ist es nicht leicht, die genaue Anzahl der Sporen festzustellen, weil diese sich hutig im Prparate gegenseitig verdecken, und weil auch die sehr kleinen Basidien so dicht bei einander stehen, dass man oft im Zweifel darber ist, zu welcher von zwei benachbarten Basidien eine Spore gehrt. Starke Immersionssysteme, wie sie zu derlei Untersuchungen eigentlich nthig sind, standen mir nicht zu Gebote. Ich mchte es daher nicht fr ganz ausgeschlossen halten, dass am Ende auch hier, wie bei allen sonst beobachteten Phalloideenformen die Achtzahl der Sporen an der Basidie, wenigstens in der Anlage, die Hegel bildet. 42 4. Laternea columnata (Bosc) Nees (= Clathrus brasiliensis Ed. Fischer, und vielleicht gleichbedeu- tend mit Clathrus Berkeleyi Gerard in Litt. Ed. Fischer in Sacc. Sylloge VII, 1, 1888 S. 18 und Clathrus (Laternea) australis Spegazzini in Anales de la Sociedad cientifica Argentina T. XXIV S. 66. Getrennt zu halten von Laternea triscapa Turpin und Laternea angolensis Welwitsch und Currey.) Laternea columnata wurde unter dem Namen Clathrus brasi- liensis von Fischer 1886 als neue Art beschrieben. Er grndete die Art auf zwei in Berlin befindliche, aus Rio de Janeiro stam- mende Stcke, welche er eingehend beschrieb. Die a. a. 0. ver- ffentlichten x\bbildungen sind ausgezeichnet charakteristisch und lassen nebst der ausfhrlichen Beschreibung keinen Zweifel be- stehen, dass die von mir bei Blumenau zu verschiedenen Maien in grosser Anzahl beobachtete Form mit dem Fischerschen Clathrus brasiliensis gleichbedeutend ist. Ausser den oben er- whnten Abbildungen gab Fischer 1890 (Taf. II, Fig. 8) noch ein Bild eines fertigen Fruchtkrpers, den er aus Blumenau von Dr. Fritz Mller erhalten hatte. Dieses Bild ist insofern sehr wertvoll, als es uns den Ansatz der Gleba am reifen Frucht- krper in der charakteristischen Form darstellt. Die Gleba nmlich bleibt bei dieser Form im scharfen Gegensatze zu Clathrus cancel- latus oder chrysomycelinus in einer Masse vereinigt und wird, wenn das Receptaculum sich streckt, emporgehoben, sodass sie im Innern der Laterne an der Spitze festgeheftet erscheint. Der auf dieser Fischerschen Figur dargestellte Fruchtkrper ist durch die Aufbewahrung in Alkohol etwas zusammengeschrumpft. Nimmt man zu jener Abbildung nun die nach frischen Exemplaren hergestellten Photographien (Tafel II, Fig. 3 u. 4 dieses Heftes) hinzu, so wird man sich von der usseren Erscheinung unseres Pilzes ein gengend genaues Bild machen knnen. 43 Fischer hob in seiner Abhandlung 1886 die alte Gattung Laternea auf, und vereinigte ihre Formen mit denen von Clathrus. Man verstand unter Laternea diejenigen Clathreen, welche ver- hltnissmssig wenige, unverzweigt aus der Volva aufsteigende und nur an der Spitze verbundene Receptaculumste besassen, unter Clathrus dagegen (von dem fr uns nicht in Betracht kommenden Ileodictyon abgesehen) dem Namen entsprechend die mit einem gitterigen Receptaculum versehenen. Es giebt nun im Ganzen sechs Laterne aformen in der Litteratur, nmlich : 1. Laternea triscapa Turpin (Dictionnaire des sciences natu- relles, T. 25, 1822; 2. Laternea columnata, Nees in Nees u. Henry, System der Pilze (2. i^bth. bearb. von Th. Bail 1858) =^ Clathrus columnatus Bosc, Magazin der naturforschenden Freunde, Berlin, Jahrg. V (1811); 3. Laternea angolensis, Welwitsch und Currey, Transactions Linnean Society of London, Vol. XXVI (1870) ; 4. Laternea pusilla, Berk. u. Curt in Journ. Linn. Society Botany X 1869. Zu diesen gesellte sich 1886 5. Fischers Clathrus brasiliensis und endlich gehrte hierher 6. Clathrus (Laternea) australis Spegazzini. Bei seiner Bearbeitung der Phalloideen fr Saccardos Sylloge fungorum (1888) vereinigte nun Fischer, ra. E. mit Recht, seinen Clathrus brasiliensis mit der unter Nr. 2 aufgefhrten Laternea columnata, und gab fr diese Form eine Diagnose, welche durch die hier raitzutheilenden Beobachtungen im wesentlichen besttigt, nur in Einzelheiten erweitert wird; 1890 jedoch fhrte er alle die angegebenen Laterneaformen als Varietten einer und derselben Art, Clathrus cancellatus an. Die am lngsten bekannte Clathree, der europische Clathrus cancellatus bildete nun nur noch eine forma typica" der zu gewaltigem Umfange erweiterten Art: Clathrus cancellatus. Mit dieser letzten Auffassung nun kann ich mich nicht ein- 44 verstanden erklren. Es liesse sich ja wohl rechtfertigen, alle bekannten Clathreen in eine Gattung Clathrus zusammenzufassen, wie Fischer schon einmal andeutete (1890, Seite 49), denn mehr oder weniger deutlich ist der verwandtschaftliche Zusammenhang aller ersichtlich. AVas aber htten wir damit gewonnen? Eine sehr grosse Gattung mit vielen Arten, die sich in eine fort- laufende Reihe jedenfalls nicht ordnen lassen, Gattungs- und Artabgrenzung dient aber doch wesentlich praktischen Bedrf- nissen, sie ist nothwendig zur gegenseitigen Verstndigung. Die Einfachheit der Verstndigung wrde aber durch eine einzige Gattung Clathrus fr alle Clathreen nicht gefrdert werden. Das Maass der Unterschiede, welches nthig ist, um eine Formen- gruppe zur Art oder zur Gattung zu erheben, ist ein ganz unbe- stimmtes, und wird durch Willkr zumeist bestimmt. Aber auch die Menge und die Verschiedenheit der jeweilen bekannten For- men haben bestimmenden Einfluss auf jenes Maass. Schaffen wir nun Arten, wie Fischers erweiterten Clathrus cancellatus, welche wir in so und so viele, bei Fischer 6 verschiedene Formen" theilen, so erschweren wir die Verstndigung aufs neue, ohne irgend welchen Nutzen. Jedermann weiss, dass das Maass der Verschiedenheiten zwischen je zwei nchst verwandten Arten einer und derselben Gattung sehr verschieden gross sein kann , und durch die Bildung von Untergattungen hat man dem Gefhl hierfr oftmals Ausdruck gegeben. Ich meine, dass der Fischersche Clathrus cancellatus (1890) nothwendig wieder auf- gelst werden muss, und dass man die nur amerikanischen und afrikanischen Laterneaformen von dem europischen Clathrus cancellatus trennen muss. Ob es nun freilich besser ist, die alte Gattung Laternea wieder anzunehmen, oder die darunter begriffe- nen Formen in die Gattung Clathrus zu stellen, das ist eine Frage, die dem persnlichen Empfinden zu lsen berlassen bleibt. Ich bin fr Beibehaltung der Laternea, weil die Gattung einmal besteht, und kein zwingenc^er Grund zu ihrer Auflsung _ 45 mir vorhanden zu sein scheint. Denn wenn wir die Unterschiede betrachten , durch welche die anerkannten Gattungen Simblum und Colus, Colus und Lysurus, Lysurus und Anthurus, ja Ithy- phallus und Dictyophora getrennt werden, so ist nicht einzusehen, warum wir sie so viel hher schtzen wollen^ als die zwischen Laternea und Clathrus, dass eine Vereinigung der beiden letzte- ren nothwendig wird. (Jlathrus hat ein der kugligen Form an- genliertes gittriges Receptaculum. bei dem die Gleba entweder die Receptaculumste von der Innenseite bedeckt, oder aber den Ecken der Netzmaschen in einzelnen Portionen ansitzt, Laternea dagegen hat aufrecht stehende, nur an der Sj)itze ver- bundene Receptaculumste, ausnahmsweise nur hier und da eine gittrige Verbindung der Aeste ; vor allem aber ist hier die Gleba in einer Masse an der Spitze des Receptaculums im Innern der Laterne vereinigt, lieber den Werth der bisher geltenden Abgrenzungen innerhalb der Laterneaformen werden wir besser am Schlsse der Betrachtung der Laternea columnata zu urtheilen im Stande sein. Dieser Pilz war bei Blumenau, vielleicht nchst der wunder- baren Dictyophora die hufigste Phalloideenform , und aus seiner schon frhen und hufig wiederholten Erwhnung in der Litteratur darf man wohl schliessen, dass er auch sonst in Amerika verhltnissmssig hufig sich findet. Er wurde mir im Laufe der Jahre an 7 verschiedenen Standorten in der Um- gebung Blumenaus bekannt. Zuerst beobachtete ich ihn im Januar 1891 auf einer Maispflanzung bei meinem Onkel, Herrn August Mller , der mich freundlicherweise auf das Vorkommen aufmerksam machte. Hier fanden sich die zahlreichen Laternea- eier und Fruchtkrper fast ausschliesslich in den Hacklchern vor, welche zur Aufnahme der Maiskrner im August angefertigt, und dann mit Pferde- und Kuhmist gedngt worden waren. Dieser Fund machte es ausserordentlich wahrscheinlich , dass im besonderen Falle die Ausbildung der den Fruchtkrper tragenden _ 46 Mycelstrnge in der Zeit von 4 5 Monaten lngstens stattge- funden hatte, da frher etwa vorhandene Strnge durch das Hacken und Bearbeiten der Lcher wohl zerstrt worden sein drften. Die hier erwachsenen Fruchtkrper erreichten in keinem Falle mehr als 4 5 cm Hhe. Einer derselben mit bereits ab- getropfter Gleba ist in Figur 4 (Taf. II) wiedergegeben. Der grssere, gleich dem vorigen mit vier Bgeln und ausnahmsweise mit einer Querverbindung zweier derselben versehene (Fig. 3), ist unter dem auf niedrigen Pfeilern stehenden Wohnhause des Herrn Lehrer Hrtel zu Blumenau im Mrz 1893 gefunden worden. Aber auch mitten im Walde an tief schattigen Stellen wurde der Pilz angetroffen. Die reinweissen Mycelien bilden im Boden Strnge der ge- whnlichen Art, welche auf weite Strecken leicht freigelegt werden knnen. Die Strnge sind mittelstark und erreichen wohl selten ber I72 i^i Durchmesser. Sie sind mit Kalkoxalat reichlich inkrustirt. Die nur dnne Rinde zeigt deutlich pseudo- parenchymatischen Bau, l)ei dem die Entstehung aus einzelnen Fden schon nicht mehr berall deutlich erkennbar bleibt. Die vergallerteten Hyphen des Innern werden bis 6 ^i stark, sie zeigen gedrehten, verwirrten, im wesentlichen lngsgerichteten Verlauf Lngsgestreckte Hohlrume zwischen den Gallertscheiden der Fden finden sich auch hier, nur sind sie enger und viel weniger deutlich, als z. B. bei Protubera. Jene schlauchartigen Zellen aber mit strker lichtbrechendem Inhalt, die bei den frheren Formen vorkamen, fand ich hier nie. Ich hielt eine von Mycel durch- zogene Scholle lehmigen Bodens mehrere Monate unter feuchter Glocke im Zimmer. Das Mycel blieb krftig und wuchs auch weiter. An den Enden der abgerissenen Strnge starrten dichte feine Mycelbschel in die Luft, und junge Stranganlagen bildeten sich auf der feuchten Lehmoberflche. Schliesslich war die ganze Erdscholle von Olathrusmycel dicht berzogen und ich durch- musterte dasselbe oft, in der Meinung, dass, w^nn sekundre 47 Fruchtformen dem Pilze zukmen, sie an so ppig wuchernden Mycelien doch auftreten mssten. Allein nie fand sich die ge- ringste Spur irgendwelcher derartiger Bildungen. berall waren die reich septirten schnallenlosen Fden mit Krystallen dicht besetzt. Auch Objekttrgerkulturen, welche sich aus abgezupften reinen Mycelflckchen leicht herleiten lassen, beobachtete ich wochen- lang ohne anderes Ergebniss; Fadenbrcken werden hufig gebildet. Die grauweissen Eier erreichen im Verhltniss zu der ge- ringen Hhe der fertigen Fruchtkrper eine bedeutende Grsse, nmlich bis zu 3 cm Durchmesser. Kurz vor dem Aufbrechen be- merkt man am oberen Ende eine unter dem Einfluss der drngenden eceptaculumste entstehende schwache Zuspitzung. Auf dem Ei zeichnen sich, den Scheidewnden der Volva und demgemss auch den Receptaculum sten entsprechend, meist deutlich 3 bis 4 meridional verlaufende Linien ab, und in diesen erfolgt sehr hufig, aber nicht immer, das Aufplatzen der Volva. In dem von Fischer 1886 beschriebenen Falle ist die Volva, den drei dort vorhandenen Bgeln des Receptaculums entsprechend, regel- mssig dreiklappig aufgerissen ; derartige Flle sind mir auch vorgekommen. Viel hufiger aber beobachtete ich ganz unregel- mssig in Fetzen zerrissene Volva. Eine solche unregelmssig zerrissene Volva zeigen auch der von Fischer abgebildete Fall (1890 Fig. 8) und unsere beiden Figuren. Im Innern der aufgerissenen Volva beobachtete und beschrieb Fischer 1886, Fig. 7, am Grunde eines jeden der dort regelmssig gebildeten, durch Aufreissen in den Nthen entstandenen Lappen eine wulstige Erhabenheit, die nach unten, nach dem Grunde der Eier sich in eine erhabene Leiste fortsetzte. Er sagt darber: (1886, S. 69) Diese Wlste bezeichnen hchst wahrscheinlich die Stellen welche im Jugendzustande zwischen den 3 Aesten des Re- ceptaculums lagen, woraus dann weiter zu entnehmen wre, dass wie bei Cl. cancellatus in der Jugend die Zwischenrume zwischen den Rpceptaculumsten sehr schmale gewesen sein mssen." Beide - 48 Vennutliungcn kann ich auf Grund der Untersuchungen zahlreicher Eier besttigen. Aus der geplatzten Volva erhebt sich das in allen von mir beobachteten Fllen hell-fleischrothe Receptaculum (lachsfarben). Die Farbe nimmt nach unten zu an Strke ab. Den Streckungsvor- gang selbst beobachtete ich mehrmals. Ein am 17. Januar 1891 um ^/gS Uhr morgens geplatztes Ei begann sehr langsam das Recep- taculum, welches drei Bgel besass, herauszuschieben. Bis 9 Uhr v^rar nur erst eine Erhhung des ganzen Gebildes um 1 cm ein- getreten. An dem einen der erscheinenden Receptaculumste brachte ich jetzt 6, je 1 mm voneinander entfernte Tuschestriche aU; deren unterster mit dem Rande der Volva gerade abschnitt. Dieser Strich war um 10 Uhr 4 mm, um 11 Uhr 8 mm ber den Rand der Volva gerckt, whrend die andern Striche ihren Ab- stand von einander nicht gendert hatten. Wieder bezeichnete ich den mit der Volva abschneidenden Punkt des Receptaculums mit einem Strich, der nun also 8 mm von dem nchst oberen Ab- stand hatte. Diese Entfernung von 8 mm schrumpfte bei dem weiteren Streckungsvorgange bis 12 Uhr auf 7 mm zusammen, whrend der vordem mit der Volva gleichhohe Punkt um 10 mm ber den Rand der Volva gehoben wurde. Von da an verlang- samte sich der Streckungsvorgang und bis zu seiner Beendigung um 2 Uhr trat nur noch eine Verlngerung um 4 mm ein. In hnlicher Weise verliefen mehrere andere genau beobachtete Streckungsvorgnge. Der auf dem Bilde Tafel, II Fig. 3, dar- gestellte Fruchtkrper z. B., der am 23. Mrz 1893 Abends um V28 Uhr aufplatzte, hatte am nchsten Tage Morgens ^2^ Uhr im ganzen 5 cm Hhe, whrend das ungeffnete Ei bereits 3 cm ge- habt hatte. Die Streckung war erst gegen 11 Uhr Vorm. beendet, wo die Gesammthhe von 7 cm erreicht war. Stets ging die Streckung in der Richtung von oben nach unten vor sich ; an eine bestimmte Tageszeit scheint das Aufplatzen der Fruchtkrper nicht gebunden zu sein. 49 Bemerkenswerth und wichtig ist die eben erwhnte, schein- bare Verkrzung jener Strecke des Eeceptaculumastes, welche von 10 11 Uhr von 8 auf 7 mm zurckging. Wir werden auf diese Thatsache noch zurckzukommen haben. Die Gleba von der gewhnlich schmutzig braungrnen Farbe sitzt am reifen Fruchtkrper , wie erwhnt, stets dicht unter der Spitze, festgeklemmt zwischen die Aeste des Receptaculums. Sie wird sehr schnell flssig und tropft ab in die becherartig ge- ffnete Yolva, in der ich hufig kleine schwarze Kfer zwischen der Sporenflssigkeit umherkriechen sah. ''') Der Geruch der zer- fliessenden Gewebe ist massig stark und sehr charakteristisch. Im ersten Augenblick erscheint er fast angenehm, ein suerlicher Fruchtgeruch, aber schon im nchsten Moment mischt sich etwas ekelhaft betubendes hinein, und man zuckt unwillkrlich zurck. Weitaus die meisten Fruchtkrper wurden in der heissen Jahreszeit und zwar vom Januar bis zum Mrz gefunden. In- dessen kommen vereinzelte Fruchtkrper whrend des ganzen Jahres bestimmt vor. Die Gestaltung des Receptaculums schwankt innerhalb ziem- lich weiter Grenzen. Die Laterne kann nmlich aus zwei, drei, vier oder fnf Bgeln gebildet sein. Man hatte frher die An- zahl der Bgel zur Artunterscheidung benutzt; so trennt z. B. Fries im Systema mycologicum die Laternea triscapa Turp. von der columnata Bosc lediglich durch den Umstand, dass die erstere 3, die letztere 4 Bgel besitzt. Ich fand nun an ein und dem- selben Mycelstrange, nocli nicht eine Spanne von einander entfernt, die dreibgelige und die vierbgelige Form vereint, und an dem- selben Standorte kamen auch zwei- und fnfbgelige Formen vor, die offenbar auf eben dasselbe Mycel ihren Ursprung zurck- leiteten. Fischer hatte schon erkannt, dass Artabgrenzung auf *) Nach gtiger Mittheilung des Herrn Greheimraths Professor Dr. Mbius gehren diese Kfer zu zwei Arten, nmlich: 1) Omalodes foveola Er. und 2) Camptodes sp. Schimpers Mittheilmigen Heft 7. 4 50 Grund der Anzahl der Bgel unstatthaft sei, und hatte die frheren derart begrndeten Arten als Formen von Clathrus cancellatus aufgefhrt. Es ist nun klar, dass auch nicht einmal diese Formen gesondert bestehen bleiben knnen, wenn sie, wie der oben er- whnte Fund beweist, an demselben Mycel, also an einer und derselben Pflanze zusammen auftreten knnen. Mit Bercksichti- gung dieser nun festgestellten Thatsache knnen wir m. E., solange als nicht neue Untersuchungen wesentlich andere Hlfsmittel der Unterscheidung heranbringen, die Fischerschen Formen des Cla- thrus cancellatus, nmlich: a) Berkeleyi, z. Th. b) brasiliensis, c) columnatus, d) australis smmtlich in der einen Art Clathrus columnatus (Bosc) Nees vereinigen. Die Artbeschreibung ist nur dahin zu erweitern, dass die Gestalt des Beceptaculums mit zwei bis fnf Bgeln wechselt. Ohne neue Unterscheidungsmerk- male hat es nicht einmal Berechtigung, die mit verschiedener Bgelanzahl versehenen Stcke als getrennte Formen aufzufhren. Ebensowenig aber, wie es angngig ist, die verschiedene An- zahl der Bgel zur Trennung der Formen zu benutzen, ebenso- wenig kann die gleiche Anzahl der Bgel und hnliche Gestalt des Receptaculums als gengender Grund gelten, die alte Laternea triscapa Turpin mit Clathrus brasiliensis Ed. Fischer, oder die Laternea angolensis Welwitsch und Currey mit Clathrus columnatus Bosc zu je einer Form zu vereinigen, wie es Fischer gethan hat. In der demnchst zu besprechenden neuen Gattung Blumenavia werden wir. eine Clathree kennen lernen, welche in der allgemeinen Ausgestaltung des Receptaculums mit unserer Laternea columnata vllig bereinstimmt, und welche dennoch wegen anderer Eigen- thmlichkeiten eine ganz selbststndige Stellung einnimmt. Die Abbildung der Laternea triscapa Turpin im Dict. des sciences nat. T. 25 S. 248 weicht durch ihre zarten, nach oben dnner werdenden Bgel, und die rothe Farbe der Gleba so erheblich ab, dass sie als selbststndige Art neben Laternea columnata vor- lufig betrachtet werden muss. Auch Laternea angolensis Wel- 51 witsch und Currey, die in den Transactions of Linn. Soc. XXVI Tab. 17 abgebildet ist, besitzt nach oben starkverdnnte Aeste, welche gleichsam aus aufgeblasenen Kammern bestehen. Dies ist nie bei Laternea columnata der Fall. Ausserdem scheint letztere auf Amerika beschrnkt zu sein, und der weit entlegene afrikanische Fundort der Laternea angolensis macht es wahrscheinlich, dass wir hier eine seit langer Zeit auf selbststndigem Wege der Ent- wickelung vorgeschrittene und zweckmssig von Laternea colum- nata zu trennende Art vor uns haben. Wir kmen dann zu folgenden Aenderungen in der Be- zeichnung der von Fischer unter Clathrus cancellatus vereinigten Formen : Clathrus cancellatus Ed. Fischer 1890 hat sechs Formen: a. Berkeleyi, darunter: 1. Laternea pusilla Berk, et Curt. u. Clathrus Berkeleyi Gerard in litt. Ed. Fischer in Sacc. Sylloge VII. S. 18 = Laternea pusilla Berk. et Curt. (?) 2. eine zweibgelige Form aus Blumenau = Laternea columnata (Bosc) Nees b. brasiliensis = Laternea columnata (Bosc) Nees hierunter ist einbegriffen : La- ternea triscapa Turpin = Laternea triscapa Turpin c. columnatus = Laternea columnata (Bosc) Nees hierunter ist einbegriffen : La- ternea angolensis Welwitsch u. Currey = Laternea angolensis Welwitsch u. Currey d. australis = Laternea columnata (Bosc) Nees e. Fayodi /| ^ Clathrus cancellatus Tournefort. f. typica J Soweit meine Erfahrungen ber Laternea columnata reichen, so sind die Stcke mit drei oder vier Bgeln die bei weitem hufigsten. Die zwei- und die fnfbgelige Ausbildung kam nur je einmal vor. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Anzahl der Bgel in einem bestimmten Gebiete auch eine grosse Bestndig- keit erreichen kann. Hierauf lsst vielleicht die Bemerkung von Bosc schliessen, welcher ber Laternea columnata sagt (Magaz. d. Ges. naturf. Freunde, Berlin V. 1811 S. 85): Cette espece a 4* 52 les plus grands rapports avec le Clathre grille par sa substance et sa couleur, mais en diffre beaucoup par sa forme qui est con- stante ainsi que je m'en suis assur sur plus de cent individus.'- Meines Erachtens braucht man aber aus diesen Worten noch nicht mit Nothwendigkeit herauszulesen , dass stets vier Bgel , wie auf der Abbildung, und nicht auch mitunter drei vorhanden ge- wesen wren. Die Constanz des Unterschiedes gegen Cl. can- cellatus , auf welche jene Aeusserung den grssten Werth legt, wrde dadurch nicht beeintrchtigt worden sein.^ Sind drei Bgel vorhanden , so vereinigen sie sich meist in einem Punkte , wie in der Fischerschen Abbildung 1890, Fig. 8. Sind vier vorhanden, so sind sie fast ausnahmslos in der durch Fig. 4, Taf. II dieses Heftes erluterten Weise verbunden. Je zwei Bgel nmlich treten zusammen und ihre Yereinigungspunkte stehen durch eine kurze Brcke in Verbindung. Der Fall der Figur 3, wo zwei Bgel in der Mitte ihrer Erstreckung durch einen Quer- balken verbunden sind, ist ein einmal beobachteter Ausnahmefall, der vielleicht als Rckschlag aufzufassen ist, da es scheint, dass die Laterneaformen von gittrigen Formen abstammen (vergl. die Schlussbetrachtung). Sehr hufig ist ein anderer Fall zu be- obachten, wo von vier aufstrebenden Eeceptaculumsten zwei sich schon in halber Hhe zu einem vereinigen, sodass an der Spitze nur drei Bgel in Verbindung treten. Diesen Fall erlutert das Bild der Blumenavia (Taf. III, Fig. 2), eines Pilzes, der, wie ich schon erwhnte, in der Ausgestaltung des Receptaculums mit Laternea columnata die grsste Uebereinstimmung aufweist. Bei aller Verschiedenheit in der Gestaltung war aber allen beobachteten Exemplaren doch mancherlei stets gemeinsam. Zu- nchst enden die Receptaculumste stets unten frei und einzeln in der Volva. Stets findet sich eine ckenfurche an den Aesten, welche, wie ein Vergleich der vorhandenen Abbildungen lehrt, bald breiter, bald schmler, tiefer oder flacher, bisweilen auf den oberen Theil fast allein beschrnkt sein kann. Der Querschnitt der 53 Aeste ist stets vielkammerig. In der Figur 17 T af, VII habe ich einen solchen Querschnitt durch einen Receptaculumast eines noch nicht reifen Eies dargestellt, in dem aber die einzelnen Kammern be- reits deutlich erkennbar sind. Der Querschnitt der Aeste ist im wesent- lichen stets dreieckig stumpf, an den strksten Stellen bisweilen trapezfrmig. Die nach innen zu liegende Receptaculumkammer, die erstangelegte, ist stets die grsste, oft unregelmssig gestaltet. Die Kammerwnde sind auch bei vllig gestrecktem Receptaculum nie vllig geglttet, sondern immer noch gefltelt, innen eine grobrunzelige, aussen eine feinruuzeiige Querfltelung herbei- fhrend, mit hufigen, kleinen, unregelmssig auftretenden Lchern in den Wnden. Endlich ist der Geruch stets derselbe charakte- ristische, und soweit man aus den bisherigen Angaben der Lite- ratur behaupten darf, von dem des Clathrus cancellatus weit ab- weichend. Die allmhliche Entwickelung der Fruchtkrper im Ei konnte ich an reichlichem Material von sehr jungen Zustnden an ver- folgen. Macht man Querschnitte durch entsprechende jngste Eier, so ergeben sich Bilder, welche in nichts von dem oben fr Colus Garciae gegebenen (Tafel VII, Fig. 13) unterschieden sind. Der Centralstrang verzweigt sich auch hier in drei oder vier senkrecht stehende, in ihm selbst als Kante zusammenstossende Platten, diese Platten vergallerten und ihre stark sich verdicken- den usseren Enden geben der Volvagallerte den Ursprung, whrend sie gleichzeitig das zwischen den Platten befindliche Zwischengefiecht zusammendrcken. In der Scheitellinie der von den Centralstrangverzweigungen gebildeten Flchenwinkel, und zwar zuerst im oberen Theile, entsteht die nach aussen weisende Hyphenpallisade, welche zum Hymenium zu werden bestimmt ist. Von dort nun, und von den angrenzenden Theilen der Central- strangplatten erheben sich weiterhin die Tramawlste. Gegen- ber, in meridianen Streifen, entstehen als innerer Abschluss des Zwischengeflechts die Receptaculum- Anlagen, 54 Fr ein vorgerckteres Stadium hat nun Bd. Fischer 1890 Taf. II, Fig. 9 ein Querschnittsbild gegeben, welches nach einem in lumenau gefundenen, von Herrn Dr. Fritz Mller gesammelten Ei angefertigt ist. Aus jenem Bilde ist ersichtlich, was jede Unter- suchung besttigte, dass die innersten Kammern der Receptaculum- ste zuerst angelegt werden, und die grssten sind. Zur Beurtheilung der Verhltnisse in dem heranreifenden Ei betrachten wir den Querschnitt eines Receptaculumastes, Fig. 17, und ferner ver- gleichsweise den Lngsschnitt von Colus Garciae (Fig. 15). In einem entsprechenden Lngsschnitte von unserer Laternea wr- den wir folgende Verschiedenheiten antreffen. Der Lnge nach durchschnitten , fast halbkreisfrmig eingekrmmt, wrde der Receptaculumast erscheinen, oben am Scheitel am strksten, und nach unten ganz allmhlich wenig an Strke abnehmend. Unten endet er frei und steht nicht mit dem Grunde des Nachbarastes in Verbindung, obwohl beide dicht bei einander liegen. Der Lngsschnitt zeigt nebeneinander so viele Kammern, wie sich aus dem Querschnitt (Fig. 17) entnehmen lsst. Die Kammerwnde sind berall sehr stark eingefaltet. Am aufflligsten tritt dies bei den inneren grssten Zellen in die Erscheinung. Diese letzteren sind langgestreckt, bisweilen, selbst in dem zusammen- gepressten Zustande drei- bis viermal so lang als breit. Je klei- ner die Zellen nach aussen werden, um so krzer werden sie auch, um so mehr nhern sie sich der isodiametrischen Form. Dabei kann natrlich von einer Einfaltung der Wnde nur noch in viel geringerem Grade die Rede sein. Die Gleba tritt nur in dem oberen Drittel, hchstens in der oberen Hlfte mit dem Receptaculum in innige wirkliche Be- rhrung. Sie fllt zwar im Eizustande den Raum zwischen den Aesten bis zum Grunde fast vollstndig aus, aber bei genauerem Zusehen finden wir im unteren Theil einen schmalen, deutlichen Zwischenraum zwischen Gleba und Receptaculum. Die Stellen der engen Berhrung beider sind diejenigen, an welchen im 55 jungen Ei zuerst die Anlage der ersten Glebakammer gegenber der ersten Receptaculumanlage bemerkt wird. Beim Wachsthum des Eies, welches Hand in Hand geht mit einer Verlngerung der allmhlich zu schmalen Platten sich umbildenden Centralstrang- zweige, vergrssern sich die Glebakammern sackartig nach innen und nach unten und der entstehende freie Raum wird Schritt fr Schritt ausgefllt von den aus den Centralstrangzweigen hervor- sprossenden und sich verzweigenden Tramawlsten und -platten. So aber, wie nach der ersten Receptaculumkammer im Anschluss an diese nach aussen weitere Kammern angelegt werden, bis die Dicke des fertigen Receptaculums erreicht ist, so geht auch die Receptaculumanlage nachtrglich noch nach unten zu weiter vor- wrts. Sie erfolgt in dem Grundgewebe des Eies, demselben, aus welchem der Centralstrang sich herausbildete, dem Grundge- webe, welches ebenfalls alle freien Stellen im Ei ausfllend weiter wchst, wenn das Ei sich vergrssert. Eine kelchartige Zone des Grundgewebes nun in der unteren Hlfte des Eies ist es, in der die unteren Theile des Receptaculums allmhlich aus- gebildet werden. Diese Zone wird aber dadurch nicht vollstndig verzehrt, sondern es bleibt eine Schicht als innere Umkleidung und zur Trennung der Receptaculumste von einander erhalten. Diese steht wieder mit dem Centralstrange am Grunde des Eies in natr- lichem Zusammenhang, und dass sie wesensgleich mit dem Central- strange ist, geht daraus hervor, dass auch von ihr Tramawlste sich erheben. Diese Tramawlste wachsen in den entstehenden freien Raum und nehmen , da sie sich gegenseitig drngen, eine nach oben gehende, im wesentlichen senkrechte Richtung an. Sie zeigen alle mehr oder weniger genau nach dem Punkte hin, an welchem die unterste unmittelbare Berhrungsstelle von Gleba und Receptaculum liegt, nach der untersten Stelle der ersten Anlagen beider. In jedem reifen oder nahezu reifen Ei ist die Richtung der Tramawlste in der untersten Hlfte eine im wesentlichen senkrecht nach oben weisende. ~ 56 Wir sehen also, dass die Anheftung der Gleba in einer Masse im oberen Theile des Keceptaculums bei Laternea in der morpho- logischen Entwickeliing genau so nothwendig begrndet ist, wie frher die Vertheilung in einzelne Hufchen und deren Anheftung an den Ecken der Netzmaschen bei Clathrus chrysomycelinus es war. Fr die richtige eurtheilung des Streckungsvorganges ist es erforderlich, die Lage des Receptaculums im reifen Ei mit dem fertigen Zustande vergleichend zu betrachten. Die Eier haben annhernd runde Gestalt, die Receptaculumste sind ungefhr halbkreisfrmig zusammengebogen. Im entwickelten Zustande stehen sie dagegen fast gerade aufrecht. Der Unterschied in der Hhe des Gebildes ist kein sehr betrchtlicher. Aus einem Ei von 2^2 cm Durchmesser geht ein Fruchtkrper von 4, hchstens 5 cm Hhe hervor. Wir sehen unschwer ein, dass die inneren Theile der ziemlich dicken Receptaculumste sich weit strker ausdehnen mssen als die usseren. Hierauf ist nun der Bau des Astes eingerichtet. Denn wir bemerkten schon oben, dass die inneren Receptaculumkammern die grssten sind, und dass nach aussen zu die Kammern an Grsse abnehmen. In den grsseren Kammern ist naturgemss viel mehr Platz zum Ein- falten der Wnde vorhanden als in den kleineren. Bei ihnen be- ginnt die Streckung, und sie bewirken die Geraderichtung der vorher eingekrmmten Laternenbgel. Diese Geradereckung ist der erste Akt des Streckungsvorganges. Es kann leicht vor- kommen, dass bei starker Streckung der inneren Kammerwnde die usseren kleinen Kammern mit der Streckung nicht Schritt halten, und daher zusammengedrckt werden. Auf solches Zu- sammendrcken ist die oben erwhnte (Seite 49) scheinbare Ver- krzung im oberen Theile eines Receptaculumastes um 1 mm zu- rckzufhren. Ist die Geraderichtung annhernd vollendet, so hebt sich das Receptaculum in die Hhe, und diese Hebung wird ausschliesslich von dem unteren Theile, der mit der Gleba keine unmittelbare Berhrung hat, besorgt. AVir haben schon 57 bemerkt, dass die Streckung nach unten zu fortschreitet. Die Receptaculumste nehmen nach unten an Strke ab, und hier fehlen vollstndig die kleinsten, nach aussen zu gelegenen, fast isodiametrischen Kammern , welche eine wirksame Streckung ver- hindern. In dem unteren Theile der Aeste sind vielmehr alle Kammern lang, bei allen sind die Kammerwnde ausgiebig einge- faltet, und so befhigt, eine wirksame Streckung herbeizufhren. Der fertige Fruchtkrper hat nur eine kurze Lebensdauer von kaum mehr als 12 Stunden. Dann bricht gewhnlich einer der Aeste oben dicht vor der Vereinigungsstelle ab. Die Sporen der Laternea sind 4 {.t lang. Bis zu 8 Sporen kommen sicher auf der Basidie vor. Meist sieht man freilich nur weniger, sehr hufig 6 Sporen ansitzend. 5. Blumenavia rhacodes"^) nov. gen. Am 14. August 1891 fand ich nahe beim Stadtplatz Blumenau, im Walde am linken Ufer des Itajahy, auf der sogenannten scharfen Ecke, ein Phalloideen-Ei von grauweisser Farbe; es hatte 3 cm Durchmesser bei 3^2 cm Hhe. Es stand mitten auf einer Pikade, also auf einem jener schmalen, hauptschlich zu Jagdzwecken freigemachten Pusssteige, die einem Menschen das Durchkommen gerade ermglichen. Bei sorgfltigem Nachgraben wurde der 3 mm starke, weisse, ansitzende Mycelstrang aus dem humosen Boden auf etwa ^2 ^^ Lnge mit vielen Verzweigungen ausgegraben. Das Ei war, wie die Maasse andeuten, schon ein wenig zugespitzt, und das Aufplatzen durfte bald erwartet werden. Ich pflanzte es, zu Hause angelangt, alsbald in eine Schale mit feuchter Lauberde, und schon am Abend desselben Tages um 10 Uhr zeigte sich in der Volva ein schmaler Biss. An andern Morgen um V.,? war der Pilz etwa 5 cm hoch, dann erfolgte *") Auf der Tafel III ist rhacodes anstatt racodes zu lesen. 58 fast pltzlich die letzte Streckung bis zur Gesammthhe von IP/2 cm. Der Pilz, von dem ich spreche, ist auf Tafel III Fig. 1 a dargestellt in halber natrlicher Grsse. Es war ein merk- wrdiges Zusammentreffen, dass an demselben Morgen des 15. August auch ein Ei von Clathrus chrysomycelinus platzte, sodass ich zwei Vertreter der Clathreen in unverletztem, frisch ent- wickeltem Zustande nebeneinander beobachten und auf einer photographischen Platte festhalten konnte. Auf den ersten Blick schien der neue Pilz eine Laternea zu sein, denn vier untereinander nicht verbundene, sehr massige Sulen erhoben sich aus der Volva und vereinigten sich an der Spitze. Von der Laternea columnata indessen wich er schon auf den allerersten Blick durch die Farbe ab , welche dort immer rthlich, hier hingegen hellorange (Saccardo Chromotaxia: 29 in heller Schattirung) war. Diese Farbe hatten die Bgel von oben bis unten , doch nahm ihre Kraft nach unten zu ab , und die in der Volva steckenden Enden der Bgel waren fast weiss. Zu- dem war der Pilz hher als L. columnata gewhnlich zu sein pflegte, die Aeste noch krftiger, und besonders auffallend war eine sehr starke, fast rinnenfrmige Hckenfurche, die besonders deut- lich in dem Bilde Nr. 3 unserer Tafel III erkannt wird. Auch durch den Geruch war die Form vor allen anderen Phalloideen als selbststndig charakterisirt. Die sich verflssigende Gleba ver- breitet einen recht deutlichen, aber nicht besonders starken Ge- ruch, der am besten mit dem von in Ghrung bergehenden, stark zuckerhaltigen Fruchtsaft verglichen werden kann. Der^ Pilz duftet fr den ersten Moment geradezu angenehm, setzt man sich aber der Einwirkung lnger aus, so empfindet man gerade wie bei der besprochenen Laternea, Je lnger je mehr eine etwas ekelhafte Beimischung, welche sich schnell verstrkt, und alsdann abstossend wirkt. Ich brauche wohl kaum besonders zu be- tonen, wie subjektiv eine solche Geruchsschilderung ist, aber es wre trotzdem wohl zu wnschen, dass von jeder frisch ge- 59 fiindenen Phalloidee der Beobachter so sorgsam wie mglich den Greruch beschriebe. Denn immerhin werden die meisten Menschen im wesentlichen gleiche Empfindungen haben; unter allen Haus- bewohnern und Nachbarn, die ich zur Riechprobe heranholte, war niemand, der nicht die allgemeine Bemerkung besttigte, dass der Geruch im ersten Augenblick angenehm wre, und erst allmhlich ekelhaft wirkte. Wie aber wird nun die Gleba von dem Receptaculum ge- tragen. Indem wir hierauf unser Augenmerk richten, finden wir jene hchst bemerkenswerthe Eigenthmlichkeit unseres Pilzes, Avelche ihn vor allen bekannten Formen auszeichnet, und die mich veranlasste, ihn zum Vertreter einer neuen, nach dem ersten Fundorte Blumenavia genannten Gattung zu erheben. Die Bgel sind, wie schon erwhnt, sehr krftig; sie haben im oberen Theile einen fast scharf dreieckigen, im unteren mehr trapezfrmigen Querschnitt, stellen also dreiseitige Prismen dar, welche eine Seite nach aussen, eine Kante nach innen richten, und es ist die innere Kante im unteren Theile abgestumpft. Wir finden nun die beiden usseren Kanten jedes der Prismen besetzt mit flgel- artigen, unregelmssig zerrissenen, meist aber der Hauptform nach dreieckigen Lappen, welche der Kante mit einer Seite angeheftet sind, und seitwrts abstehen ungefhr in der Ebene der usseren Prismenflche. Diese Lappen, welche besonders bei Fig. 1 a am linken Bgel, und bei Fig. 2 am mittleren recht deutlich sind tragen auf ihrer Aussenseite die Gleba, welche von der gewhn- lichen schmutzig-grnlichen Farbe ist, und alsbald abzutropfen beginnt. Ist die Gleba abgetropft, so zeigen die papierdnnen Lappen eine runzelig skulpirte Oberflche (vgl. die Abbildungen). Die Lappen besetzen die Kante der Receptaculumbgel von oben anfangend bis fast zum Grunde. Nur der unterste, zumal der in der Yolva steckende Theil derselben, hat keine solchen Anhngsel. Den merkwrdigen , einer kritischen Beurtheilung nicht ohne weiteres zugnglichen Bau dieses Beceptaculums konnte ich an 60 - dem einen zur Verfgung stehenden Stcke beschreibend fest- stellen; aber es entstand natrlich der lebhafte Wunsch, mehr Material in die Hnde zu bekommen, um die Menge der hier auf- tauchenden Fragen einer Lsung nher bringen zu knnen. Meine Geduld wurde indessen auf eine harte Probe gesteint. Obwohl ich im Verein mit meinem treuen Gehlfen, Herrn Grtner, sofort die Fundstelle und ihre Umgebung aufs genaueste durchsuchte, vermochten wir keine weitere Spur des Pilzes aufzufinden. Auch einen neuen Standort fanden wir nicht trotz fortgesetzter Be- mhungen, und schon schien es, dass ich mich mit dem einen Stcke begngen msste, als endlich im Februar 1893 der Pilz wieder auftrat. Nur wenige Schritte von jener ersten Fundstelle entfernt war ein mchtiger wilder Mamobaum zusammengebrochen (Jaca- ratia dodecaphylla). Bekanntlich ist der Holzkrper dieses wunderlichen Baumes so weich, dass man mit dem Taschenmesser in einer halben Stunde einen 40 cm starken Baum fllen kann, wobei nur die Rinde etwas Schwierigkeit macht, whrend man den Holzkrper so etwa wie harten Kse schneiden kann. Bricht ein solcher Stamm zusammen, so bietet die weiche, von Feuchtigkeit getrnkte Stammmasse einen gnstigen Nhrboden fr Pilze dar. Insbesondere siedelt sich ein Heer von Schleimpilzen alsbald dort an. An dem erwhnten Stamme nun hatte ich schon im August 1891 einen werthvoUen Fund gemacht. Damals war dort eine Protobasidiomycetenform gewachsen , welche einen neuen Typus darstellte, und unsere Beurtheilung jener ganzen natr- lichen Familie von Pilzen wesentlich zu beeinflussen geeignet war.*) *) Protomerulius brasiliensis nov, gen. ist ein Pilz, der auf zerfallenen Stammresten der Jacaratia dodecaphylla angetroffen wurde, und in jedem Betracht makroskopisch als Merulius erscheint, so dass die Diagnose von Merulius auf ihn ohne weiteres angewendet werden kann. Die Farbe ist weiss, im Alter schwach schmutzig gelblich. Das Hymenium dieses Pilzes wird aber von Treraellinenbasidien gebildet, also viertheiligen rundlichen Basi- dien, welche aus jeder Theilzelle ein Sterigma mit einer Spore entsenden. Die 61 In Folge dieses Fundes hatte ich damals den ganzen Mamo- stamra grndlich durchsucht, ohne von Phalloideenstrngen etwas wahrzunehmen. Allmhlich war nun die Verwitterung weiter vorgeschritten, nur noch die festeren Rindenplatten waren er- halten und lagen durch Humusschichten getrennt, lose her- und neben einander. Da fand Herr Grtner am 1. Februar 1893 unter diesen Platten in weiter Erstreckung und reicher Ver- zweigung die dicken gelblichweissen Mycelstrnge der Blumenavia und an denselben eine Anzahl von etwa 10 gut entwickelten Eiern, an denen die vor beinahe 2^2 Jahren unterbrochene Be- obachtung fortgesetzt werden konnte. Die gesammte Entwickelung dieses reichen Mycelnetzes konnte nach dem oben Gesagten nicht lnger als hchstens I72 Jahre in Anspruch genommen haben. Das Mycel durchwucherte nach allen Richtungen die humificirten Reste des Mamobaumes und drang darber hinaus in die Humusschicht des Erdbodens vor. Die Strnge gehrten den strksten an, welche bei Phalloideen vorkommen. Einzelne massen ber 3 mm Durchmesser. Sie sind sehr zhe, so dass man ziemliche Gewalt anwenden muss, um sie zu zerreissen. Die anatomische Untersuchung unterscheidet sie von allen sonst be- obachteten Strngen. Sie besitzen eine deutlich pseudoparen- chymatische Rinde, in der die Entstehung aus Hyphen nicht mehr erkennbar ist. Diese Rinde besass in einem besonders unter- suchten Falle bei einem 2 mm starken Strange die Dicke von 80 ^i. Innerhalb der Rinde liegt eine etwa 120 {.i starke Schicht sehr enge verflochtener und verwirrter, in Gallerte eingebetteter Hyphen. Darauf folgt nach innen ein Cylinder, in welchem die Basidien sind sehr klein, nur 78 . im Durchmesser, die Sterigmen sind 78 fc lang, die ovalen Sporen 45 fi lang. Der Pilz bildet einen interessanten Be- leg dafr, dass auch bei den Protobasidiomyceten die hheren Fruchtformen der Autobasidiomyceten, wenn auch seltener, zur Ausbildung kommen. In meinen nchsten Mittheilungen ber brasilische Pilze werde ich ihm und manchen beme rkenswerthen Verwandten nhere Besprechung zu widmen haben. 62 Hyphen sehr stark vergallertetj locker verflochten und ebenfalls unregelmssig wellig, stellenweise spiralig verlaufen. Dieser Cylindermantel hatte eine Dicke von 650 iti. Im Innersten des Stranges verluft endlich ein Markcylinder, in welchem die Hyphen deutlich parallele, nicht verwirrte Anordnung zeigen. Dieser centrale Strang, der sonst nicht beobachtet wurde, ist hier auf Lngs- und Querschnitten sehr deutlich zu erkennen, er hatte im besonderen Falle 300 /< Strke, die einzelnen Mycelfden sind 4 fz und weniger stark. Fadenbrcken kommen vor, Schnallen- zellen hingegen fehlen. Zwischen den in Gallerte gebetteten Hyphen giebt es langgestreckte, gefssartige Hohlrume, wie bei den frher beschriebenen Formen. Sie sind hier bei Blumenavia eng und nur auf dnnen Querschnitten deutlich zu erkennen, ebenso verhltnissmssig undeutlich, wie wir sie bei Laternea fanden. Die Schlauchzellen, welche wir bei Protubera (S. 14) Clathrus (S. 24) und Colus (S. 39) beschrieben haben, wurden hier so wenig, wie bei Laternea angetroffen. Die Krystallausscheidungen finden sich in der Rinde und in den usseren Schichten des Stranges, sie sind aber verhltnissmssig wenig zahlreich, und die sonst so hufigen blasigen Zellen mit Krystallinhalt wurden hier fast ganz vermisst. Die Mycelien lassen sich auf feuchter Erde leicht weiter zchten und beob- achten. Auch knstliche Kulturen leitete ich von ausgeschnittenen Mycelstrangstcken her und hielt sie ber einen Monat lang. Sie wuchsen ppig, und waren der Beobachtung bis in die feinsten Verzweigungen zugnglich. Es besttigte sich das Vorkommen der Fadenbrcken und das Fehlen der Schnallen. Doch trat niemals eine Spur einer sekundren Fruchtform in die Erscheinung. Die krftig entwickelten Eier hatten bis zu 42 mm Durch- messer. Es wurden mehrere Flle gesehen, wo zwei oder drei Strangenden in die Volva eines und desselben Eies mndeten. Der Streckungsvorgang selbst konnte mehrfach beobachtet werden. Er vollzog sich in allen beobachteten Fllen in den Morgen- oder Vormittagsstunden, zweimal schon vor Sonnenaufgang beginnend. 63 Er erfolgte im Gegensatz zu Laternea meist sclniell und war einige Male ganz ausserordentlich beschleunigt. So ging z. B. die Streckung des in natrlicher Grsse Tafel III. Fig. 2 abge- bildeteten Stckes am 7. Februar 1893 morgens in der Zeit von 6 7 Uhr vor sich. Da das Ei eine Hhe von 3 cm, der fertige Pilz 9 cm hatte, so streckte sich das Receptaculum mit einer Schnelligkeit von 1 mm in der Minute, d. h., man konnte die Be- wegung mit blossem Auge bei scharfem Zusehen deutlich ver- folgen. In dem Falle der Fig. 3 derselben Tafel war das Zeit- maass etwas geringer. Die Streckung dauerte beinahe 2 Stunden ; sie schreitet wie in den frher beschriebenen Fllen in der Rich- tung von oben nach unten vor. Betrachten wir das in Figur 3 dargestellte, noch kaum fertig- gestreckte Stck, so sehen wir jene bereits oben beschriebenen, flgel- artigen Lappen, welche die Blumenavia kennzeichnen, der inneren Seite der prismenartigen Sulen noch mehr oder weniger anliegend. Den Raum zwischen je zwei Sulen fllt im Eizustande die zu- sammengepresste Glebamasse vllig aus. "Whrend der Streckung aber, bei der die Receptaculumste von einander weichen, scheidet sich hier in der Mitte die Glebamasse in zwei Hlften. Die Theilflche ist schon vorher bezeichnet durch eine gallertige Platte, die entsprechende Verzweigung des Centralstranges, welche fr Gl. chrysomycelinus in der Figur II P^, Tafel VI im Schnitt dargestellt wurde, und gerade wie dort, bei der Reife zerfliesseud, die Gleba in Portionen theilt, welche in jenem Falle an den Ecken der Netzmaschen, hier bei Blumenavia an den Flgelfortstzen der Aeste anhaften. Gleichzeitig mit der weiteren Streckung klappen sich dann diese anfangs nach innen zeigenden Lappen nach aussen, und fhren die Gleba aus dem Innenraum der Laterne ins Freie. Zur richtigen Beurteilung dieser Lappen ist es nun nothwendig, auf Eizustande zurckzugreifen. In der Figur 18 Taf.VII ist ein Querschnitt durch einen Receptaculumast in einem noch nicht vllig ausgereiften Ei dargestellt. Wir erkennen 64 in dem vielkammerigen Bau des Astes selbst eine deutliche ber- einstimmung mit dem fr Laternea columnata beschriebenen (Fig. 17). Nur sind hier weniger Kammern vorhanden. Gerade wie dort aber liegen die grsseren Kammern nach innen zu, die kleinsten nach aussen. Whrend aber bei Laternea die Trama- falten mit der Gleba unmittelbar an die Kammerwnde des Recepta- culums heranreichen, und mit ihnen in Verbindung getreten sind, so wie bei Mutinus unter den Phalleen die Gleba an das Eecepta- culum sich anschliesst, so finden wir bei Blumenavia, von den usseren Ecken des Receptaculums ausgehend, in verhltnissmssig weitem Abstnde von den Kammerwnden bleibend, zwei flgel- artig nach innen, parallel den inneren Seiten der Receptaculum- prismen verlaufende Wnde FF, welche den pseudoparenchy- matischen Bau der Kammerwnde zeigen ; sie grenzen das Recepta- culum von der Gleba ab, und an sie allein tritt nun die letztere unmittelbar heran, mit ihr treten die Tramawlste in unmittel- bare feste Verbindung. Es erinnern diese Wnde unwillkrlich an den Hut der Ithyphallus- und Dictyophoraformen, welcher in ganz hnlicher Weise die Gleba vom Receptaculum abgrenzt. Auf diesen Vergleich werden wir nach Betrachtung der Phalleen am Schlsse der Arbeit zurckzukommen haben. Es ist ohne weiteres aus unserem Bilde einleuchtend, dass diese Wnde es sind, welche spter die flgelartigen Klappen an den Kanten der Receptaculumste bilden; es wird bei mikrosko- pischer Betrachtung eines Schnittes, wie der abgebildete, fernerhin auch zweifellos, dass diese Klappen als Anhngsel des Recepta- culums wesensgleich mit den Kammerwnden des letzteren anzu- sehen sind. Sie gehen in die Kammerwnde an den beiden usseren Kanten ohne Grenze ber, und besitzen genau denselben pseudoparenchymatischen Bau wie jene. Es ist auch wohl sicher, dass sie gleich jenen aus zwei gegeneinander wachsenden Pallisaden- zonen ihren Ursprung herleiten, und dies spricht sich noch deut- lich dadurch aus, dass sie aus zwei Lamellen zusammengesetzt 65 scheinen, wie es auch die Zeichnung andeutet, welche zwar an sehr vielen Stellen, jedoch nicht berall, durch herber- und hinberlaufende Parenchympartien in Verbindung stehen, hier und da auch einen freien Raum zwischen sich lassen. Bei Be- trachtung gengend zahlreicher Schnitte finden sich auch Stellen, wo ausnahmsweise hier und da an beliebigen Stellen Kammer- bildung diese Wnde auf kurze Strecken verstrkt, und an den Ecken in der Nhe des bergangs zum Receptaculum ist dies sogar ein hufiger Fall , den auch die Figur darstellt. Nach unten reichen die beiden Wnde im Ei soweit, als die Gleba reicht, d. h. nahezu bis zum untern Ende der Receptaculumste. An keiner Stelle findet eine unmittelbare Berhrung von Gleba und Receptaculum statt. Die beidenWnde nun umschliessen also, parallel zu den inneren Wnden der Receptaculumste verlaufend, einen grsseren prismatischen Raum JR, ihre Kanten liegen nach innen zu dicht bei einander, berhren sich jedoch in keinem Punkt. Vielmehr bleiben sie getrennt durch eine dnne Wand gallertigen Geflechts Z, welches unmittelbar in Verbindung steht mit dem- jenigen, das den Raum zwischen den Wnden und dem Recepta- culum ausfllt, und welches gleichzusetzen ist dem im Innern aller Kammerhohlrume vor der vlligen Ausreifung vorhandenen. Eine der Wnde F^ geht aber in der Regel noch ber die innere Kante des Prismas hinaus radial weiter nach dem Mittelpunkt des Fruchtkrpers hin, ohne jedoch jemals diesen ganz zu er- reichen. An ihr entlang, und weiter bis zum Centrum, finden wir die Gleba durchsetzt von einer gallertigen Wand, derselben, welche die beiden Wnde in Z trennt, und diese verluft mehr oder minder deutlich bis zum Centralstrange des Fruchtkrpers. Sie ist in ihrem Aussehen in nichts verschieden von den zu Platten gewordenen Centralstrangzweigen, welche zwischen je zwei Receptaculumsten die Gleba durchsetzen, und bernimmt, wie jene, die Aufgabe, bei ihrer Verflssigung whrend des Streckungsvorganges die nothwendige Trennung der Gleba nach Schi m per' s Mitteilungen, Heft 7. ** 66 rechts und links zu ermglichen. Wenn, wie es in der Mehrzahl der Flle zutraf, vier Bgel vorhanden sind, so wrde ein reifes Ei im Querschnitt also die Anordnung der Figur 19 erkennen lassen. Durch die Gallertwnde ist hier die Gleba in 8 Theile getheilt, ent- sprechend den 8 Reihen von Lappen an dem gestreckten Receptacu- lum. Die aus den Zwischengeflechtsplatten hervorgegangenen Volva- scheidewnde zeigen hier, wie auch sonst, den geknickten Verlauf. Wie nun die Gallertwnde entstehen, welche die Gleba hinter der Kante der Receptaculumste zertheilen, und wie die erste Anlage der Receptaculumanhngsel entsteht, das vermag ich nicht zu sagen, da zu meinem grssten Bedauern es nicht mglich geworden ist, von dem seltenen Pilze gengend junge Zustnde aufzufinden. Im allgemeinen knnen wir ja zweifellos die Anlage der Frucht- krperelemente uns genau wie bei Laternea entstehend denken. Die sekundre Frage nach der ersten Anlage der Receptaculum- anhnge muss vorlufig ungelst bleiben. Am ehesten ist viel- leicht anzunehmen, dass der ganze Raum zwischen den Wnden und dem Receptaculum als eine grosse zuerst angelegte Recepta- culumkammer aufzufassen ist. Auf einem Lngsschnitt erkennt man, dass thatschlich auch die beiden Flgelwnde F gleich den Kammerwnden im Eizustande ein wenig eingefltet sind ; immer- hin nicht annhernd in dem Grade, wie die Wnde der wirklichen Receptaculumkammern. Eben hierin liegt nun aber auch der natrliche Grund ihres Verhaltens beim Streckungsvorgange. Da die Receptaculumste im Ei halbkreisfrmig zusammengebogen sind, und da bei der Streckung die nach innen gelegenen grssten und mit den meisten Einfaltungen ihrer Wnde versehenen Kam- mern sich am strksten strecken, um die Geraderichtung der Bgel herbeizufhren, so ist es klar, dass die nach innen liegenden Flgelwnde, welche nicht annhernd soviel Einfaltungen haben, um der Streckung folgen zu knnen, zerreissen mssen. An ihren usseren Kanten, wo sie mit dem Receptaculum zusammenhngen, ist die Streckung und der damit auf sie ausgebte Zug nur ge- 67 ring. Auf verhltnissmssig lange Strecken hin bleibt der Zu- sammenhang mit dem Receptaculum nicht gestrt. Nach innen zu aber mssen sie sich bei der Aufrichtung der Aeste noth- wendig aufschlitzen, und die entsprechenden Fetzen mssen an- nhernd die Dreieckgestalt annehmen, wie es thatschlich der Fall ist. Das Aufklappen nach aussen ist ebenfalls die natrliche und leicht mit der Vorstellung zu begleitende Folge der Gerade- richtung der frher eingekrmmten Aeste und der damit ver- bundenen Spannung in der Anheftungskante. Die beobachteten voll entwickelten Pilze hatten 8^/2 13 cm ganze Hhe. Drei und vier Bgel an demselben Mycel wurden beobachtet. Die Verbindung der Bgel mit einander ist genau so, wie sie fr Laternea columnata beschrieben wurde, worauf ich oben schon (Seite 50 u. 52) hingewiesen habe. Das Aufreissender Volva erfolgte meist ganz unregelmssig. Doch kam auch ein Fall vor (Fig. 3, Taf. 3), wo die Volvagallertscheidewand genau zur Zerreissungslinie wurde. Erwhnenswerth ist endlich ein anderer Fall, wo die nicht genau senkrecht im Ei befindliche Erucht- krperanlage die Volva gleichzeitig nach oben und nach unten durchstossen hatte, sodass die letztere das gestreckte Recepta- culum als ein Ring in der Mitte umgab. Die Sporen sind kaum 4 f.i lang. Ich sah sie einige Male sicher zu 8 auf einer Basidie sitzend. n. Phalleen. 6. Aporophallus subtilis nov. gen. Wenn wir an den Beginn der Clathreen eine Form wie Protubera Maracuja stellen konnten, welche, ob sie schon nach der blichen Umgrenzung der Gruppe zu den Phalloideen noch nicht gezhlt werden kann, uns den Anschluss der Clathreen an niedere, Hysterangium-artige Hymenogastreen in der ber- zeugendsten Weise vermittelte, so sind wir bei den Phalleen nicht in gleich gnstiger Lage. Die schon mehrfach erwhnte Arbeit von Rehsteiner hat es wahrscheinlich gemacht, dass die Phal- leen ebenfalls von den Hymenogastreen herzuleiten, und dass in den Hymenogaster- Arten ihre Vorlufer zu erkennen sind. Rehsteiner fand, dass die Hymeniuraanlage bei Hymenogaster in den jngsten FruchtkriDern erfolgt in einer kugelkappen- frmigen Schicht in der oberen Hlfte. Hier entsteht eine Hyphenpallisade mit nach unten und innen gerichteten Pallisaden- spitzen, welche spter zu Basidien werden. Von dieser Schicht aus erheben sich dann, wiederum nach unten und innen zu, Wlste, deren Wandungen sich mit der Hymeniumanlage bedecken, und die sich allmhlig unregelmssig verzweigend und verbreiternd 69 das Labyrinth der fertigen Gleba erzeugen. Bei allen bisher untersuchten Phalleen nun entsteht das Hymenium in hnlicher Weise. Nur ist bei allen diesen die Kugelkappenschicht am Pole durch ein Loch unterbrochen, in dem keine Pallisadenbildung erfolgt. Bei allen Phalleen erfolgt die Anlage des Hymeniums also in einer Kugelzonenflche und die Richtung der Pallisaden, aus denen die Basidien werden, geht stets nach innen und unten. Die Bildung des Receptaculums erfolgt bei allen Phalleen in einem die senkrechte Achse des Fruchtkrpers umgebenden Cylinder- mantel und die Spitze des Receptaculums trifft in jene Lcke der Hymeniumanlage am Pol, welche wir eben erwhnten. Wenn nun die Ableitung der Phalleen von Hymenogaster- hnlichen Formen richtig ist was vorlufig noch nicht ber allen Zweifel sichergestellt werden kann so erscheint es durch- aus wahrscheinlich, dass niedere Phalleen knnten gefunden werden, welche jene Unterbrechung der Hymenium anlge am Pole noch nicht besitzen, und eine solche Form ist der hier zu be- sprechende Aporophallus subtilis. Nur mit Widerstreben habe ich diese neue Gattung aufgestellt, denn nur ein einziges ent- wickeltes Exemplar des Pilzes wurde gefunden. Gerade der Um- stand, dass so oft neue Phalloideen - Arten oder Gattungen auf die Kenntniss eines einzigen Exemplars begrndet worden sind, hat die Systematik der Gruppe so sehr erschwert, und viel Verwirrung in der Benennung hervorgerufen. Auf verhltniss- mssig wenige Individuen hin sind ja die allermeisten Phalloideen- Arten begrndet. Nun ist es allmhlich sicher geworden, dass gerade in dieser Gruppe das Maass individueller Abweichungen sehr gross ist, dass selten ein Stck dem andern vollkommen gleicht. Individuelle Unterschiede von Art - Unterschieden zu trennen, ist oftmals unmglich bei einer zu beschrnkten Anzahl von Einzelbeobachtungen. Ich erinnere nur daran, dass man die drei- und die vierbgelige Laternea so lange fr getrennte Formen zu halten berechtigt war, bis ich sie beide an demselben Mycel- ~ 70 Strange ansitzend fand (s. S. 49). Findet sich also eine neue Form, welche mit einer der bekannten und beschriebenen in allen Hauptpunkten bereinstimmt, und nur in der einen oder andern Einzelheit abweicht, so wird man meist besser thun die Beschreibung der betreffenden Art etwas weiter zu fassen derart, dass die neue Form eingeordnet werden kann. Wenn aber ein Pilz, und sei es auch nur in einem einzigen Falle, beobachtet wird, der gegen alle bekannten in einem vom vergleichend morphologischen Stand- punkte aus so hoch zu bewerthenden Merkmale sich abhebt, wie der Aporaphallus, so darf man ihn m. E. mit Stillschweigen nicht bergehen. Die kurze Mittheilung des Befundes mge vor allem dem Zwecke dienen, auf diese wichtige Form die Aufmerksamkeit spterer Beobachter hinzulenken. Die Figur 24 (Taf. VIII) stellt das einzige Fundstck , im genau mittleren Lngsschnitt, in anderthalbfacher natrlicher Grsse dar. Die Form gehrt, wie man sieht, zu den kleinsten Phalleen. Am nchsten mag sie dem Mutinus xylogenus Mont. (vergl. Fischer 1890 S. 37) verwandt sein, bei dem aber die Unterbrechung der Glebaanlage schon vorhanden ist. Die sorgsamste Untersuchung des Aporophallus ergab, dass hier die Gleba ohne irgend welche Lcke den ganzen Hut einschliesst, dass also nicht etwa das in der Figur wiedergegebene Bild eine Folge nicht mittlerer Schnitt- fhrung war. Die Wnde des Eeceptaculums sind im oberen und unteren Drittel einkammerig, in der Mitte sind meist zwei Kammerlagen nebeneinander wahrnehmbar. Die usseren Kammern sind er- heblich kleiner als die inneren, das Receptaculum ist oben ge- schlossen. Mit den obersten Kammerwndeu in unmittelbarer Verbindung stehen plattenartige pseudoparenchymatische Fortstze, welche durch den gallertigen, verhltnissmssig dicken und nach aussen glatten Hut verlaufen. Das Gallertgewebe der Hutmasse ist ferner durchsetzt von pseudoparenchymatischen Platten, welche peripherisch verlaufen und durchaus an diejenigen erinnern, die 71 wir bei Ithyphallus glutinolens im Hute wiederfinden werden (s. Fig. 20, 21, Taf. VII). Diese peripherisch liegenden Platten stehen mit den vorhin erwhnten radial ausstrahlenden, und auch mit einander an vielen Stellen in Verbindung. Es ist wohl an- zunehmen, dass das gesammte pseudoparenchymatische Gerst des Hutes in ununterbrochenem Zusammenhange steht, wenngleich es auf dem Schnitt nur unterbrochen und in Stcken erscheint. Der glatten berflche des Huts liegen die schmutzig braungrnen Reste der Gleba auf. Diese ist nicht mehr vollstndig erhalten. Man kann ber ihre ursprngliche Dicke nichts sicheres mehr er- mitteln. Das eine aber ergiebt sich sicher, dass sie den ganzen Hut ohne Unterbrechung berzieht. Die Sporen sind oval, 5 |U lang, 2 3 i-i breit. Der Hut ist, wie die Zeichnung angiebt, vom Stiel in der Hauptsache getrennt. Man kann aber nicht von unten her, mit einer Nadel etwa zwischen Hut und Stiel eindringen. Der Unterrand des Hutes liegt dem Receptaculum fest an. Ein mikroskopisch feiner Schnitt an dieser Stelle zeigt nun deutlich, dass die pseudoparenchymatischen Theile des Hutes mit den Stielkammerwnden nicht in unmittelbarerVerbindung stehen. Beide sind getrennt, man kann auch sagen verbunden, durch das zwischen- liegende gallertig gewordene Grundgewebe, welches den Haupt- bestandtheil des Hutes bildet. Dasselbe dringt an dieser Stelle sogar noch ein wenig in die mitunter nach aussen offenen Kammern des Stieles ein, und umschliesst hier die freien Enden der Kammerwnde in einer Art und Weise, welche es zweifellos macht, dass bei der Streckung des Receptaculums der Hut nicht an dem sich streckenden Stiel entlang gezogen sein kann. Viel- mehr ist der Zusammenhang des unteren Hutrandes mit dem Stiel hier ein ganz natrlicher, in dem gallertigen Zwischengewebe haben keine Zerrungen stattgefunden, und die Lage der Theile zu einander muss schon im Ei ebenso wie jetzt gewesen sein. Daraus geht hervor, dass die Form des Hutes im Ei eine flache gedrcktere gewesen ist, sonst htte die Streckung der Kammern, 72 soweit sie im Innern des Hutes liegen, nicht erfolgen knnen, ohne dass die Verbindung des Hutrandes mit dem Receptaculum gelst oder wenigstens gelockert worden wre. Der Pilz ist unweit von Blumenau im Walde gefunden worden. 7. Mutinus bambusinus (Zollinger) Ed. Fischer. (== Mutinus MUeri Ed. Fischer =- Mutinus argentinus Speg.?) Im Jahre 1887 fand Dr. Fritz Mller diesen Pilz in seinem Garten im Wurzelwerke eines dort am Itajahyufer ppig ge- deihenden indischen Bambus. Er sandte die Fundstcke an Ed. Fischer, der auf diese die neue Art Mutinus Mlleri grndete. Von demselben Standorte stammt auch das Material, welches meinen Beobachtungen zu Grunde liegt, und an der Ueberein- stimmung desselben mit dem von Fischer grndlich untersuchten kann ein Zweifel nicht bestehen. Im Laufe der Untersuchung drngte sich mir aber die Ueberzeugung auf, dass eine sichere Trennung des M. Mlleri Ed. Fischer von dem aus Java bekannt gewordenen M. bambusinus (Zollinger) Ed. Fischer nicht durch- zufhren sei. Diese Ueberzeugung festigte sich besonders, nach- dem es mir mglich gemacht worden war, das im Berliner Bot. Museum befindliche, von Ed. Fischer untersuchte Material aus Java vergleichend prfen zu knnen. Farbige Abbildungen der aus Brasilien erhaltenen Stcke hat uns Fischer 1890, Tafel V, Fig. 28 geliefert. Ich habe trotz- dem auf Taf. IV, Fig. 3 dieses Heftes auch eine photographische Dar- stellung des Mutinus beigefgt, weil ich gerade auf die mechanische Abbildung meinte Werth legen zu sollen, und dann auch, weil das abgebildete Stck, welches sich ohne Strung im Laboratorium entfaltete, krftiger und grsser ist, als alle bisher beobachteten. An dem schon erwhnten Standorte in Dr. Fritz Mller"s Garten konnten im April 1892 Eier aller Grssen reichlich ge- 73 sammelt werden, und es kamen auch eine ganze Menge von Fruchtkrpern zur Beobachtung. Die am natrlichen Standorte sich streckenden waren fast ausnahmslos nicht im besten Zustande. Das liegt daran, dass der Pilz schon wenige Stunden, nachdem die Streckung vollendet ist, wieder zusammenzusinken beginnt, und der richtige Moment zum Einsammeln gar zu leicht verpasst wird. Ausserdem wurden die Fruchtkrper meist schon unmittel- bar nach dem Platzen der Volva angefressen gefunden (von Schnecken?), endlich mssen sie an jenem Standorte gewhnlich eine Schicht der am Boden liegenden unverwesten trockenen ambusbltter in die Hhe heben, und werden dadurch in ihrer Formausbildung beeintrchtigt. Ich nahm desshalb einige Eier mit den Mycelstrngen, welche sie erzeugten und dem umgebenden Erdboden heraus und setzte sie im Zimmer in einen Topf. Im Laufe der Nacht vom 6. bis 7. April 1892 war eines derselben geplatzt und das Receptaculum hatte sich wunderschn gestreckt (s. die Abbildung Tafel IV). Der Pilz war in ganz frischem Zustande grsser und krftiger, als irgend eines der im Freien angetroffenen Stcke und ging in seinen Maassen auch noch ber die von Fischer angegebenen Grenzwerthe, nmlich 4 8 cm Hhe und 6 9 mm Stieldurchmesser erheblich hinaus. Es hatte die Hhe von 11 cm, wovon drei auf den sporentragenden, 8 auf den freien unteren Theil des Recepta- culums kamen. Der grsste Durchmesser des Stieles betrug 11 mm. Auf SVs cm Lnge steckte das Eeceptaculum in der lang- gestreckten, oben aufgerissenen Eihaut. Auch ein zweiter, im Zimmer zur Entwickelung gebrachter Fruchtkrper, der wieder- um in der Nacht sich streckte, erreichte wenigstens 10 '/o cm Hhe. Die im Boden verlaufenden Mycelstrnge des Pilzes sind rein weiss und von nur geringer Dicke, hchstens l'/ mm stark. Es lsst sich eine dnne, mit Krystallen stark inkru- stirte Kinde von dem gallertigen Markcylinder leicht unter- scheiden. Die erstere wird von strkeren, bis 6 ,t< im Durchmesser 74 haltenden Hyphen gebildet, welche bisweilen so eng zusammen- treten, dass ein Pseudoparenchym andeutungsweise zu Stande kommt. Die Hyphen des Markes haben kaum 2 [.i Durchmesser. Alle verlaufen im wesentlichen in der Lngsrichtung des Stranges, sind aber geschlngelt verbogen und verwirrt. Vereinzelt und unregelmssig im Marke vertheilt finden sich auch hier wieder schlauchartige Hyphen, welche bis zu 12 [.l Durchmesser erreichen und einen dichteren, strker lichtbrechenden Inhalt fhren, Hyphen, wie wir sie schon bei mehreren Clathreen antrafen, und die wir vielleicht als Reservestoffbehlter deuten drfen. Auch lngs- gestreckte Hohlrume durchziehen das gallertige Mark, und er- scheinen auf Querschnitten als Sieblcher. Die auf dem natr- lichen, feuchtgehaltenen Substrat unter einer schtzenden Glocke im Zimmer weiter wachsenden Mycelien beobachtete ich wochen- lang. Schnallenzellen traten nirgends auf, und keine Spur sekun- drer Fruchtformen wurde angetroffen. Die weissen Eier erreichen bis zu 2 cm Durchmesser und sind kuglig. Vor der Streckung erscheinen sie zugespitzt unter dem Drucke des vordrngenden Receptaculums. Eine eingehende Beschreibung der Fruchtkrper hat schon Ed. Fischer 1890 S. 33 gegeben. Der Stiel ist rein weiss in seinem unteren, schmutzig- purpurroth dagegen in dem oberen glebatragenden Theile. Die rothe Farbe setzt sich allmhlich ausblassend und gleichsam verwaschen, von dem oberen glebatragenden Theile nach unten mehr oder weniger weit fort. In dem auf der Tafel IV Fig. 3 darge- stellten Falle ist die Gleba noch nicht abgewaschen. Sie ist wie in allen anderen Fllen von schmutzig-grnlicher Frbung und das Roth kommt an einem solchen Fruchtkrper nur wenig zur Geltung. Bei den von Fischer 1890 Taf. V abgebildeten Stcken ist die Gleba abgewaschen, nur der obere kegelfrmige, am Scheitel in allen beobachteten Fllen offene Theil des Recepaculums ist hier deutlich roth. Die AVandung besteht aus einer einzigen Lage von Kammern, die fast alle nach aussen geschlossen, nach innen 75 aber, zumal im oberen Theile offen sind. Der die Gleba tragende Keceptaculumtheil ist von dem unteren durch eine schwache Ein- schnrung abgesetzt. Die Basidien des Pilzes tragen je 8 Sporen. Wie in frheren Fllen , so beobachtete ich auch hier neben achtsporigen sehr viele Basidien, an denen weniger Sporen gebildet zu sein schienen. Der nicht besonders starke Greruch der zerfliessenden Grleba schien mir mit demjenigen frischen Pferdemistes die grsste Aehnlichkeit zu haben. Mannigfach abgenderte Aussaatversuche blieben hier, wie in allen anderen Fllen ohne Erfolg. Die Entwickelung des Fruchtkrpers ist von Ed. Fischer ein- gehend studirt und dargestellt worden. (1887 S. 30 ff. und 1890 S. 32 ff.) In vielen Schnitten konnte ich die Fischerschen Dar- legungen besttigen und es bleibt mir kaum etwas zu ergnzen. Fr das Verstndniss der folgenden Phalleenuntersuchungen wird es aber nothwendig, den Entwickelungsgang des Mutinus kurz zu berblicken. Wie bei allen Phalleen, so entsteht auch bei Mutinus in dem kugelig anschwellenden Ende eines dnnen Mycelstranges, dem jungen Ei, zuerst die Anlage der Volvagallerte in Gestalt einer kappenfrmigen nach unten offenen Zone. Im Innern derselben, concentrisch mit ihrer Innenflche, erfolgt die Anlage der Hyme- niumschicht in der schon frher erwhnten Weise. Diese Hymenium- schicht wird von einer Pallisadenzone gebildet, und ist am Pole unterbrochen. Von ihr erheben sich die mit Pallisaden umkleideten Glebawlste, welche nach innen und unten zu wachsen. Im Inneren und um die senkrechte Achse des Fruchtkrpers herum entsteht die Stielanlage. Die spteren Kammern des Stieles sind in den ersten Anfngen dicht verflochtene Hyphenknuel , welche sich je fr sich mit einer Hyphenpallisade umgeben. Letztere ist zu- nchst nicht verschieden von derjenigen, die wir als Hymenium- anlage kennen lernten. Bei weiterem AVachsthum lockern sich die Hyphenknuel im Innern, die begrenzenden Hyphenpallisaden . 76 ~ je zweier benachbarter Knuel wachsen gegeneinander, und gehen spter in Pseudoparenchym ber, dasselbe, welches die Wnde der Kammerhohlrume im fertigen Fruchtkrper darstellt. In dieser Weise werden die Receptaculumkamraern bei allen Phalloideen gebildet.*) Bei den nach innen offenen Kammern der oberen Receptaculumtheile wird die Hyphenpallisade nach der inneren Seite zu nicht angelegt. Die erwhnten Bildungen, die Hymeniumanlage, die Grleba, und die Stielanlage fllen nun den im Innern der Volvagallerte vorhandenen Raum nicht vollstndig aus. Im untersten Theile der Fruchtkrper liegt zwischen Volva und Receptaculum eine Schicht von Grundgewebe, welche bei weiterem Wachstum des Eies immer mehr zusammengedrckt wird. Reste dieses Grund- gewebes erscheinen an dem gestreckten Receptaculum bisweilen in Gestalt eines sehr feinen hutigen Ringes noch wahrnehmbar, was in den bisher gegebenen Beschreibungen bersehen zu sein scheint. Grundgewebe liegt nun ferner im oberen Theile des Eies, zwischen der nach innen immer nher an die Receptaculum- anlage heranrckenden Gleba und dieser letzteren selbst. Hier in diesem Rume, in dem bei hher entwickelten Phal- leen die Hutanlage, bei Dictyophora auch die Indusiumanlage erfolgt, treten nun bei Mutinus im Allgemeinen keine Neu- bildungen ein, und in diesem Umstnde liegt der Charakter der Gattung begrndet. Die heranwachsende Gleba drckt das Grund- gewebe zusammen und drngt sich dem Receptaculum fest an, um spter von ihm unmittelbar getragen und in die Hhe ge- hoben zu werden. Doch hat Fischer, und zwar zuerst bei den brasilischen Stcken die Beobachtung gemacht, dass auch hier jene Schicht von Grundgewebe zwischen Gleba und Recep- taculum nicht vollstndig zum Verschwinden zusammengepresst *) Auf die gegentheilige Behauptung des Herrn Burt ist schon oben, Seite 30 verwiesen. 77 und zerstrt wird. Er fand nmlich den in Betracht kommenden Kaum in reifen Eiern erfllt von lockeren, nicht immer in sichtbarer Ver- bindung mit einander stehenden kugligen Zellen^ welche theilweise pseudoparenchymatisch verbunden in das Pseudoparenchym der Stielanlage berfhrten, und wies nach, dass diese lockeren Zellen sowohl von den Fden des Grundgewebes, wie von den fortwachsen- den Hyphenpallisaden der Receptaculumanlage gebildet werden. Er fand spter dieselben Zellen, wenn auch in geringerer Menge. bei Mutinus bambusinus aus Java. Wir drfen in ihnen wohl ohne Zweifel die Vorlufer jenes Pseudoparenchyms sehen, das wir in dem Hute mancher Ithyphallus- Arten wiederfinden werden. Aus der weiteren Betrachtung, vorzglich der zunchst zu be- sprechenden Gattung Itajahya, aber auch anderer Phalleen werden wir ersehen, dass die Neigung zur Pseudoparenchymbildung in dem Grundgewebe der Eier wohl aller dieser Formen vorhanden ist und an den verschiedensten Stellen zum Ausdrucke kommen kann. Auch die hier in Betracht kommenden lockeren Zellen des Muti- nus sind aufzufassen als die ersten Anfnge einer Pseudoparen- chymbildung, welche im besonderen Falle den Zweck verfolgt, eine trennende Schicht zwischen eceptaculum und Gleba zu er- richten. Nach Fischers Angaben ist diese Neubildung bei dem europischen Mutinus caninus noch deutlicher ausgeprgt, aber erst in dem Hute der hheren Phalleen erreicht sie ihren letzten Zweck vollkommen. Auf die grssere oder geringere Menge jener erwhnten, zwischen Stiel und Gleba liegenden kugeligen Zellen ist in erster Linie der Unterschied des javanischen M. bambusinus von dem brasilischen M. Mlleri begrndet worden. Untersucht man viele Exemplare, so erkennt man, dass die Menge jener kugeligen Zellen von Fall zu Fall schwankt, und dass ein Art -Unter- schied hierdurch kaum bedingt sein kann. Betrachten wir die sonst noch angegebenen Unterschiede der beiden Formen, so ^o^o finden wir, dass es sich bei ihnen allen nur um ein Mehr oder 78 Weniger, nie um eine wirkliche trennende Verschiedenheit handelt. Das Verhltniss der Lnge des glebatragenden zum glebafreien Theile des Receptaculums ist durchaus schwankend und geht von ^^ bis ^2 ^^i Mutinus Mlleri unmittelbar ber zu ^/2 und mehr bei M. bambusinus. Die von der Frbung her- genommenen Merkmale zeigen gleicherweise alle Uebergangsstufen und machen eine scharfe Trennung unmglich. Ein Vergleich unserer Abbildung Tafel IV fig. 3, mit dem ausgezeichneten Bilde bei Fischer 1887 fig. 29 setzt die Uebereinstimmung beider Formen ausser Zweifel. In gleicher Weise, wie Ed. Fischer die grosse Zahl der aus allen Welttheilen der sdlichen Halbkugel bekannt gewordenen und fast jedesmal unter einem neuen Artnamen beschriebenen Dictyophora-Formen im Interesse einer klaren Beurtheilung und in sorgsamer Bercksichtigung der thatschlichen Befunde zu einer Art vereinigte, in gleicher Weise scheint es mir berechtigt, den Mutinus Mlleri mit Mutinus bambusinus (Zoll.) Ed. Fischer zu- sammenzuziehen. Da der Pilz in Blumenau nur im Wurzelwerke des indischen Bambus gefunden wurde, so lag die Vermuthung nahe, er mchte vielleicht mit jenem zugleich nach Brasilien eingefhrt worden sein. Dem steht nur der Umstand entgegen, dass auch aus Argentinien von Spegazzini (Mutinus argentinus in Anales de la Sociedad cientifica Argentina T. XXIV 1887) ein Mutinus be- schrieben worden ist, welcher wahrscheinlich gleichfalls zu M. bambusinus zu ziehen ist. Es ist wenigstens in der von Spegaz- zini a. a. O. gegebenen langen Beschreibung nichts enthalten, was eine Abtrennung der neuen Art nothwendig erscheinen Hesse. Frei- lich fehlen trotz der Lnge der Beschreibung recht viele , be- sonders anatomische Angaben, die zur Besttigung der Ueberein- stimmung wnschenswerth wren. Aus dem so weit von den bekannten Standorten entfernten Vorkommen allein die Berechtigung einer neuen Art abzuleiten. 79 geht nicht mehr an, nachdem die Zahl der ber alle Continente verbreiteten Pilze mit der Zunahme unserer Kenntnisse ausser- europischer Filzfloren von Jahr zu Jahr grsser wird. 8. Itajahya galericulata nov. gen. Diese neue Phalloidee , welche in den Figuren 1 4 der Tafel y dargestellt ist, erreicht eine Gesammthhe von 9 12 cm. Aus dem geplatzten Ei erhebt sich ein starker, weisser, rhriger Stiel, welcher von dem hufig unregelmssig ausgebildeten, eng- anliegenden, durch die Gleba schmutzig-dunkelgrn gefrbten Kopfe (Fig. 2) gekrnt wird. Der etwas tonnenfrmige, d. h. in der Mitte den grssten Querdurchmesser aufweisende Stiel ist sehr dick und krftig (Fig. 1). Er erreicht bis zu Va cm Durch- messer, wovon 2 X 1 cm auf die ^yandung und Vl^ cm auf die Hhlung kommen. Die angegebenen Maasse sind die grssten, welche ich beobachtete. In allen Theilen des Fruchtkrpers, so auch in der Dicke des Stieles, macht sich bei diesem Pilze eine ausserordentliche Formunbestndigkeit geltend. Gerade hier ist es ganz besonders nothwendig, eine mglichst grosse Anzahl von Einzelwesen vergleichend zu betrachten, wenn man nicht in Ver- suchung gerathen will, fr jedes eine eigene Art zu begrnden. Der Stiel hat kammerigen Bau, und die Anzahl der neben einander liegenden Kammern der AVandung ist verhltnissmssig bedeutend; man kann deren bis sechs zhlen (Fig. 3). Die einzelnen Kammern sind klein , ihre Wnde werden auch bei vollstndig entwickeltem Receptaculum nicht vollkommen glatt gestreckt, sondern behalten geringe Einbiegungen (Fig. 33 Taf.VIIl). Die Weite der Karamerhohlrume nimmt von innen nach aussen be- trchtlich ab ; whrend die inneren bis zu 2^2 lum Durchmesser aufweisen, findet man oft nur V4 nim bei den ussersten. Der 80 vollstndig gestreckte, weisse Stiel sieht von aussen feinporig aus. Die Poren sind so fein, dass man sie mit dem blossen Auge nur eben noch deutlich unterscheiden kann. Bei genauer Betrachtung mit der Lupe erkennt man ein labyrinthisches Gewirr der Kam- merwnde, und man sieht, dass die ussersten Kammern fast smmtlich nach aussen offen sind (Fig. 2 Taf.V u. Fig. 34Taf. VIII). Besieht man dagegen die Innenseite des Receptaculums, so findet man sie glatt und geschlossen, mit hckerigen Auftreibungen, welche den nach innen ganz abgeschlossenen, grsseren Kammer- hohlrumen entsprechen. Wir haben schon bei den Clathreen gesehen, dass die Wnde der Kammerhohlrume im Eizustande harmonikaartig eingefltelt sind, und dass die schnelle Streckung nach der Zersprengung der Volva durch die Ausbreitung jener Falten in eine Ebene zu Stande kommt. Genau so ist es auch bei den Phalleeu. Eine eingehende Schilderung der betreffenden Vorgnge hat Ed. Fischer an Ithyphallus impudicus durch- gefhrt (Bemerkungen ber den Streckungsvorgang des Phalloideen- Receptaculums, JVIitth. der naturforsch. Gesellschaft in Bern 1887). Da nun offenbar die Streckung des Stieles um so mehr seine ursprngliche Lnge (in zusammengedrcktem Zustande) verviel- fachen muss, je geringer die Anzahl der wirklichen Kammern und je grsser die Zahl der oingefalteten Wandbiegungen ist, so ist klar, dass bei Itajahya die Verlngerung durch Streckung nur wenig ausmachen kann, weil die zahlreichen kleinen Kammern nur wenig Raum zu harmonikaartigen Einfaltungen bieten. In der That streckt sich auch das Receptaculum hier kaum mehr als auf das doppelte der Lnge, welche es im Ei schon besass. Die AVnde der Stielkammern bestehen wie gewhnlich aus isodiametrischen, pseudoparenchymatisch verbundenen Zellen. Im besonderen Falle hier haben die Zellen etwa 20 40 ,w Durch- messer, und die Kammerwnde sind an den dnnsten Stellen mindestens aus vier Zellschichten gebildet. Der Kopf des Pilzes ist, wie schon angedeutet wurde, meist 81 nicht regelmssig ausgebildet. Die eine Hlfte gerth hufig lnger als die andere (vgl. die Figuren 1 u. 2 auf Taf. V). Ein einziges Mal wurde ein vollkommen entwickeltes, grosses Ei freistehend auf dem Boden gefunden, wo denn die Ausbildung regelmssig war. Meist erfolgt die Anlage unterirdisch oder zwischen Wurzelwerk und so, dass ein Druck von irgend einer Seite entsteht, welcher eine Schiefstellung der ursprnglichen Anlage und eine ungleichmssige Anlage der Gleba bewirken drfte. Um uns weiter ber den Aufbau des Receptaculums , des Kopfes, des etwaigen Hutes, und den Zusammenhang der Theile zu unterrichten, betrachten wir Lngsschnitte durch reife Erucht- krper und entwickelte Eier, wie solche in Fig. 2, Taf. Y und in den Figuren 29, 30, 31 der Tafel VIII wiedergegeben sind. Das Receptaculum setzt sich nach oben in einen mehr oder weniger langen, nicht immer regelmssig gekammerten, wohl aber auch noch hohlen Theil fort, welcher in eine Kappe berfhrt (Fig. 31), die die Hhlung der Rhre berdeckt, und seitlich bergreifend auf dem Scheitel des Kopfes eine merkwrdige weisse Mtze bildet. Diese Mtze, oft in der Mitte schwach gebuckelt, reicht seitwrts manchmal bis zur Mitte des Hutes und ist nach ihren Enden hin strahlig lappig zerschlitzt. In schnster Aus- bildung zeigt sie die Figur 2, Taf. V. Sie erscheint hier als ein in hchstem Maasse eigenartiger und charakteristischer Schmuck des Pilzes. Allein schon in dem Falle der Figur 3 ist sie weni- ger entwickelt, und der Vergleich vieler Fruchtkrper zeigt, dass sie von Fall zu Fall schwankend in verschiedener Mchtigkeit auf- tritt, ja bisweilen fast bis zum Verschwindungspunkt zurckgeht (vgl. den in Fig. 4 abgebildeten Fruchtkrper). Sogar offene Fruchtkrper kommen vor, und es ist wohl keine Frage, dass wenn man den in Fig. 30 dargestellten, und den mit der grossen Mtze geschmckten (Fig. 2) an verschiedenen Standorten, und in nur je einem Stcke gefunden htte, zwei Arten daraus wren ScUinipei''s MittlieihTUgeii Heft 7. b 82 gemacht worden. Unsere weitere Untersucliung wird zeigen, dass beide Flle durch eine ununterbrochene Reihe von TJebergngen verbunden sind, und dass die geringere oder strkere Ausbildung der so auffallenden Mtze von secundren Umstnden abhngig ist, und fr die Charakteristik der Art einen untergeordneten Werth hat. Die Masse der Gleba, welche, wie die Figuren zeigen, erheb- liche Dicke erreichen kann (in einzelnen Fllen bis zu 1 cm), liegt dem Stiele eng an, so dass man oftmals nicht vermag, von unten zwischen Stiel und Gleba hineinzusehen. "Wohl aber kann man mit einem Messer dazwischen fahren, und sich berzeugen, dass die Gleba nicht unmittelbar dem Receptaculum aufgelagert ist, dass also nicht etwa eine Mutinusform vorliegt. Auf Aus- nahmeflle, wo in einzelnen Punkten die Gleba wirklich dem Stiel sich so fest anschliesst, dass man sie nicht ohne "Weiteres abheben kann, werden wir noch zurckkommen. Der ganze glebabedeckte Kopf (Fig. 2) erscheint auf seiner Aussenseite weiss getupft, gesprenkelt oder marmorirt. Ueber die Bedeutung der weissen Flecke erhalten wir aus den Figuren 29, 30, 31 der Tafel VIII Aufklrung. Wir sehen hier die Gleba durchsetzt von einer Menge von Adern, welche zum grssten Theile aus dem obersten Ende des lieceptaculums entspringen, aus jenem Theile also, der nicht mehr regelmssig gekammert ist. Diese durch die Gleba verlaufenden Adern strahlen von der An- satzstelle aus schrg nach unten. Nicht strker ausgebildet als jene finden wir ferner eine dnne Haut, welche von eben derselben Ausatzstelle der Gleba. am Receptaculum dicht anliegend, abwrts verluft, und die Gleba begrenzend eine innere Hutflche dar- stellt, von der wiederum adrige Seitenzweige abgehen. Eine zweite gleichsam ussere Haut des Hutes geht oben ab, in bald lngerer bald krzerer Erstreckung unter der besprochenen Mtze entlang. Ausser den Adern begegnen wir auf dem Lngsschnitt einer Menge unregelmssig gestalteter weisser Tupfen (Fig. 29). welche 83 offenbar die Querschnitte und schiefen Schnitte gleicher Adern darstellen, wie diejenigen sind, die zufllig in ilirer radialen Er- streckung durch den Schnitt deutlich wurden. Die dnne Haut, welche die Innengrenze des Hutes dar- stellt, und welche vom Receptaculum deutlich getrennt und abzu- heben ist, reicht niemals bis ganz zum unteren Ende der Gleba. Oftmals verschwindet sie fr das blosse Auge schon in der Mitte der Erstreckung (Fig. 1 Taf. V); bis in die ussersten Enden aber sehen wir die weissen Adern deutlich verlaufen. Wenn nach der Sporenreife die Gleba abgetropft ist, und man den zu- rckbleibenden Hut dann sauber absplt, so erkennt man (Fig. 32) den ungemein complicirten perrckenartigen Bau des- selben. Den oben erwhnten Adern, einschliesslich der beiden den Hut nach innen und aussen begrenzenden Hute entsprechen dachziegelartig ber einander liegende dnne Blttchen von un- gleicher Breite, welche sich in einiger Entfernung von den Ansatz- stellen, da wo sie auf dem Lngsschnitt aufhren als continuir- liche Adern zu erscheinen, auflsen in einzelne bschelartig ver- zweigte Strnge, die die Gleba ganz und gar durchsetzen, und deren gewhnlich ein wenig verdickte Endigungen die weissen Tupfen darstellen, die wir an der frischen und unversehrten Gleba aussen beobachteten. Die kleinen trbgrnen Sporen des Pilzes sind lnglich, fast stbchenfrmig, 3 5 (.i lang, und sitzen zu 8 auf sehr kurzen Sterigmen den Basidien auf. Wie in den frheren Fllen findet man auch hier hufig Basidien mit weniger als 8 Sporen. Den ersten Fruchtkrper dieses Pilzes fand ich am 11. Januar 1891 in bereits verfallendem Zustand, unweit Blumenau im Walde. Der Fundort lag andern ziemlich steil abfallenden lehmigen Ufer eines Waldbaches, durch den ich alle 8 oder sptestens 14 Tage einmal meinen Weg nahm, um die mir bekannt gewordenen Stand- orte einer Reihe von Pilzen aufzusuchen und die Befunde zu verzeichnen. So habe ich denn auch diesen Standort der Itajahya 84 regelmssig whrend 27 Jaliren aufgesucht, und es drfte mir dort kein Ei oder Fruchtkrper entgangen sein. Dieserhalb mag es der Mhe lohnen, die Funde zu verzeichnen. Alle Eier, welche im Laufe der genannten Zeit erschienen, kamen auf einem Fleck von kaum 1 qm Grsse zum Vorschein. Dieser Fleck lag im Wurzelgebiet einer schon abgestorbenen Figueire (Ficus), und die Eier standen stets in einem Boden , welcher reich war an ver- wesenden Blttern und Wurzelwerk. Sie entstehen hier wie in den meisten andern beobachteten Fllen, zunchst unterirdisch; an dem steilen Abhnge dieses Bachufers, an dem jeder nieder- gehende Regen etwas Boden absplte, kamen sie jedoch ziemlich frh ans Licht. Nach dem im Januar 1891 beobachteten Frucht- krper erschien erst im Februar wieder ein Ei, welches damals die Grsse einer kleinen Wallnuss hatte und abgeerntet wurde. Danach wurde im Mrz ein Ei beobachtet, welches Wallnussgrsse hatte. Es wurde am Standorte belassen und erreichte bis Mitte April einen Durchmesser von 50 mm, erwies sich dann aber An- fang Mai als angefault und unbrauchbar. Am 12. April be- obachtete ich ein stark haselnussgrosses Ei, welches bald mchtig wuchs und zu Ende Mai die gewaltigsten Maasse erreichte, die ich je gesehen habe; es hatte nicht weniger als 75 mm grssten Durchmesser und eine unebene, buckelige, hckerige Ober- flche. Als icli es durchschnitt , fand ich die Gallerthlle der Volva ganz ausnehmend stark entwickelt, und die Gallerte darin fast ganz verflssigt. In der weitabstehenden usseren Hlle stand gleichsam ein zweites Ei, umschlossen von der noch ganz festen inneren Schichte der Volva, die bei der Itajahya ganz besonders hart und fest ist. Ein weiteres Ei, welches ich vom 4. Mai an beobachtete, wuchs von diesem Tage bis zum 4. August im Durchmesser von 25 auf 63 mm an. Es wurde am Standorte belassen und es fand sich die Volva geplatzt am 4. August Mittags. Bemerkenswerth ist hierbei, dass die Nacht vom 3. auf den 4. August 1891 eine der kltesten war, die in Blumenau 85 berhaupt vorzukommen pflegen; das Thermometer war in jener Nacht nmlich bis -j- 4" C. gesunken. Mit diesem Ei scheinbar verwachsen war ein zweites, welches auch nahezu dieselbe Grsse erreichte. Beide sassen an dem- selben Mycelstrang und berhrten sich in einer thalergrossen Flche (Fig. 4, Taf. V). Die Untersuchung ergab, dass von einer wirklichen Verwachsung nicht die Eede war. Die Ansatzstellen der beiden Eier lagen an dem nur 2 mm dicken Mycelstrange nur 1 cm von einander entfernt, und so hatten die Eier bei zu- nehmender Vergrsserung sich eng an einander drcken mssen. Es folgte nun an der Fundstelle eine lngere Ruhepause, ohne dass ein Ei aufgetreten wre. Erst im Mrz 1892 erschienen wieder genau an derselben Stelle zwei neue Eier. Dann kam erst Ende Oktober eines zum Vorschein, das drei Wochen lang beobachtet wurde und dann ganz pltzlich spurlos verschwunden, wahrscheinlich von einem Thiere gefressen worden war. Das nchste wurde von Mitte Januar bis Mitte Februar 1893 beobachtet, dann, da es aufbrechen zu wollen schien in einen grossen Blumentopf mit der umgebenden Erde ausgehoben und im Zimmer weiter ge- pflegt, wo es nach 8 Tagen sich entfaltete. Endlich fand ich zwei Eier kurz vor meiner Abreise am 29. Mai 1893. Ausser diesem nher beschriebenen Standorte kannte ich in der nherenUmgebung meines Wohnorts nur noch zwei Pltze, an deren jedem der Pilz angesiedelt war und in ganz hnlicher Weise in un- regelmssigen Zwischenrumen Fruchtkrper erzeugte. Ein weiteres entfaltetes Exemplar wurde nebst einem Ei auf einer Exkursion, etwa 20 km von Blumenau, am Aufstieg zum Spitzkopf, einem 900 m hohen Vorberge der Serra Geral, in einer Hhe von 400 m ber dem Meere gefunden. Ein merkwrdiger Umstand war es, dass gerade, als ich mit der Bearbeitung meines Phalloideen-Materials in Berlin beschf- tigt war, Herr P. Hennings durch Herrn Glaziou aus Rio de Janeiro zwei Fruchtkrper und ein Ei einer neuen Phalloidee'' 86 erbalteii hatte, welche offenbar zu Itajahya gehrten. Herr Glaziou hat diese Phalloidee in dem Passeio publico von Rio, einem kleinen aber herrlich gepflegten ffentlichen Park dicht am Ufer der Bai gesammelt. Herr Hennings hat mich durch Ueberlassung dieses Materials zu besonderem Dank verpflichtet. Der Pilz steht stets in humushaltiger Erde. Herr Glaziou giebt an, ihn auf alten Bambuswurzeln gefunden zu haben. Eine sehr bemerkenswerthe Eigenthmlichkeit der Itajahya liegt in dem Fehlen der sonst bei allen Phalloideen vorkommenden Aveit verzweigten Mycelstrnge. In keinem der beobachteten Flle, an keiner Stelle des Standortes, an dem, wie oben erwhnt der Pilz 2^1^ Jahre lang stets wieder zum Vorschein kam, konnten Mycelstrnge von irgend erheblicher Lnge im Boden nachgewiesen werden. Am Grunde des Eies findet man in der Regel ein Stck- chen eines Mycelstranges, welches an reifen Exemplaren 23 mm Dicke erreicht und das man auf einige cm weit in den Boden hineinverfolgen kann. Dann hrt es auf. Das lngste Mycel- strangstck, welches jemals beobachtet wurde, hatte 84 mm Lnge. Man muss also annehmen, dass das Mycel d^ Itajahya feinfdig bleibt und den Boden durchzieht, ohne das man es zu Gesicht bekommen kann. Die kurzen Mycelstrnge, welche vorkommen, haben eine brunliche Binde, und sind im Erdboden, dessen Farbe sie besitzen, schwer aufzufinden. Ihr anatomischer Bau zeigt gegenber den bekannten Phalloideenstrngen einige Abweichungen. Auf Querschnitten berzeugt man sich, dass sehr hufig Erd- brocken und verwesende Beste von Pflanzen, welche an den Mycelstrang grenzen, von seinen Hyphen umwachsen und der Binde einverleibt werden. Desshalb erscheint der Strang in der Begel nicht glatt rund, sondern rauh (vgl. Fig. 27). Man kann an ihm fast stets eine ussere und eine innere Binde unter- scheiden.. Die ussere ist von sehr locker verflochtenen, bis zu 7 ^i starken Hyphen aufgebaut, und diese ist es auch allein, welche fremde Bestandtheile umgreift. In der inneren Binde 87 iielimeu die Hyplieu an Strke ab und sind eng und fest verfloch- ten. Der Querschnitt des Stranges erscheint gefeldert durch schmale Streifen dicht verflochtenen Hyphengeflechts , welche gleich der inneren Rinde ein wenig gelblich gefrbt sind, von jener Rinde ausgehen und die Querschnittflche in unregelmssig gestaltete Abtheilungen zerlegen. Sie gleichen in ihrem Aufbau der inneren Einde, whrend das von ihnen umschlossene Hyphen- geflecht aus lockeren mehr oder weniger vergallerteten Fden ge- bildet wird. Auf dem Lngsschnitt erscheinen gleichfalls die dunkleren, enger verflochtenen, schmleren Bnder zwischen breiten Partien, welche lockerer und gallertig sind. In dem Gallertgefleclit verstreut findet man die bekannten runden Krystalldrusenzellen von 20 fi und mehr Durchmesser. Auch finden wir unregelmssig vertheilt in diesen Strngen jene schlauchartigen strkeren, viel- leicht als Reservestoffbehlter zu deutenden Hyphen, welche zu- erst bei Protubera Maracuj beschrieben und nachher auch bei anderen Clathreen nachgewiesen wurden. In allen Theilen ist die Hyphenstructur deutlich erkennbar ; der Verlauf der Fadenelemente ist kein geradliniger, der Richtung des Stranges paralleler, sondern ein gleichsam maseriger, schrg zur Hauptachse verlaufender, so als ob die Fden in grsseren unter sich parallelen Bndeln in unregelmssigen Schraubenlinien um die Hauptachse ge- wunden wren. Es scheint hufig vorzukommen, dass an dem Ende eines Mycelstranges dicht bei einander mehrere Eier entstehen. Dafr spricht das oben erwhnte Vorkommniss (Taf. V, Fig. 4) zweier gleichsam verwachsener Eier, ferner der Umstand, dass auch mit einem der Glaziouschen entwickelten Exemplare ein noch unent- wickeltes Ei an demselben Mycelstrange sitzend und scheinbar mit der Volva des entwickelten Fruchtkrpers verwachsen gefunden wurde ; endlich auch der in Fig. 27 abgebildete Fall, wo unmittel- bar unter der Ansatzstelle (( eines bereits zerfallenen Fruchtkrpers zwei neue an dnnen Abzweigungen des Mycelstranges ansassen. 88 Fruclitkrperanlagen von der Grsse der hier (Figur 27) gezeichneten wurden einmal dicht unter einem grossen, der Streckung nahen Ei gefunden. Sie lagen scheinbar lose im Boden, und hatten nur je ein etwa 1 cm langes, zwirnfadenstarkes j\Iycelstck an sich. Sie lagen dicht bei einander, unter dem grossen Ei, bis 8 cm tief im Boden, doch war ein Zusammenhang der Mycelien nicht zu entdecken, und auch das an dem grossen Ei anhaftende Mj^elstck war nicht grsser als das auf der Figur 4 dargestellte. Zweifellos aber bestand zwischen allen diesen Eiern ein Mycelzusammenhaug durch feine im Boden verlaufende und der Beobachtung nicht zugng- liche Mycelfden. Die Eier, welche, wie oben erwhnt, ungewhnliche Grsse, dabei ein Gewicht bis nahe zu einem halben Pfunde erreichen knnen, sind grauweiss gefrbt. Sobald sie gedrckt oder auch nur mit dem Finger angerhrt werden, nehmen sie einen rth- lichen Ton an. Diese rthliche Farbe wird auch deutlich sichtbar, wenn man junge Fruclitkrperanlagen in Spiritus bringt. An den Berhrungsstellen zweier neben einander entstandener Eier, wo die Einwirkung der Luft ausgeschlossen ist, war die Volvaaussen- haut stets reinw^eiss. Bei der Streckung zerreisst die Volva un- regelmssig, und es kann auch wohl vorkommen, dass ein Stckchen da,von auf dem Hute sitzen bleibt und mit emporgehoben wird. Auf dieses rein zufllige, oftmals beobachtete Vorkomraniss ist kein besonderer Werth zu legen. Dieses emporgehobene hauben- artige Stck der Volva hat mit der unserem Pilze eigenen pseudo- parenchymatischen Mtze auf seinem Scheitel natrlich nichts zu thun. sondern sitzt, wo es vorkommt, dieser Mtze eben noch auf. Gut entwickelte Stcke sind gefunden worden am 11. Januar, 10. Juli, 26. Juli, 6. August 1891, am 16. Februar 1892 und am 16. Mrz 1893. Die Glaziouschen Exemplare sind vom 12. Oktoker 1893. Hieraus geht hervor, dass das Vorkommen des Pilzes an keine Jahreszeit gebunden und dass die Entfaltung auch von der Temperatur recht wenig abhngig ist, denn die Temperatur- 89 Maxima und -Minima betrugen am 6. August 1891 4" C. und 18*^ C. am 16. Febuar 1892 dagegen 23^ C. u. 32" C. in lumenau. Der Streckungsvorgang selbst, den ich in drei Fllen unmit- telbar verfolgte, ist nicht, wie wir es bei Dictyophora besonders ausgeprgt finden werden, an eine bestimmte Tageszeit gebunden. Er vollzieht sich sehr langsam. Bei dem erwhnten Exemplar vom 26. Juli 1891 begann gegen Mittag die Aussenhaut der Volva zu platzen, die mittlere Gallertschicht war verflssigt, und man sah in dem geffneten Ei gleichsam ein zweites, von der inneren sehr festen Volvahaut umschlossenes Ei. Am folgenden Morgen, am 27., war die ussere Haut noch weiter auseinander geplatzt und auch von der inneren ein kappenartiges Stck aufgesprengt. Darunter erschien die rauhe Oberflche der weissen Mtze des Pilzes. xA.n dem nun sich streckenden Stiele bemerkte man dicht unter dem Hute eine seidenfeine, weisse, bald zerreissende Haut entstanden aus den Resten des zwischen Gleba und Receptaculum zusammengepressten Grundgewebes. Bis zur vollstndigen Streckung des Fruchtkrpers auf seine endgltige Lnge von 12 cm ver- gingen 50 Stunden. Ein im August beobachteter Streckungs- vorgang dauerte noch einige Stunden lnger. Dagegen vollzog sich die Streckung des Receptaculums vom 16. Februar in wenig mehr als 15 Stunden. Die Verlngerung betrug nicht mehr als 3 mm auf die Stunde, meistens viel weniger. Indem ich whrend der Streckung an verschiedenen Stellen des Stieles sehr kleine Holzsplitterchen in die offenen Zellen steckte, konnte ich zweifel- los feststellen, dass die Entfaltung sich von oben nach unten fort- schreitend vollzieht. Der Geruch des Pilzes wird benierklich, sobald das Recepta- culum den Hut aus der Volva herausgehoben hat. Von allen beobachteten Phalloideen ist dieses die einzige, deren Geruch durchaus nichts Unangenehmes hat. Er erinnert sehr an frischen Hefenteig. Allmhlig nimmt das Suerliche des Geruches zu, und LIBiRARY NEW YORK BOTANICAL GARDEN 90 ist am strksten, wenn die Gleba abzutropfen beginnt (Taf. V, Figur 3), Die EntwickelungsgescliicLte des Fruchtkrpers konnte mit Hlfe des reichlich eingesammelten Materiales genau verfolgt werden. Sie schliesst sich in ihren ersten Anfngen eng an die durch Ed. Fischer genau bekannt gewordenen Vorgnge bei Ithyphallus impudicus an. So wie dort sieht man in dem ganz winzigen, eine kugelige Mycelendigung darstellenden Fruchtkrper zunchst einen Centralstrang von parallel gerichteten Hyphen, welche nach oben garbenartig ausstrahlen. Diese Garbe berdeckend, und von ihren Enden wahrscheinlich gebildet , erscheint dann die Anlage der Volvagallerte in Gestalt einer glockigen, bald sich stark verdickenden Kappe. (Fr die Einzelheiten sind Fischers Abbildungen 1890, Fig. 18 u. ff. zu vergleichen). Das nchste Wachsthum des Fruchtkrpers kommt dieser Gallerte fast allein zu gute. Man findet Eier von 1 cm Durchmesser, die fast nur von der Gallerte ausgefllt sind. Nur von unten, von der Ansatz- stelle her, ragt ein winziger, nach oben schwach kugelig verdickter Zapfen in die Gallertmasse hinein, und in ihm erfolgen die fr den fertigen Fruchtkrper wichtigsten Bildungen. Den nchsten Schritt vorwrts bezeichnet die Anlage der Stielwandung und des Hymeniums. Die erstere erfolgt rund um den Centralstrang herum in der fr die Phalleen bezeichnenden Weise, ebenso wird das Hymenium als nach innen gerichtete Pallisadenschicht auf einer der Volvagallerte im Innern parallelen Zone hier wie bei anderen Phalleen angelegt. Alsbald erheben sich aus der ursprnglich glatten Hyphenpallisade nach innen zu Wlste, welche ebenfalls mit Pallisaden umkleidet sind. Sie umschliessen zwischen sich die ersten Glebakammern , und wachsen nun weiter, bald sich theilend und verzweigend. Der Raum fr ihre Verlngerung wird durch das Wachsthum der ganzen Fruchtkrperanlage in die Hhe und in die Dicke geschaffen. (Fr nhere Einzelheiten sei auf die Entwiche- 91 ~ lungsgeschichte des Ithyphallus teniiis [Fischer 1887J verwiesen). "Wenn nun die Wlste der Gleba zunchst allseitig, also auch an ihren Endigungen mit Pallisaden umkleidet sind, aus denen spter die Basidien hervorgehen, so finden wir unter ihnen doch schon in sehr jungen Zustnden einige, welche an ihren Enden mit dem die Stielanlage umgebenden Grundgewebe in Ver- bindung getreten sind, und also Verbindungsplatten zwischen dem primordialen Geflechte ausserhalb und innerhalb der Gleba bilden. Auf Schnitten sind es Adern, welche die Gleba durch- setzen. Von dem Augenblicke an, wo diese Verbindung her- gestellt ist, wird sie nicht mehr unterbrochen, obwohl die Gleba wie die ganze Fruchtkrperanlage nun erheblich an Grsse nach jeder Richtung zunehmen. Die Adern zeigen also intercalares Wachsthum, Gleichfalls noch in sehr frhen Zustnden, wenn der gesammte Durchmesser der Glebamasse lngst nicht ein Drittel der endgiltigen Ausdehnung erreicht hat, finden wir weiterhin dann alle inneren Endigungen der Tramawlste nicht mehr mit Hymenium erzeugenden Pallisaden bedeckt, sondern in Verbindung mit dem Grundgewebe. Die Entwickelung der Gleba vollzieht sich in ihrem berwiegend grsseren Theile durch intercalares Wachsthum. In die sich naturgemss vergrssernden Gleba- kammern dringen sekundre Tramawlste oder Platten bald ein. Von nun an aber beginnt jene Eigenthmlichkeit unseres Pilzes sich geltend zu machen , welche seinem fertigen Kopfe den be- sonderen Charakter verleiht. Es verdicken und verstrken sich nmlich die Tramaplatten und insbesondere die erst angelegten, durch Vermehrung ihrer Hyphenelemente. Dabei zeigt das dichtere Hyphengeflecht an vielen Stellen die Anfnge einer Pseudo- parenchymbildung. Vorzugsweise tritt die Verstrkung an den Tramaplatten ein soweit dieselben radial, und ganz besonders so- weit sie horizontal-radial verlaufen. Der Lngsschnitt zeigt in Folge dieser Verstrkungen die Gleba durchzogen von sehr deut- lichen weissen Adern, wie sie auch auf der Figur 29 dargestellt 92 sind. Diese Adern des Lngsschnitts , in Wirklichkeit diese flachen Lappen, welche in der Mitte des Fruchtkrpers am dicksten und breitesten sind, whrend sie sich nach aussen zu zerfasern, sie sind es, welche allmhlich solche Festigkeit erlangen, dass sie beim Flssigwerden und Abtropfen der Grieba nicht mit zergehen, wie es sonst das Schicksal der Phalloideentrama zu sein pflegt, sondern dass sie als ein krauszottiger, weisser, per- rckenartiger Behang die Spitze des Receptaculums umgeben, wenn die letzten Keste der grnlichen Sporenmasse abgewaschen sind (Taf. VIII Fig. 31, 32). Ehe noch das Abtropfen beginnt sehen wir, wie oben be- reits erwhnt wurde, die grnliche Gleba gleichsam mit grauen Pusteln gesprenkelt. Unsere Figuren 2, 3, 4 auf Tafel 5 zeigen dies sehr deutlich. Untersuchen wir die Pusteln genauer, so finden wir, dass sie aus Pseudoparenchym bestehen und in un- mittelbarem Zusammenhange sich befinden mit den Endigungen von Trama -Adern, welche hier am ande der Gleba auf Kosten der noch innerhalb der Volva vorhandenen Reste des Grund- gewebes ihrer Neigung zur Bildung von Pseudoparenchym nach- geben konnten. Ist die Sporenmasse abgewaschen, so erscheinen die genannten Pusteln wie kleine knopffrmige Verdickungen an den Enden all der unendlich zahlreichen Fasern, in welche der Behang des Receptaculums aufgelst ist (Fig. 31 u. 32). Die Neigung zur Pseudoparenchymbildung ist in der gesammten Trama vorhanden. Wir finden Pseudoparenchym in allen strkeren Adern, Eine bestimmte Gesetzmssigkeit des Auftretens ist nicht vorhanden, jedoch erscheint es an den dicksten Stellen der Trama zuerst. Niemals wird die subhymeniale Schicht von der Pseudo- parenchymbildung berhrt. Wir werden durch diese Bildungen unwillkrlich an die bei Mutinus zwischen Stiel und Gleba auf- tretenden oben erwhnten (S. 77) kugligen Zellen erinnert. Auch jene traten in unregelmssiger Vertheilung auf, zeigten aber unter sich gewhnlich nur wenig Zusammenhang. Es kann kein Zweifel Os- sein, dass sie mit den hier in grsserer Anzahl und festerem Zu- sammenhang auftretenden pseudoparenchymatischen Bildungen wesensgleich sind. Die Anlage des Eeceptaculums erfolgt in derselben Weise, wie es fr Ithyphallus tenuis und impudicus durch Fischers Untersuchungen (1887 und 1890) bekannt geworden ist, und wie wir sie auch schon bei Mutinus kennen lernten. Die spteren Stielkammern sind zuerst mehr oder weniger rundliche Knuel eng verflochtener Hyphen, welche von einander durch enge Zwischen- rume getrennt, in einer cylindrischen Schicht um den Central- strang gelagert sind. Diese Schicht ist von dem Centralstrange scharf abgesetzt durch eine zwischen beiden befindliche sehr dnne Zone stark aufgelockerten Geflechts, Die innersten Kammern der dicken Stielwandung werden zuerst angelegt, allmhlich er- scheinen dann die Anlagen der usseren Kammern, ebenfalls zu- erst in Gestalt kleiner Hyphenknuel. Wie diese Knuel sich durch Bildung einer Pallisadenzone , und Auflockerung ihres inneren Kernes in hohle Kammern umwandeln, ist frher schon geschildert worden. Die Anlage des Eeceptaculums vollzieht sich aber nicht nur von innen nach aussen, sondern auch von unten nach oben fort- schreitend. Der genau mittlere Schnitt der Figur 28 zeigt uns den hufig beobachteten Fall, wo das Eeceptaculum anfnglich verhltnismssig tief unter dem Scheitelpunkt des Fruchtkrpers endet. Die Anlage der Kammern schreitet von da ab nach oben weiter fort, erreicht aber niemals in voller Eegelmssigkeit den Scheitelpunkt des Fruchtkrpers. In einem bald krzeren (Fig. 29) bald lngeren (Fig. 30) Endstcke hrt die Eegelmssigkeit der Kammerbildung auf, die Wandstrke im Ganzen nimmt gleich- zeitig ab. Die Hyphenknuel werden hier auch noch gebildet, sie grenzen sich aber nicht mehr so regelmssig gegen einander ab, die Pallisadenschicht, welche bei der regelmssigen Kammerbil- dung die Aussenwand herstellt, wird nicht mehr nach allen Seiten - 94 gleichmssig angelegt, und es entstehen auf ditse Weise Kammern, welche nach einer Seite ohne Wand sind; weiterhin tritt auch die Vergallertung und Auflockerung der im Innern des Hyphen- knuels gelegenen Hyphen nicht mehr regelmssig auf und es kommen grssere Anhufungen von geschlossenem Pseudoparen- chym zu Stande, wie wir sie z. B. in der Fig. 30 deutlich und in ununterbrochenem Zusammenhange mit den regelmssig gebil- deten Kammern wieder antreffen. Kurzum es treten Pseudo- parenchymbildungen aus dem Grundgewebe auf, welche unregel- mssige Falten und Knuel bilden , die Tendenz zur Kammer- bildung, wie sie im Stiele vorkommt, indessen immer noch, wenn auch undeutlich erkennen lassen. Der Hohlraum des Stieles wird durch diese Bildungen in der Mehrzahl der Flle nach oben all- mhlich verengt, dann aber dicht unter dem Ende wiederum mehr oder weniger trichterfrmig erweitert. Der trichterfrmige auf diese Weise dicht unter der Volva am Scheitel der Fruchtkrper entstehende Raum ist zunchst mit Grundgewebe gefllt, welches im Kreise herum seitwrts in jene schmale Schicht berfhrt, die zwischen Volva und Gleba die eigentliche Fruchtkrperanlage mantelartig umgiebt. In jenem trichterfrmigen Baum nun ent- stehen, und zwar dicht unter der inneren Volvahaut, aus dem Grundgewebe pseudoparenchymatische, bei keiner anderen Phal- loidee bis jetzt in dieser AVeise beobachtete Neubildungen, welche endlich zur Erzeugung jener eigenthmlichen Mtze fhren, die in Fig. 29 schon angelegt ist, auf dem Bilde 2 der Tafel V aber besonders ppig entwickelt auftritt. Die Anlage dieser Mtze geschieht in Hyphenknueln, welche denen durchaus gleichwerthig sind, die den obersten unregelmssig gebildeten Theil des Recep- taculums bilden. Stellen wir uns eine Reihe solcher, in eine obere Schicht gelagerter Hyphenknuel vor, die mit einander in enge Verbindung getreten sind, whrend die Hohlrume in ihrem Innern ausserordentlich klein bleiben, mitunter auch gar nicht angelegt werden , so haben wir den mittleren, fest zusammenhngenden 95 Theil der Mtze. An dem usseren in Zasern und schliesslich in einzelne Tupfen aufgelsten Rande derselben wurden die Hyphen- knuel nicht mehr so zahlreich und nicht allseitig in festem Zu- sammenhange mit einander angelegt. Von den bereits oben besprochenen, auf der freien Gleba berall erscheinenden weissen Tupfen, die ebenfalls pseudoparen- chymatisch sind, unterscheiden sich die zur Mtze gehrigen da- durch, dass sie mit der Trama in keiner Verbindung stehen, son- dern frei im Grundgewebe angelegt werden. Sie sind auch dess- halb von dem freien Hute leicht abhebbar, was mit den erst- erwhnten natrlich nicht der Fall ist. Die ganze Mtze ist nur lose auf dem Kopfe des Pilzes befestigt, es kommt vor, dass grosse Theile derselben bei dem Streckungsvorgange an der Innenseite der Volva haften bleiben. Die Verbindung der Mtze mit dem Receptaculum ist am besten aus der Figur 29 zu ersehen. Da nmlich wo die usser- sten obersten Hyphenknuel, welche den oberen Rand des Recep- taculums zu bilden bestimmt sind, mit denen der gerade darber befindlichen Mtze zusammenstossen, verschmelzen ihre Elemente mit einander zu gleichartigem pseudoparenchymatischem Geflecht und bringen so die Mtze in natrlichen Zusammenhang mit der Stielwandung. Es ist somit klar, dass wir die beiden Gebilde als wesensgleich, ja dass wir die Mtze geradezu als einen Theil des Receptaculums auffassen mssen. Die beiden oben erwhnten Stcke der Itajahya (Seite 85), welche Herr Glaziou im Passeio publico von Rio de Janeiro ge- sammelt hat, zeigen eine ganz offene Stielmndung. Es ist bei ihnen das Receptaculum bis dicht unter die Spitze fast ganz regel- mssig gekammert, nur nehmen die Kammerwnde nach oben an Strke zu, whrend die Hohlrume immer kleiner werden. Der obere Rand des Receptaculums ist dick, krftig kragenartig nach aussen gebogen ; er zeigt alle Eigenthmlichkeiten der Mtze. Die nach aussen gelegenen zaserig aufgelsten Theile sind bei den 96 ohnehin mangelhaft erhaltenen Exemplaren jedenfalls abgerissen. Vergleichen wir diese offenen Fruchtkrper mit einem Falle, wie der auf Tafel V Fig. 2 dargestellte es ist. so liegt die Versuchung ausserordentlich nahe, in ihnen die Vertreter einer neuen Art unserer Gattung zu erblicken. Wahrscheinlich wrde ich mich in diesem Sinne entschieden haben, htte ich nicht in Blumenau und zwar an einem Standorte, der mtzentragende Exemplare geliefert hatte, einen Fruchtkrper (Fig. 30) geerntet, welcher aufs beste den ebergang vermittelt. Wir sehen hier einen oben offenen Stielscheitel, der durch wenige, etwas versenkt liegende pseudoparenchymatische Geflechts- partien ", die Reste der Mtze, kaum noch im Grunde ge- schlossen ist. Denken wir hier den Kragen nur ein wenig strker ausgebogen, die Receptaculumwnde ein wenig weiter von einander entfernt, so ist klar, wie leicht die Theile r^" der Mtze verloren gehen knnen, wenn sie berhaupt angelegt worden waren, und wir wrden dann ein Bild haben, welches mit dem der Fruchtkrper von Rio de Janeiro auf das genaueste berein- stimmt. Ich habe deshalb kein Bedenken getragen, auch jene mit der Itajahya galericulata zu vereinigen. Sehr geringe Verschiebungen des Zeitpunktes, in welchem einestheils die obersten Receptaculumtheile, andererseits die zur Mtzenbildung fhrenden Hyphenknuel angelegt werden, knnen hier offenbar grosse Verschiedenheit im Aussehen des fertigen Fruchtkrpers herbeifhren. Zur Kennzeichnung der Art ist die Mtze nur in sehr beschrnktem Maasse zu verwerthen. Hatte doch auch jeder der zahlreichen (etwa ein Dutzend) entfalteten Fruchtkrper, die ich gesehen habe, eine anders gestaltete Pftze. So mchtig wie auf Fig. 2 Taf. V war sie auf keinem andern ent- wickelt, und das auf derselben Tafel in Fig. 4 abgebildete Stck hatte nur in der Mitte eine winzige Andeutung des in anderen Fllen so auffallenden Gebildes. Es bleibt nun noch der wichtigste Punkt zu errtern, auf 97 welche Weise bei unserem Pilze die Gleba mit dem B,ecepta- culum in Verbindung steht. Wie der Lngsschnitt durch ein vorgeschrittenes Eistadium (Fig. 28) uns zeigt, ist fler vom Grund- gewebe um die Stielanlage herum gebildete Kegel hier von ver- hltnissmssig stumpfer Gestalt, besitzt aber eine lang ausgezogene Spitze. Im ganzen Verlauf dieser Spitze (oberhalb x in der Figur), welche dasjenige Stck darstellt, in dem das Receptaculum nicht mehr regelmssig gekammert ist, sondern aus mehr oder weniger unregelmssig gestalteten pseudoparenchymatischen Wnden be- steht, treten die Adern der Gleba mit eben jenem Pseudo- parenchym des Stieles in so unmittelbare Verbindung, dass sie weiterhin lediglich als Fortsetzungen und Anhngsel desselben erscheinen (vergl. die obersten Theile der Figuren 29, 30, 31). Was hier vom Grundgewebe vorhanden war, geht bei der Aus- bildung des Fruchtkrpers vollstndig fr die Beobachtung ver- loren. Anders jedoch verhlt sich der untere Theil (unterhalb x der Figuren), derjenige also, in welchem die Enden der Gleba durch einen verhltnissmssig dicken Mantel aus Grundgewebe von der Stielanlage getrennt sind. Hier kommt eine Hutanlage zu Stande in derselben Weise, wie wir sie bei der Gattung Ithy- phallus wieder finden werden. Auf den Lngsschnitten (Fig. 29 bis 31) erscheint sie als schmale, von der Receptaculumanlage (bei .r) ausgehende, die Gleba begrenzende weisse Linie, welche nach unten das Ende der Gleba meist nicht ganz erreicht. Diese Hutanlage setzt sich zusammen aus zwei wenig scharf getrennten Schichten, von denen die ussere der Trama, die innere dem Grundgewebe ihren Ursprung verdankt. Wir wissen , dass die Tramawlste der Gleba ursprnglich mit der Hymeniumpallisade auch an ihren Enden bedeckt sind, dass al)er spter dort das Hymenium unterbrochen wird und die Trama nun mit dem Grundgewebe in Verbindung tritt. Die Enden je zweier benachbarter, durch ihre Pallisadenschicht an der Spitze gleichsam durchbrechender Tramawlste treten nun auch .Schimiier's Mittlioilungen Heft 7. 7 98 seitwrts mit einander in Verbindung, und ihre Fden bilden eine dnne Schicht, welche die Gleba abschliesst, und welche nach der Seite, wo sie die Glebakammern begrenzt, auchBasidien erzeugt. Diese dnne Tramaschicht ist ein Bestandteil der Hutanlage. Sie wird verstrkt durch einige wenige Zellenlagen, welche aus dem Grundgewebe ihren Ursprung nehmen. In diese Hutanlage nun mnden die Tramaplatten , die A.dern der unteren Glebahlfte (unter x). Dieser Theil des Fruchtkrpers ist im Gegensatze zu dem oberen, an Mutinus erinnernden, durchaus nach dem Muster von Ithyphallus gebaut. Das Verhltuiss der Lnge beider Theile (ber und unter x) zu einander kann nun innerhalb weiter Grenzen schwanken. In jedem der beobachteten Flle war es ein etwas anderes und der Lngsschnitt durch jeden Fruchtkrper und jedes Ei bot daher ein etwas anders gestaltetes Bild. Aus einem Ver- gleich unserer Figuren 28 bis 31 wird dies klar. Bei Figur 30 ist der Hut ungewhnlich tief angesetzt, der Mutinustheil ist bevorzugt, bei Fig. 29, welche das andere Extrem darstellt, ist der Hut sehr hoch augesetzt, und wir nhern uns dem Typus des Ithyphallus. Man hat sich auf Grund der bisher bekannten Formen ge- whnt, unter dem Hute der Phalleen denjenigen Theil des Frucht- krpers zu verstehen, der die Gleba trgt, und der, auf der Spitze des Receptaculums befestigt, nach Abtropfen der Gleba zurck- bleibt. Nach dieser Auffassung wrden wir die Perrcke in ihrer Gesamtheit, wie sie in den Figuren 31 und o2 durch Herrn K Volks geschickte Hand dargestellt ist , als den Hut von Itajahya zu bezeichnen haben. Diese Bezeichnung wrde jedoch Missverstndnisse herbeizufhren geeignet sein. Der Hut aller bisher untersuchten Ithyf)hallus arten entsteht ausschliesslich zwischen Gleba und Receptaculum als eine beide Theile trennende Schicht, Verschiedenheiten machen sich bei den einzelnen Formen dahin geltend, dass entweder die Trama mit dem Grundgewebe zusammen, oder letzteres allein die Elemente des Hutes liefert. 99 Dem Hute von Ithyphalliis kann also bei Jtajahya nur das zuletzt nher beschriebene, die Innengrenze der Gleba dar- stellende dnne Hutchen gleichgesetzt werden Aus diesem Grunde erscheint es zweckmssig, fr die Gesammtheit der perrckenartigen Bildung der Itajahya den Ausdruck Kopf an- statt Hut zu gebrauchen , wie ich es auch gethan habe. Auf den Lngsschnitten unserer Tafel VIII gewinnt man freilich den Eindruck, als sei der eigentliche, dem Receptaculum meist dicht an- liegende Hut nur die letzte der Adern, welche neben und unter einander, vom obersten Theile des Receptaculums aus- strahlend, durch die Gleba sich verbreiten. Die Entwickelungs- geschichte hat uns eine andere Auffassung gelehrt, und auch genaue Untersuchung des fertigen Zustandes zeigt uns deutliche Unterschiede zwischen dem Hut und dem brigen Perrcken- behange des Kopfes. Zunchst findet sich in dem dnnhutigen Hute niemals die Pseudoparenchymbildung, welche in keiner der Tramaplatten fehlt, und selbst in deren ussersten knopffrmig verdickten Enden den Pusteln auf der Flche des sporen- tragenden Kopfes berall angetroffen wird. Ferner aber ist die den Hut darstellende Haut rings um den Stiel herum in un- unterbrochenem, glockenfrmigem Zusammenhange, was bei keiner der mannigfach zerschlitzten Tramaplatten zutrifft. Eine besondere Eigenthmlichkeit anderen Phalleen gegenber zeigt endlich der Hut der Itajahya noch darin, dass er fast niemals nach unten bis zum Ende der Gleba reicht. Seine Lnge wechselt von Fall zu Fall, wie es die Betrachtung der Fig. 1 auf Taf. V und der Lngsschnitte des Pilzes auf Taf. VIII deutlich ergiebt. In den untersten Theilen geschieht die Abgrenzung und der Ver- schluss der Grlebakammern nach der Seite des Stieles hin ledig- lich durch die makroskopisch kaum sichtbare feine Hlle des Tramageflechtes. Da der dnne Hut seinem Bau gemss nur eine geringe Steifigkeit besitzt, so kann es leicht vorkommen, dass die Gleba mit jenem unteren hutlosen Theile stellenweise sich dem 7* ^ 100 Receptaculum fest anpresst, so class sie ohne Verletzung dort nicht abgehoben werden kann. Dieser Fall ist mehrfach beobach- tet worden; er tritt besonders leicht ein, wenn wie in Fig. 1 der Tafel V die Gleba nicht gleichmssig nach allen Seiten hin aus- gebildet ist. Hier drckt natrlich die schwerere Seite sich dem Stiele fest an, whrend die leichtere lose absteht und wir werden zum zweiten Male im unteren Theile des Kopfes an die Bezie- hungen unseres Pilzes zu Mutinus erinnert, Beziehungen, auf die wir bei Betrachtung des oberen Theiles in noch berzeugenderer Weise aufmerksam geworden sind. Betrachten wir zum Schlsse noch einmal die Fig. 1 Taf. V und Fig. 31 Taf. VIII, so sehen wir da im Innern des lngs durchschnittenen Stieles und zwar auf dem ersteren Bilde sowohl oben als unten eine sehr dnne gallertig hutige Rhre. Wir erkennen in ilir die Reste des im Innern des Stielhohlraumes vorhandenen und bei der Streckung des Fruchtkrpers zerrissenen Grundgewebes, Reste, die in hnlicher Weise auch bei Ithyphallus und Dictyophora zurckbleiben, und auf entsprechenden Abbil- dungen jener Pilze schon oftmals dargestellt worden sind (vgl. z. B. V. Tavel, Vergleichende Morphologie der Pilze, Jena 1892, Seite 184 Fig. 2 u. 3). 9. Ithyphallus giutinolens nov. sp. Darwin hat auf Dnen bei Maldonado (Uruguay) einen Ithy- phallus gesammelt, welcher von Berkeley im Jahre 1842 als Phallus campanulatus beschrieben wurde (Ed. Fischer 1886 S. 50). Dies ist bis heute der einzige aus Sdamerika bekannt gewordene Ithy- phallus geblieben. Obwohl die Form leider nicht genau unter- sucht wurde, so dass wir ber viele wichtige Fragen im Unklaren bleiben, so ist doch soviel sicher, dass sie mit dem hier zu bespre- chenden Ithyphallus giutinolens nicht gleichbedeutend sein kann. 101 Dieser nun also zweite sdamerikanische Itbyphallus wurde in den drei Beobachtungsjahren 1891 93 zu vielen Malen und an verschiedenen Standorten in der Nhe von Blumenau im Walde angetroffen. Er gehrt zu den kleinen Formen (s. die Fig. 1 auf Taf. IV), und erreicht nur 5 7 cm Hhe. Er ist durch eine ausserordentlich dicke Gleba und durch vollkommen glatten Hut ausgezeichnet und drfte dem Itbyphallus rugulosus Ed. Fischers am ehesten verwandt sein. Die Gleba hat die ge- whnliche schmutzig-trb-grne Frbung. Sie ist auch am ent- falteten Fruchtkrper fast kuglig gestaltet, oben meist etwas ab- geplattet. An der dicksten Stelle erreicht sie, gemessen von der Hutoberflche bis zum Aussenrande 8 mm Strke. Die Sporen bieten nichts eigenthmliches. Sie sind 4 f.i lang, 1,5 [.i breit und sitzen bis zu 8 auf je einer asidie. Ed. Fischer hat die bisher bekannten Ithyphallus-Formen in zwei Gruppen getheilt, die er reticulati und rugulosi nennt. Bei den ersteren zeigt der Hut, wenn die Gleba abgesplt ist, eine grubig netzige Oberflche, wie bei dem europischen Itbyphallus impudicus, bei den andern ist die Oberflche nur schwach runzelig hckerig, so z. B. bei dem aus Java bekannt gewordenen Itbyphallus rugulosus Ed. Fischer. Unsere Form passt genau genommen in keine der beiden Gruppen, denn wenn mau von einem frischen Fruchtkrper die Gleba sauber absplt, so erscheint eine voll- kommen glatte Hutoberflche darunter. Bei der Aufbewahrung in Spiritus allerdings wird sie runzelig hckerig, und es hat dies seinen Grund in dem inneren Bau des Hutes, auf den wir weiterhin zu sprechen kommen. Der Hut steht (Fig. 23 Taf. YIII) in spitzem Winkel vom Stiele ab, so dass man stets von unten her zwischen Hut und Stiel hineinsehen kann (Taf. IV Fig. 1); oben setzt er in der durch die Figur erluterten Weise an das Beceptaculum an, wel- ches an seiner Mndung kragenartig ausgebogen ist. Die obere Oeffnung war in allen beobachteten Fllen durch ein dnnes Haut- 102 ~ cheii verschlossen, welches in dem lingsschnitte der Fig. 23 auch angedeutet ist. Von der Flche gesehen stellt es eine am Rande strahlig zerschlitzte kleine Scheibe dar, wenig grsser als der durch den Kranz des Receptaculums gebildete Kreis. Dies Hutchen entspricht ganz genau der Mtze von Itajahya; wie jene wird es aus dem ber dem Stielscheitel vorhandenen Grundgewebe ge- bildet, nur kommt es nicht ber die sehr lockere, dnne, fdige Struktur hinaus , und Pseudoparenchymbildung wird nie darin gefunden. Die Wandung des rein weissen Stieles wird nur aus einer Lage von Kammern gebildet, welche im oberen Theile nach aussen nicht einmal geschlossen sind. An der dicksten Stelle, etwa auf ^/^ der Hhe von unten her, erreicht der Stiel wohl 13 mm Durch- messer. Dort sind in der Wandung zwei Kammern neben ein- ander oftmals zu beobachten. In diesem Falle ist aber entweder die eine oder die andere nach aussen oder innen ojBfen. Die Eier dieses Ithyphallus sind ganz unverhltnissmssig gross, sie erreichen nmlich bis zu 5 cm Durchmesser. Sie nehmen vor der Reife eine zarte, hellbraunrthliche Frbung (Saccardo Chromotaxia Nr. 8 hell) an. Die jungen Eier sind wie auch die Mycelien rein weiss. Die Mycelstrnge sind sehr stark, ausserordentlich weit ver- breitet und reich verzweigt. Der Pilz lebt, soweit ich es fest- stellen konnte, ausschliesslich in morschen, am Boden liegenden Baumstmmen, welche bereits soweit in Verwesung bergegangen sind, dass man den Holzkrper leicht zwischen den Fingern zer- mrbein kann. Hier durchziehen sie viele Meter weit in ppiger Wucherung den Stamm und erreichen bis zu 4 mm Strke. Die mikroskopische Betrachtung zeigt manche Eigenthmlichkeiten. Zunchst fllt auf Querschnitten eine verhltnissmssig starke gallertige ussere Hlle auf. Diese Gallertscheide erreicht an Dicke oftmals '/:5 des gesammten Durchmessers. In ihr verlaufen, durch Gallertmasse weit voneinander getrennt, in sehr unregel- 103 massiger Anordnung dnne Mycelfdeu, an denen man hier und da Schnallenbildung deutlich wahrnimmt. Nach aussen hin bildet sich von hier aus eine dnne Rinde, indem dieselben dnnen Mycel- fden sich annhernd parallel radial ordnen, dichter zusammen- treten, an Durchmesser zunehmen und eine Art von Pseudo- parenchym bilden, in dem indessen meist noch der Aufbau aus Fden ziemlich deutlich erkannt werden kann. Im Innern des Gallertcy linders verlaufen nun mehrere, gewhnlich 3 4 Bndel enger verflochtener, weniger gallertiger Hyphen, welche im wesent- lichen in der Lngsrichtung des Stranges angeordnet sind. Die Bndel sind von einander durch dnne Zwischenrume getrennt, in denen das Gallertgeflecht des Aussencylinders sich fortsetzt, Sie verlaufen ihrerseits nicht gerade und parallel, sondern in lang ausgezogenen Schraubenlinien gegen einander verdreht. Auf dem Querschnitt erscheinen diese Bndel als ziemlich rundlich um- schriebene Partien, getrennt von einander durch hellere Linien, welche von dem umliegenden Gallertringe ausgehen. Auch bei Itajahya sahen wir den Querschnitt der Strnge in Felder ge- theilt durch Linien , welche von der Rinde ausgingen. Dort waren aber diese Linien, also die lngsverlaufenden Platten enger verflochten und erschienen dunkler, whrend die von ihnen ein- geschlossenen Bndel lockerer, gallertiger und daher heller er- schienen. Gerade das umgekehrte ist hier der Fall, und durch die ausserordentlich starke Gallerthlle unterscheiden sich die Strnge dieses Ithyphallus von allen a-nderen bisher beschriebenen Phalloideenstrngen. Makroskopisch schon zeigen sie in Folge dieser Eigenthmlichkeit ein glasiges Aussehen, so dass ich sie stets leicht erkennen konnte, auch wenn ich sie ohne Fruchtkrper in morschem Holze antraf. Schlauchzellen, wie bei frheren Formen kommen auch hier wieder, und zwar am hufigsten in den dichteren inneren Bndeln, und in unregelmssiger Anordnung vor. Knstliche Kulturversuche stellte ich zu wiederholten Malen an. Nimmt man eine grssere Menge des Holzmulms mit den 104 darin wachsenden Mycelstrugen heraus und hlt sie unter einer grossen Glocke im Zimmer massig feucht, so kann man an den natrlichen Enden der Mycelien, und da, wo Strnge durchgerissen sind, die Weiterbildung neuer, hchst fein verzweigter Fden unter der Lupe aufs schnste verfolgen. Die so gebildeten Mycel- flocken lassen sich leicht abheben , und unter dem Mikroskope mustern. Man findet 2 4,u starke Hjphen, und viele Schnallen- zellen. Die bei den meisten andern Phalloideen so hufigen Ivrystalldrusenzellen und Einzelkrystalle an den Fden wurden bei diesem Ithyphallus nie beobachtet. Unter den Glocken verbreiten sich die Mycelien mit hchster Ueppigkeit durch das ganze Substrat; sie wurden regelmssig mehrere Wochen lang, doch immer vergeblich, auf etwaige Neben- fruchtformen hin durchsucht. Um reine Objekttrgerkulturen zu gewinnen, schnitt ich aus den dicksten Mycelstrugen mit einem ausgeglhten Messer ein Stckchen des mittleren Stranges heraus und bertrug es in Nhrlsung. In der Regel trieben dann an den Enden Hyphenbschel nach beiden Seiten aus, welche noch lange die Neigung zeigten, sich strangartig zusammenzuschliessen und nur in der einen von dem ursprnglichen Strange angezeigten E-ichtung zu wachsen. Ich beobachtete hier sehr leicht und deut- lich die fast regelmssige Schnallenzellenbildung, durch die jedes- mal die letzte Zelle einer Hyphe mit der vorletzten sich in Ver- bindung setzte. Ich unterhielt Reinkulturen dieser Mycelien vom 30. August 1891 bis zum Februar 1892. Einige derselben hatte ich im Dezember in sehr kleine mit Nhrlsung beschickte Erlen- mayer'sche Klbchen bertragen*), in denen sie vortrefflich weiter wuchsen und einen dichten reich verzweigten weissen Hyphenfilz bildeten. Irgendwelche Nebenfruchtformen traten aber auch hier bis zuletzt nicht auf. *) Flschclien, wie die nach Professor Brefelds Angaben zur Kultur der Flechtenpilze ohne Algen (Mnster i. W. 1887) mit Vortheil benutzten. 105 Entwickelte Fruchtkrper fand ich im Februar, April, Mai und August. Das Vorkommen ist von der Jahreszeit offenbar unabhngig. Die Eier brauchen, um heranzureifen, mehrere Monate, und auch wenn sie ihre endgltige Grsse erreicht haben, vergeht noch geraume Zeit bis zum Augenblicke des Auf- platzens und der Streckung. Ein Ei von 4V2 cm Durchmesser beobachtete ich am natrlichen Standort im Walde in Zwischen- rumen von jedesmal 2 4 Tagen vom 12. Juli bis 4. August 1891. Es hatte in der Zeit nicht merkbar mehr an Grsse zuge- nommen, aber erst am 4. August erfolgte die Streckung des Receptaculums. Die ganze Beobachtungszeit gehrte zur kltesten Zeit des Jahres. Der Streckungsvorgang selbst ist, wie es bei dem verhltniss- mssig grossen Umfange des Eies nicht anders zu erwarten war ein recht langsamer und bietet nichts besonders bemerkenswerthes. Er dauert ungefhr 12 Stunden. Wenn die ussere Haut platzt, so erscheint in der verflssigten Gallerte die Innenhaut der Volva mit orangegelber Farbe. Die Gleba des eben gestreckten Pilzes ist trocken und fest. Es vergingen in dem beobachteten Falle nach der Streckung noch 10 Stunden, ehe sie schmierig wurde und Geruch entwickelte. Der Geruch des Pilzes, der an vielen Stcken beobachtet wurde, kommt demjenigen von schlechtem, ins Verderben bergehenden Tischlerleim sehr nahe. Dass der Geruch des Clathrus chrysomycelinus dem dieses Ithyphallus usserst hnlich ist, wurde oben schon bemerkt (Seite 28). Da der Pilz, wie erwhnt, in modernden Stmmen lebt, deren Dauer nur nach Monaten zhlt, so kann man ihn selbstverstndlich nicht, wie es bei Itajahya der Fall war, Jahre lang an demselben Standorte verfolgen. Da ich ihn aber zu vielen Malen an ver- schiedenen Stellen fand, und die Eier in grosser Zahl angelegt zu werden pflegen, so gelang es, ein sehr reiches Material von Entwickelungszustnden zu beschaffen, aus dem ber die Ent- stehung der Fruchtkrper und die morphologischen Einzelheiten 106 der verschiedenen Theile alle wnsclienswerthen Aufschlsse ge- wonnen werden konnten. Die Anlage des Fruchtkrpers folgt in den ersten Zustnden den fr die Phalleen allgemein gltigen Regeln. Zuerst tritt die Gallerthlle der Yolva auf und nimmt in dem jungen Frucht- krper den grssten Theil des Raumes ein. Sie ist durch eine Innenhaut gegen den zunchst sehr kleinen, nabelartigen Zapfen abgegrenzt; welcher in ihrem Grunde ber der Ansatzstelle des Mycelstranges sich erhebt, und in dem der eigentliche Frucht- krper seinen Ursprung nimmt. Sehr deutlich konnte in vielen Fllen bei dieser Form die erste Anlage der Gleba als einer glatten, glockenfrmigen, nur am Scheitel unterbrochenen Pallisadenschicht besttigt werden. Von ihr erheben sich spter die mit der Hymeniumpallisade berkleideten Tramawlste, welche die Gleba- kammern umschliessen. Die Anlage des Stielhohlraumes und der Stielkammern bietet gegenber den bekannten Formen nichts bemerkenswerth Abweichendes. Unser Hauptaugenmerk richtet sich auf die Diffenzirungen , welche in dem zwischen Stiel und Gleba gelegenen kegelfrmigen Zwischengefiechte vor sich gehen. Mit Recht hat Ed. Fischer darauf hingewiesen, dass fast allein die Verschiedenheiten dieser Differenzirungen die Gattungs- und Artunterschiede der Phalleen herbeifhren und begrnden, und er hat ihnen eine ganze Reihe mhevoller Untersuchungen gewidmet. Wir mssen die Ergebnisse derselben kurz zusammenfassend ber- blicken, um fr den Ithyphallus glutinolens und seine Eigenthm- lichkeiten die richtige Beurtheilung zu ermglichen. Bei der Gattung Mutinus zeigt das Zwischengeflecht fast keine Neubildungen. Es bleibt einfach fdiges Geflecht und wird schliesslich von der an den Stiel andrngenden Gleba fast zum Verschwinden zusammengedrckt. Nur zum kleinen Theile geht es in kuglige Zellen ber, die den Anfang der Pseudoparenchym- bildung dort andeuten, wie wir oben (Seite 77) ausfhrlicher ge- sehen haben. Am strksten tritt die Pseudoparenchymbildung 107 bei Mutiuus caninus auf. Bei Ithyphallus. tenuis Ed. Fischer tritt zum ersten Male der Hut auf, d. h. eine Bildung, welche auch nach der Streckung des Eeceptaculums dauernde Trennung von Stiel und Gleba herbeifhrt. Dieser Hut ist eine dnne Lage von Pseudoparenchymzellen, und wird nach Fischer von den Enden der Tramaplatten aus gebildet. Das Zwischengeflecht soll in diesem Falle an der Hutbildung kaum Antheil nehmen, es bleibt undifFerenzirt, und wird zerdrckt, spter zerrissen. Bei Ithy- phallus impudicus tritt zum ersten Male im Zwischengeflecht, und zwar in seiner Mitte, ganz unabhngig von der Gleba, und zu einer Zeit, wo diese in den Anfngen ihrer Bildung und vom Stiele mit ihren Enden verhltnissmssig noch weit entfernt ist, eine selbststndige glockenfrmige dichtere Zone (./" bei Ed. Fischer) auf, die sich oben der Eeceptaculumanlage etwas unterhalb ihres Scheitels anfgt. Diese Zone erreicht nun bei Ith. impudicus zunchst noch keine weitere Ausbildung. Der Hut dieses Pilzes wird vielmehr im wesentlichen von dem ausserhalb dieser Zone ./ zwischen ihr und der Gleba befindlichen Reste des Zwischengeflechtes gebildet, und hchstens soll eine usserste Schicht von ./ an seiner Bildung betheiligt sein. Die Zone J ist nun aber dieselbe, aus der bei Dictyophora das Indusium hervor- geht. Es hatte deshalb van Bambeke*) angenommen, dass der Hut von Ithyphallus impudicus gleichwerthig zu setzen sei mit dem Hut und dem Indusium von Dictyophora, da die Zone Jim erste- ren Falle ganz in der Bildung des Hutes von Ith. impudicus mit auf- ginge whrend sie bei Dictyphora das Indusium bildete. Ed. Fischer hat durch sorgsame Untersuchungen (1893) diese Annahme wider- legt. Aus der Zone J bei Ith. impudicus wird nichts, sie bleibt im Zustande des Zwischengeflechts. Ith. impudicus hat kein In- *) De l'existence probable chez Phallus impudicus d'un involucrum ou in dusium rudimentaire 1890. Botanich Jaarboek uitgegewen doorhet kruidundig genootscliap Dodonea te Gent. Derde Jaargang 1891, 108 dusium, auch kein rudimentres, er hat nur die Zone ./, welche freihch in ihrer Form und Lage ganz genau derselben Zone bei Dictyophora entspricht ; und bei dieser Form geht ein Indusium daraus hervor. Dass brigens der Hut von Ith. impudicus nicht die Indusium- anlage der Dictyophora in sich einschliesse, lsstsich ohne die mhe- vollen Untersuchungen der Entwickelungsstadien durch blosse ver- gleichende Betrachtung reifer Fruchtkrper sehr wahrscheinlich machen. Da wo sich der Stiel des Ith. impudicus zur Spitze verjngt, wo seine Wandstrke pltzlich abnimmt, an einer Stelle, die meist noch vom Hute berdeckt ist, zeigt er eine deutliche, bald mehr bald weniger krftig ausgebildete, ringfrmige, vorspringende Kante, die ganz genau an derselben Stelle und in derselben Form bei Dictyophora stets zu sehen ist. Bei dieser setzt eben hier das Netz des Indusiums an. Hier msste es auch bei Ith. impudicus ansetzen, wenn es zur Ausbildung kme, es kommt aber nicht ein- mal zur Anlage, sondern die Zone ./ vergeht spurlos. Hatte nun also van Bambeke mit seiner Annahme fr Ith. impudicus unrecht, so trifft sie dagegen vollstndig zu fr den Ithy- phallus, mit dem wir uns hier beschftigen. Bei ihm ist wirklich der Hut gleichwerthig zu setzen mit Hut und Indusium von Dictyo- phora. Schon in sehr frhen Zustnden, nmlich sobald die Anlage der Gleba auf dem Lngsschnitt als dunkler Streifen sichtbar wird, hebt sich auch im Zwischengeflecht eine glockenfrmige Zone durch dunklere Frbung in Folge dichterer Hyphenverflech- tung deutlich ab, die Zone ./. Sie setzt sich der Stielanlage an etwas unterhalb einer urnenfrmigen Erweiterung derselben am oberen Ende, einer Erweiterung, welche fr diese Form bezeich- nend und auf den Figuren 22 und 23 wiedergegeben ist. Die ge- naue Verfolgung dieser Zone, der eigentlichen Hutanlage des Ithyphallus glutinolens von ihren frhen Anfngen bis zur Reife ergicbt als sichere Thatsache, dass hier der Hut voll- kommen selbststndig aus dem Grundgewebe, und zwar in erster 109 Linie aus der Zone ./ entsteht, ganz unabhngig von der Gleba, insbesondere von den Enden der Tramawlste. Diese letzteren bleiben noch whrend der Hutbildung und zum grossen Theile bis zur vlligen Eeife mit der Hymenialschicht berzogen. Die Zone J zeigt in ihrem fdigeu Aufbau noch keine Ver- nderungen, wenn bereits die Stielkammern im mittleren Theile des Receptaculums deutlich sichtbar angelegt sind. Erst wenn die Wnde jener Kammern anfangen sich zu falten, die Anlage der obersten Stielkammern deutlicher wird, und wenn gleichzeitig damit das Pseudoparenchym in den obersten, nicht mehr kammer- artig ausgebildeten Theilen des Receptaculums (Fig. 20, Taf. VII) sich herausbildet, entstehen auch in der Zone J, und zwar in einer mittleren Schicht derselben Hyphenverknuelungen, aus denen Pallisadenschichten und Pseudoparenchymbildungen hervorgehen. Die entstehenden Pseudoparenchymbildungen treten mit einander und in dem obersten Theile mit denen des Stieles in Verbindung (Fig. 20), Die Hyphen, welche sie zunchst umgeben werden alsbald gallertig, ganz in derselben Weise, wie die in den Innen- rumen der Stielkammern und -Falten verbleibenden Hyphen gallertig werden, sie lsen sich aber nicht auf, und werden auch nicht zerrissen, wie jene, sondern sie bilden eine innere gallertige Schicht des Hutes, welche die Pseudoparenchympartie einhllt. Es kann nun einem Zweifel nicht wohl unterliegen, dass die Pseudo- parenchymtheile des Hutes als wesensgleich anzusehen sind mit den Pseudoparenchymbildungen des Stieles, also mit den Kammer- wnden desselben, im oberen Theile mit dem Stiel selbst, mit wel- chen sie in der Art ihrer Bildung und Entstehung unterschiedlos bereinstimmen, und mit dem sie in einem festen natrlichen Zu- sammenhange sich befinden. Die Pseudoparenchymschicht im Innern des Hutes zeigt nicht immer ganz gleiche Beschaffenheit. Oft ist sie wie in Fig. 20 nur eine einfache glatte Schicht, nicht selten aber sehen wir wie in Fig. 21, Unterbrechungen, auch Faltungen in ihr auf- 110 treten, welche gleichsam die Anfnge einer Kammerbildung an- zudeutenscheinen. Es giebtnun einen Ithyphallus Eavenelii ( et C) Ed. Fischer, bei dem gut ausgebildete Kammern gleich den Kammern des Stieles auch im Hute vorkommen, und es erscheint im Zu- sammenhange mit den Untersuchungen jenes Phallus, die Fischer 1893 mitgetheilt hat, ohne Zweifel, dass auch bei ihm die Kammern in derselben Weise angelegt werden, wie bei unserem Ith. gluti- nolens, den wir als einen Vorlufer jener Form dann zu be- trachten haben wrden. Die Pseudoparenchymbildungen im Hute dieser beiden Ithy- phallusformen sind wesensgleich den Kammerwnden des Stieles, sie sind Fortsetzungen oder Anhngsel des Receptaculums. Nichts anderes ist auch das Indusium der Dictyophora. Mit diesem letzteren sind sie in Parallele zu setzen nur insofern, als sie aus der Zone ./ ihren Ursprung nehmen , einer Zone, welche bei den beiden Ithyphallusarten und bei Dictyophora in jungen Zustnden vollkommen bereinstimmend in Bau nnd Lage angetroffen wird, welche aber bei jenen sich zu einer den Hut verstrkenden Schicht, bei dieser zu dem Schaustck, dem Indusium, entwickelte. Betrachten wir nun noch einmal den fertigen Hut des Ith. glutinolens (Fig. 20, 21), so finden wir in seiner Mitte die Pseudo- parenchymschicht, nach aussen und innen von Gallertgewebe ein- geschlossen. An das Gallertgewebe legt sich wiederum nach aussen und innen eine glatte Schicht einfach fdigen Geflechts an. Diese Schichten fdigen Geflechtes stellen die ussersten Schichten der Zone ./ dar, die nicht an der Pseudoparenchymbildung betheiligt waren. Nach aussen kommen noch Theile jenes Geflechts hinzu, welches zwischen der Zone J und der Gleba sich befand , und beim Heranwachsen der letzteren mehr und mehr zusammenge- drckt wurde. Es fliesst mit den ussersten Schichten der Zone J ohne scharfe Grenze zusammen. Die Tramawlste stossen mit ihren, wie schon erwhnt, meist basidienbekleideten Enden auf die Hutflche. Es kommen indessen auch Flle vor. wo sie an 111 der Spitze die Basidienschiclit durchbrechen, und mit der usseren fdigen Schicht des Hutes in Verbindung treten. Wird die Gleba abgesplt, so erscheint die Hutflche voll- kommen glatt. Bringt man den Hut dann in Alkohol, so ziehen sich die Gallertschicht, und die fdige Schicht mehr zusammen als die Pseudoparenchymschicht. Dieser letzteren lagern sich die brigen Theile des Hutes fest auf, und da sie selbst nie vollkommen eben, mitunter (Fig. 21) sogar stark hckerig ist, so erscheint nun die ganze Hutoberflche runzelig, worauf oben schon hingewiesen wurde. 10. Dictyophora phalioidea Desvaux. Wenn wir durch Ed. Fischer (1890) erfahren, dass nicht weniger als 36 Synonyma fr Dictyophora phalioidea Desvaux be- stehen, wenn wir an der Hand der Zusammenstellungen desselben Autors die ausserordentlich grosse Anzahl von Abbildungen des Pilzes kennen lernen, welche bereits vom Jahre 1750 an ver- ffentlicht worden sind, so kommt es uns deutlich zum Bewusst- sein, dass keine andere Phalloidee, ja vielleicht kein anderer Pilz berhaupt die Aufmerksamkeit der botanischen Tropenreisenden in so hohem Maasse erregt hat, wie dieser. Dass eine so von allen brigen Pilzformen abweichende Gestalt (Tafel I), ein Pilz, der ausser durch die Gestalt noch durch unertrglichen Gestank sich jedem bemerklich macht der ihm nahe kommt, nicht unbe- merkt bleiben konnte, ist um so natrlicher, als er in allen Erd- theilen, mit Ausnahme Europas, vorzugsweise zwar in den Tropen, aber stellenweise auch ber die Grenzen der Tropen hinaus vor- kommt, und nicht einmal sehr selten zu sein scheint. Die Entwickelungsgeschichte des Fruchtkrpers ist bekannt. (Ed. Fischer 1887 und 1890). Aber ber das Vorkommen der Dictyophora, ber das Auftreten in verschiedenen Jahreszeiten, 112 ber flie Einzelheiten des Streckungsvorganges, sind nur erst wenige und ungengende Beobaclitungen mitgetheilt worden. Unter all den zahlreiclien in der Literatur vorhandenen Abbil- dungen ist keine, die als eine getreue Darstellung des frisch entwickelten Pilzes bezeichnet werden knnte, keine, die geeignet wre, dem Beschauer eine deutliche und richtige Vorstellung von der Eigenart und Schnheit des Gebildes zu vermitteln. Es hat das seinen Grund darin, dass trotz der Hufigkeit des Vor- kommens, trotz des ausserordentlich weiten Verbreitungsgebietes^ dennoch die genauere Beobachtung des Pilzes auf eigenartige Schwierigkeiten stsst. Fast ausnahmslos nmlich werden die Fruchtkrper erst bemerkt, wenn sie sich durch ihren Geruch ankndigen, also in einem Zustande, wo die Gleba schon flssig ist. Dieser Zustand ist nur des Abends zu beobachten. Es ist dann schwierig, den sehr zerbrechlichen zarten Pilz von seinem natr- lichen Standort unverletzt wegzunehmen und zur Beobachtung zu bringen, noch schwieriger ihn zu conserviren, ganz abgesehen da- von, dass nur der Naturforscher, dem besonders an der Kennt- niss dieses Pilzes gelegen ist, sich zu nherer Beschftigung mit dem ekelhaft riechenden Fruchtkrper herbeilsst. Die Eier ent- stehen fast immer unterirdisch, und sie sind nur zu finden wenn man Standorte des Pilzes kennt und in regelmssigen Zwischen- rumen absucht. Erst mit ziemlich grossem Aufwnde von Zeit und Mhe gelingt es, reife Eier zu gewinnen, an denen man den Streckungsvorgang beobachten kann. Sobald ich im December 1800 zum ersten Male entwickelte und stets beschdigte Exemplare von Dictyophora gesehen hatte, setzte ich unter den Kindern in meiner Nachbarschaft eine Be- lohnung aus fr den, der mir ein Ei der Dame" finden wrde, das kurz vor dem Aufbrechen wre, und am 10. Januar wurde ich denn auch endlich in einen nicht weit entfernten Garten ge- rufen, wo unter einer Hecke in dichtem Schatten schon mehrmals Fruchtkrper beobachtet waren, und wo nun zwei Eier entdeckt 113 waren, die durch ihre spitze Gestalt anzeigten, dass sie bald aufbrechen wrden. Ich hob sie mit einem grossen Ballen Erde sorgfltig heraus und brachte den ganzen Ballen auf einem Brett ins Zimmer. Am nchsten Nachmittag um 2 Uhr bemerkte ich, dass die Volva des einen Eies an der Spitze aufriss und der Hut- mittelpunkt sichtbar wurde. Das reife Ei hat 2 2^2 ^^ Durchmesser und ist rund; beim ersten Beginn der Streckung zeigt es unter dem Drucke des vordrngenden Hutes eine gelinde Zuspitzung. Es hat nun etwa 3 cm Lnge, 2 cm Breite und echte Eigestalt; die Volva ist stark gespannt. In unserem Falle begann, nachdem sie an der Spitze unregelmssige Bisse bekommen hatte , das Hervorschieben des Hutes nur langsam ; es galt , den Wider- stand der immer noch nach oben verengerten Volva zu ber- winden. Allmhlich immer schneller dringt nun der Kopf durch den Spalt vor, die grnliche Gleba wird sichtbar. Sie ist vollkommen glatt, doch nicht feucht, und von Geruch ist nichts wahrzunehmen; die mattdunkelgrne Schicht erscheint schon jetzt gefeldert durch die Rnder der wabenartigen Vorsprnge des Hutes. Bis 3 Uhr 10 Min. Nachmittags war die Gesammt- lnge des Beobachtungsobjekts, gemessen vom Fusse des Eies bis zur Spitze, auf 46 mm angewachsen, immerhin also eine Ver- lngerung von 16 mm in 1 Stunde und 10 Min. eingetreten. Nun aber, nachdem der Widerstand der Volva berwunden war, ging die Streckung in wahrhaft staunenerregender Schnelligkeit vor sich. Von 3 Uhr 10 Min. bis 3 Uhr 15 Min. verlngerte sich das Beceptaculum um 5 mm, in der Minute um 1 mm, sodass man mit dem blossen Auge die Bewegung der (scheinbar) wach- senden Spitze unmittelbar bemerken konnte. Mit der gleichen Schnelligkeit von 1 mm auf die Minute ging nun die Streckung weiter bis 3 Uhr 20 Min. Um diese Zeit lste sich der untere Hutrand vom Rande der Volva, und der Stiel wurde zwischen beiden sichtbar. Der Hutrand ist von der Spitze des Hutes Schimpei''s Mittheiluugeu Heft 7. 8 114 29 mm entfernt. In den Maassen des Hutes trat weiterhin keine Vernderung mehr ein. Unter dem Hute bemerkt man jetzt auch, wenn man von unten her hineinzusehen versucht, das vollkommen zusammen- gefaltete Netz (Indusium), welches indessen ber den unteren Hutrand noch gar nicht hervorragt. In der Wachsthums- (Streck- ungs-) Schnelligkeit trat eine geringe Verlangsamung ein. Die Ge- sammthhe betrug : 3 Uhr 20 Min. 55 mm, 3 32 60 r^^ mm Zunahme in der Minute, " )? ^^ n "^ )5 Y 55 55 55 55 55 "J 55 ^^ 55 '^ 55 1 TT 55 55 55 55 55 Am Stiele, dicht unter dem Hutrande, wurde ein zartes, weisses Hutchen sichtbar, das zwischen Indusium und Stiel vor- handene Grundgewebe (Zwischengeflecht). Dasselbe reichte etwa 10 mm weit unter den unteren Hutrand. Bis hierher gleicht die Dictyophora vollkommen einem auf- schiessenden Ithyphallus, da von dem Netze nichts zu sehen ist. Nun aber beginnt dieses sich bemerklich zu machen, es fngt an einigen Stellen an, unter dem Hute hervorzutreten. Von 3 Uhr 60 Min. bis 4 Uhr ging die Streckung wieder im schnellen Zeit- maasse von 1 mm in der Minute vorwrts bis zur Gesammthhe von 83 mm. Das Netz war jetzt ringsum etwa 1 mm unter dem Hutrande vorstehend zu bemerken, und es entsprach dieser Zeit- punkt etwa der von Fischer gegebenen Figur (1887, Tafel IV, Fig. 21). Hatten wir um 4 Uhr eine Gesammthhe von 83 mm, so ergab sich: um 4 Uhr 7 Min. eine Gesammthhe von 87 mm, 55 4 15 99 mm. Es war eine Zunahme der Lnge von 1 '/.^ mm in der Minute eingetreten. Bei diesem Zeitmaasse ist es aufs deutlichste, ohne Anstrengung, mglich, den Pilz wachsen (sich strecken) zu sehen. Was aber die Erscheinung noch wunderbarer macht, ist der noch nie erwhnte Umstand, dass man ihn auch wachsen hren kann. 115 Von dem Augenblicke an nmlich, wo die schnelle Streckimg be- ginnt, vernimmt man bei vollkommener Ruhe im Beobachtungsraume ein ganz deutliches, feines Knittern, etwa so, wie wenn Seifenschaum zusammensinkt. Dies Gerusch wird jedenfalls durch die Streckung der Kammerwnde des Stiels, vielleicht auch durch die Zer- reissung der letzten Hyphenreste im Innern der Kammerhohl- rume hervorgebracht. Ganz pltzlich, um 4 Uhr 20 Minuten, wo eine Gesammthhe von 104 mm erreicht war, begann der Geruch des Pilzes bemerk- lich zu werden. Bis dahin sah die Gleba trocken aus und es war keine Spur von Geruch wahrnehmbar. Mit einem Augenblick aber nimmt sie ein feucht-schleimiges Aussehen an, und der Ge- ruch ist da. Die bei Ludwig (Seite 503 des Lehrbuchs der niederen Kryp- togamen, 1892) aufgenommene Bemerkung, dass bei Dictyophora der Gestank von dem Netz ausgehe, beruht wohl auf irrthm- lichen Mittheilungen. Das Netz fr sich verbreitet gar keinen Geruch, dieser geht vielmehr hier, wie bei allen andern Phalloideen, von der zerfliessenden Gleba aus. Er ist beraus widerwrtig. Als ich spter einmal im Jahre 1892 drei aufbrechende Dictyo- phora-Fruchtkrper gleichzeitig im Zimmer beobachtete, fhlte ich mich pltzlich einer Ohnmacht nahe, und musste schleunigst ins Freie eilen. Der Gestank hat die grsste Aehnlichkeit mit dem des bekannten Ithyphallus impudicus, nur ist er noch durch- dringender. Man findet nun sehr oft die Angabe, der Ith. impu- dicus rieche nach Aas. Dieser Vergleich ist wohl nur ein Noth- behelf. Die Aehnlichkeit beider Gerche miteinander ist sicher nicht gross, und ich glaube bestimmt, dass kein aufmerksamer Beobachter, der in seinem Garten an einem Sommerabend spazieren gehend durch blen Geruch pltzlich belstigt wird, im Zweifel darber sein wird, ob ein Aas oder ein Ith. impudicus in der Nhe sich befindet. Herr F. Hennings schrieb sehr zutrefi:"end in den Abhand- lungen des botanischen Vereins der Provinz Brandenburg XXX 116 Seite 306 : Dieser" (nmlich Tth.impudicus) besitzt durchaus keinen Leichen- oder Aasgeruch, wie in vielen Bchern steht, sondern vielmehr den des Senfles oder des Rettigs in widerlich verstrktem Maasse." Dass dieser Vergleich zutreffend ist, kann ich auch fr Dictyophora durchaus besttigen. Noch nher kommt dem frag- lichen Gerche der des Lffelkrautles. Wenn man den Spiritus cochleariae der Apotheken auf Fliesspapier trufelt und eintrocknen lsst, so wird man unwillkrlich an den Ith. impudicus erinnert. Diese Bemerkung hat Herr R. Volk in Batzeburg gemacht, und ich fand sie sehr zutreffend. Immerhin fehlt dem Gerche des Senfles sowohl, wie dem des Lffelkrautes das ekelhafte des Phallusgestankes. Man wrde also sagen knnen, dass der fragliche Geruch an Sulfocyanverbindungen in auffallender Weise erinnere. Kerner von Marilaun hat im zweiten Bande seines Pflanzenlebens" Seite 194 ff. eine vorlufige sehr dankenswerthe Eintheilung der pflanzlichen, vorzugsweise der Blthen-Dfte in fnf Klassen gegeben. In Bercksichtigung der chemischen Charakteristik jener fnf Klassen lsst sich der Phallusgeruch keiner derselben einordnen. Doch kehren wir zu der sich streckenden Dictyophora zurck. Die Beobachtung wird zwar von dem Auftreten des Ge- stankes an weniger angenehm, gewinnt aber alsbald erhhtes Interesse und geradezu spannenden Beiz durch das Erscheinen des Netzes. Die Gesammtstreckung verlief weiter nach folgendem Zeit- maass: 4 Uhr 20 Min. 104 mm 4 28 114 'Vi mm Zunahme in der Minute, '* n ^- r 11" 1 74 V )? H 4 37 124 1 ^55 ^' r ^'^^ H J- 11 11 11 11 11 ^ 11 42 1J9 1 4 .^4 1 ^4^ ' ^ 11 ^* 11 ^'J^ 11 112 11 11 11 11 11 Bis hierher waren von dem Netze nur erst wenige Maschen 117 sichtbar geworden, welche hchstens 10 mm, an einigen Stellen nur 2 mm unter dem Rande des Hutes hervorragten. Von 4 Uhr 37 Min. ab aber begann das Netz sich ganz schnell und stossweise hervorzustrecken. Die meisten Maschen, welche sichtbar wurden, waren bereits entfaltet, es kamen jedoch bisweilen geschlossene zusammengefaltete Partieen vor, welche in dem Netz gleichsam Verknotungen darstellten^ und die sich erst nach und nach auflsten. Um 4 Uhr 54 Min. ragte das Netz bereits um 22 25 mm hervor, um 5 Uhr dagegen um 3540 mm, und um 5 Uhr 8 Min. schon um 85 mm, es war also in 6 Minuten um 15 mm, dann aber in 8 Minuten um 40 50 mm vorgerckt und zwar ruckweise. Jedesmal nmlich, wenn oben unter dem Hut eine oder gewhnlich mehrere Maschen auf einmal sich entfalten, so giebt es einen E,uck, der das ganze Netz erzittern macht. In den 8 Minuten nach 5 Uhr stand das Netz keinen Augenblick ganz still. Ich hatte den Frucht- krper in den verschiedenen Zustnden um 4 Uhr 10 Min. und 4 Uhr 50 Min. photographirt und wollte jetzt, da das Netz vor- stiess, noch eine Aufnahme machen. Es war aber gegen 5 Uhr schon das Tageslicht so schwach wirkend, dass ich eine Expositions- zeit von einer Minute gebrauchte. Die Photographie zeigte das Netz zwar nicht sehr scharf, aber doch gengend deutlich in zw^ei-, an manchen Stellen dreimaliger Abbildung unter einander. So oft war es whrend der Exposition vorgerckt. Die Balken der Netzmaschen sind zunchst steif. In dem Maasse, wie die Maschen sich entfalten, vergrssert sich der Um- fang des Netzes, welches kegelfrmig steif von dem Stiele absteht. Als seine schnellere Entfaltung einsetzte, also um 4 Uhr 50 etwa, war die Streckung des Receptaculums noch nicht zu Ende. Diese setzte sich weiter bis zum Endpunkte in der durch die folgen- den Zahlen genau bestimmten Weise fort. Es betrug die Ge- sammthhe um 118 4 Uhr 54 Min. 134 mm 5 ,, 140 ,. 1 mm Zunahme in der Minute 5 , 8 144 % 5 12 152 2 5 20 168 2 2 ;j j? 5> >? 5? ,, J.W.J ^ ,, ,, j, ., ,j 5 37 174 1/ Nach den oben verzeichneten Angaben betrgt also die grsste Schnelligkeit, welche der aufstrebende Stiel erreicht, 2 mm in der Minute, die grsste Schnelligkeit des herabfallenden Netzes aber sogar ber 5 mm. Auf einer gewhnlichen Taschen- uhr ist der Weg, welchen die Spitze des grossen Zeigers in der Minute zurcklegt etwa 2 mm. Mit dieser Schnelligkeit schiesst der Hut der Dictyophora in die Hhe. Man wird sich vorstellen knnen, dass es zu den wunderbar- sten und eindrucksvollsten Beobachtungen an Pilzen gehrt, der Entfaltung einer Dictyophora zuzuschauen. Es mag die Streckung des Receptaculums bei unserer Gichtmorchel bisweilen annhernd eben so schnell vor sich gehen, wunderbarerweise scheinen genaue Angaben hierber in der Literatur zu fehlen immerhin fehlt ihr das Indusium, welches die Dictyophora zur ersten Pilzblume" macht. Der Glanzpunkt des Entfaltungsschauspiels liegt unstreitig in dem Zeitpunkte, wo das schneeweisse Netz, theilweise noch ver- klebt, und erst halb entwickelt, mit stossweisem Ruck sich herab- senkt, und dabei das ganze Pilzgebilde sekundenlang in gleichsam selbstthtiger Bewegung erzittert. Natrlich suchte ich mir den geschilderten, fesselnden An- blick so oft als mglich zu verschaffen. Es gelang im Jahre 1890 zweimal, 1892 sechsmal und 1893 zweimal, den Streckungsvorgang genau zu verfolgen. Hierbei stellten sich natrlich von dem oben genau geschilderten Verlaufe im einzelnen unbedeutende indi- viduelle Abweichungen ein. Die allerbedeutendste jemals beobachtete Schnelligkeit der jj 119 Entfaltung trat bei einer am 14. Februar 1892 beobachteten Dictyophora auf. Hier verzeichnete ich die Gesammthhe um 5 Uhr 25 Min. mit 70 mm !! J? '^^ 5i '" ?; H V ^" 55 57 "'-' )5 "^ "^ In der einen Minute von 5 Uhr 25 bis 5 Uhr 26 war das Recepta- culumummm verlngert. Fr gewhnlich wurde die Geschwindig- keit von 2 mm fr die Minute nirgends berschritten. In sehr verschiedener Weise erfolgte das Herablassen des Netzes. Einige Male erreichte der Fruchtkrper betrchtliche Hhe in der Ithyphallusgestalt (am 14. Februar 9^2 cm), ohne dass von dem Netz eine Spur unter dem Hutrande hervorragte; in anderen Fllen wiederum sah man, sobald der Hutrand sich von der Volva lste, auch schon das Netz ringsherum in schmalem Saum hervorstehen. Meist trat es in der Weise auf, dass jede Netzmasche, die hervor- quoll, auch gleich geffnet war, in einem Fall aber erschien das Indusium wie ein eng anliegender geschlossener strumpfartiger Cylinder aus dem Hut hervorgeschoben, und erst nachtrglich ffneten sich die Maschen; dann auch kam es vor, dass die oberen Maschen sich eher ffneten, als die unteren und in diesem Falle also sich blasenartig nach aussen aufwlbten, whrend der untere Netzrand noch enge zusammengehalten war. Es ist bekannt, dass die Dictyophora sich nur in den Nach- mittagsstunden entfaltet. In den 10 beobachteten Fllen: erfolgte das Platzen derVolva dauerte der gesammte war die erreichte Gesammt- hhe der Fruchtkrper am um tre( jkung svorgani 16,/1. 91 2 Uhr -M. 3Sti anden 30 Min. 17./1. 91 2 15 3 )> 11./3. 92 3 30 3 )) 26./4. 92 3 40 4 !> 10 11. 3. 92 3 45 2 > 20./2. 93 4 )) 2 >> 45 10./3. 92 4 30 2 !) - 14./2. 92 5 !> 2 )) 4.(2. 93 5 U ? 24./4. 92 11 "" )) 2 30 174 mm 115 )> 190 >> 180 ! 160 ) 120 >> 155 )) 150 l> ? 170 1) 120 In dem neunten Falle ist das Ende der Streckung nicht abge- wartet, sondern der halb entwickelte Fruchtkrper in Alkohol be- wahrt worden. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Dictyophora- Fruchtkrper mit hereinbrechender Dunkelheit fertig entwickelt dastehen und in der That den Eindruck von Nachtblumen machen. In dieser Auffassung wrden wir dann in dem Indusium nichts als ein biologisch der Blumenkrone entsprechendes Gebilde zu sehen haben, welches lediglich dazu dient, den Pilz mglichst weithin sichtbar zu machen. Man darf nicht sagen, dass eine derartige Sichtbarmachung unnthig sei, da der Pilz durch seinen starken Geruch ohnehin sich bemerklich mache. Wer jemals am Abend durch eine stark riechende Phalloidee aufmerksam ge- macht, nach dem Erreger des Geruches zu suchen anfing, wird be- merken, wie schwierig das ist, wie wenig sicher unsere Nase uns zu der Quelle des Geruches hinzuleiten vermag. Bald meinen wir den Geruch von rechts, dann von links kommend zu ver- spren, bald wieder schwcher und dann wieder pltzlich so stark, dass man glaubt, unmittelbar bei dem Erreger angelangt zu sein. Oftmals habe ich bei Abendspaziergngen an der Blume- nauer Hauptstrasse Dictyophora gerochen , und oftmals nach dem Pilze gesucht; und wenn ich ihn fand, so verdankte ich das hauptschlich dem verhltnissmssig weithin auch in der Dunkel- heit sichtbaren Indusium. Sehr oft freilich suchte ich berhaupt vergeblich, obwohl der Geruch so krftig war, dass man an der Nhe einer Dictyophora nicht zweifeln konnte. Whrend also durch den Geruch sich der Pilz auf weitere Entfernung hin bemerklich macht, wird durch das prunkende Indusium die Auffindung er- mglicht. Die Dauer des schnen Fruchtkrpers ist nur sehr kurz. Schon whrend der Nacht verliert das Indusium an Straff- heit. In den ersten Stunden nach Sonnenaufgang wird es welk, und whrend es am Abend steif kegelfrmig oder reifrock- 121 artig, ringsum abstand, so wie unser Bild (Taf. I) es darstellt, hngt es nun, beschmutzt durch die abtropfende Gleba, in hss- lichen Falten schlaff am Stiele herab. Bald neigt sich auch der Kopf zur Seite, denn der ber dem Indusiumansatz befindliche Theil des Receptaculums, der nur aus einfacher Wand besteht, wird zuerst welk und schlaff. Sobald dann die Sonnenstrahlen das welkende Gebilde treffen, sinkt auch der Stiel zusammen, und nur schmierige, bald vergehende Bruchstcke sind von der herrlichen Pilzgestalt noch brig. Gute photographische Abbildungen dieses Pilzes zu gewinnen, war fr mich durch das eben geschilderte Verhalten sehr erschwert. Sobald nmlich am Abend der Schleier, voll entwickelt, die schnste Entfaltung zeigte, war das Tages- licht entschwunden und es fehlten mir Einrichtungen zu knst- licher Beleuchtung. Ich musste mir in der Weise helfen, dass ich den Pilz abends, am besten noch ehe er die Streckung ganz vollendete, mit einer schtzenden Glocke berdeckte. So hielt er sich unversehrt bis zum Tagesanbruch. Die ersten erreichbaren Strahlen der aufgehenden Sonne wurden dann zur Abbildung be- nutzt. In dieser Weise sind die beiden hier wiedergegebenen (Taf. I u. Taf. IV, Fig. 4) und mehrere andere Dictyophorabilder gewonnen, meines Wissens die ersten Lichtbilder entwickelter Fruchtkrper, welche berhaupt gemacht worden sind. Kalchbrenner hatte in seinen Gasteromycetes novi vel minus cogniti 1884 auf Tafel I allerdings eine in Nord-Amerika gefertigte Photographie wiedergegeben, doch scheint es mir zweifellos, dass diese einen noch nicht vllig entwickelten, oder in der Entwickelung gestrten Fruchtkrper darstellt. In das Gewirre der Namen, der schlecht oder ungengend beschriebenen Arten, welche zum allergrssten Theil wohl auf nur je ein oder wenige Exemplare begrndet worden waren, hat Ed. Fischer in lange fortgesetzter Arbeit allmhlich Klarheit ge- bracht. Er hat sich die Mhe nicht verdriessen lassen, das wich- tigste Material der europischen Museen selbst zu durchmustern, 122 ~ die umfangreiche Literatur zu durchforschen, und er erreichte mit jeder weiteren seiner Verffentlichungen ber Phalloideen immer grssere Einfachheit der Darstellung. Nach seinen Ergeb- nissen ist es gerechtfertigt, die smmtlichen bisher beschriebenen Dictyophora-Formen unter dem Namen Dictyophora phalloidea Desvaux zusammenzufassen und nur die Dictyophora multicolor Berk. et Broome als zweite selbststndige Art anzusehen. Dict. phalloidea ist nun freilich eine in den Einzelheiten ihres Aufbaues ausserordentlich vernderliche Art, und, wie Fischer richtig be- merkt, zeigen die Exemplare jedes einzelnen Standortes irgend welche besonderen Eigenthmlichkeiten. Da aber alle die be- schriebenen Formen durch Uebergnge mit einander in Verbindung stehen, und da sich zeigen lsst, dass alle zur Unterscheidung be- nutzten Merkmale Vernderungen von Einzelwesen zu Einzelwesen unterliegen, so muss man sich mit der Fischerschen Auffassung vollkommen einverstanden erklren, Fischer hebt nun innerhalb der einen Species eine Anzahl Typen als Varietten heraus und bezeichnet diese mit besonderen Namen. Die Variettenbildung kann meines Erachtens keine andere Bedeutung haben, als die einer bersichtlichen Anordnung der in den Sammlungen zufllig enthaltenen Stcke. Jeder neue Fund wird sie verndern und erweitern, und thatschlich hat Fischer auch schon in seinen Untersuchungen von 1893 gegen diejenigen von 1890 eine Vermehrung der Typen" eintreten lassen, indem er von der Form campanulata" zwei neue Varietten abzweigte. Wrde man auf diesem Wege weiter gehen, so msste beinahe fr jeden neuen Einzelfund nun ein neuer Varietten-Name gemacht werden, mit ebenso grossem und eben- so geringem Rechte, wie man frher einen neuen Artnamen einsetzte. In der Sache wre kaum etwas gendert. Ich mchte es fr ausreichend halten, wenn man neue Fundorte bekannt giebt und auf die vorkommenden Formabweichungen aufmerksam 123 macht, um das Maass der Formscliwankungen innerhalb dieser merkwrdigen Art allmhlich festzustellen. Ich habe whrend meines Aufenthaltes in Blumenau einige 40 Schleierdamen" in frischem Zustande gesehen, 20 davon, meist gut erhalten, und eine grosse Anzahl von Eiern aller Grssen wurden in Alkohol aufbewahrt. Soweit auf Grund dieser Funde meine Erfahrungen reichen, pflegen nur die aus einem und dem- selben Mycel stammenden Fruchtkrper sich in all den Theilen vollstndig gleich zu sein, auf die bei Unterscheidung der Arten oder Varietten Werth gelegt worden ist. Den bei Blumenau hufigsten Typus giebt die Tafel I in natrlicher Grsse wieder. Die zweite Abbildung (Fig. 4, Taf. IV) stellt ein anderes sehr krftiges, 17 cm hohes Stck dar (Nr. 10 des Verzeichnisses auf Seite 119), welches von dem ersten nicht unerheblich abweicht. Der Stiel ist bei der hufigsten Form schlank, und nimmt nach oben an Dicke ab. Die Stielwandung besteht unten aus drei, dann aus zwei, endlich aus einer Lage von Kammern, ber dem Anstze des Indusiums ist nur eine einfache Wand vorhan- den. Hierin verhielt sich die krftige Form der Tafel IV nicht wesentlich anders, obwohl man sieht, dass der Stiel weit weniger schlank aufsteigt, als im ersten Falle. Die Ansatzstelle des Indusiums kann hher und tiefer liegen, meist ist sie unter dem Hute verborgen. Die Weite der Netz- maschen schwankt von Fall zu Fall. Das Netz endet unten mit ganzem Rande oder mit Zacken, bisweilen kommt beides an ein und demselben Stcke vor (vgl. Taf. IV, Fig. 4). Darauf, ob die Balken des Netzes rund oder mehr band- frmig zusammengedrckt sind, ist fr die Unterscheidung von Formen nichts zugeben; man findet alle Uebergnge. In dem letzt- erwhnten Falle der Taf. IV sind sie besonders flach zusammen- gedrckt. Stets sind es Rhren. Ebensowenig Bedeutung hat die Lnge des Netzes. Ich habe einen Fruchtkrper beobachtet, bei dem es nur halb so lang war, wie der Stiel. Die auf 124 Tafel I dargestellte Lnge bleibt liinter dem von mir be- obachteten Durchschnitt etwas zurck, whrend die Fig. 4 ein be- sonders langes Netz zeigt, welches sich sogar auf dem Boden staucht. Auch ist es so stark entwickelt, dass es Lngsfalten schlagen musste, whrend in der Mehrzahl der Flle das Netz glatt ringsum abstand. Fr die Hutform geben unsere beiden Figuren zwei durch Uebergnge lckenlos verbundene Extreme. Auf Taf. I ist der untere Eand des Hutes nach aussen aufgekrmpt, auf Taf. IV dagegen zusammengezogen. Ausserdem ist im ersten Falle eine kragenartige Ausbiegung an der Mndung vorhanden, whrend eine solche nahezu fehlt bei der zweiten Form. Die smmtlichen wnschenswerthen Zwischenstcke zwischen diesen beiden Hut- formen sind in meiner Sammlung von Alkoholmaterial vertreten. Die Figuren 25 u. 26, Taf. VIII deuten an, wie im Eizustande kurz vor dem Aufbrechen der Fruchtkrper die Pseudoparenchym- wand gelagert ist, wenn eine kragenartige Bildung am Hut ent- steht, und wenn dies nicht zutrifft. Ein Blick auf diese beiden Figuren berzeugt uns ohne weiteres davon, dass der Unterschied recht unwesentlich ist. Wenn die Wnde der ursprnglich angelegten Kammern in dem geschlossenen Ei unter Druck vergrssert werden, und sich nun harmonikaartig zusammen- legen, so hngt es offenbar nur von Zuflligkeiten ab, ob sie wie in Fig. 26 sich nach innen , oder wie in Fig. 25 nach aussen schlagen. Es mag hierin mit der Zeit auch eine gewisse Be- stndigkeit erreicht werden. Denn nach den immerhin noch nicht gengend zahlreichen Beobachtungen scheint es, dass die an ein und demselben Mycel entstehenden Fruchtkrper auch in der Form der Stielmndung sich stets gleichen. Immerhin lsst sich eine Art- oder Variettenabgrenzung nicht auf Grund des Kragens an der Mndung durchfhren, da alle Uebergnge von dem deut- lich ausgeprgten Kragen bis zu der ganz glatten Mndung vor- 125 banden sind. Ebenso verblt es sieb mit der Tiefe der Netz- gruben auf dem Hute. Dass die Netzleisten sieb unter dem Scbeitel ganz verlieren, wie Fiscber fr seine Variett campanulata angiebt, ist bei keinem der Blumenauer Frucbtkrper vorge- kommen. Scbwankend ist aber die Hbe der Netzleisten von Fall zu Fall. Das in der Fig. 4, Taf. IV dargestellte Stck wurde aus inem Ei im Zimmer gezogen. Das betreffende Ei war nebst nocb einem zweiten, und einem zerfallenen Frucbtkrper an einer feucbtscbattigen Stelle im AValde gefunden worden am 21. April 1892. Die bis 4 mm dicken violetten ]Mycelstrnge breiteten sieb in reicber Verzweigung unter dem Laub am Boden aus, und konnten bis zu 1 m Lnge verfolgt werden. Mein treuer Ge- fbrte beim Sammeln, Herr E. Grtner war sofort gleicb mir selbst angesicbts dieses Fundes der Meinung, wir btten es mit einer besonderen Art von Dictyopbora zu tbun. Zuncbst batten wir bnlicbe Dimensionen bei zablreicben Frucbtkrpern, die meist in den Grten von Bluraenau gefunden waren, nie ge- seben. Der umgefallene Stiel batte nmlicb nicbt weniger als 34 mm Durcbmesser. Die Eier zeigten eine bellrthlicbe sonst ebenfalls nicbt beobacbtete Farbe, krftige Gestalt und 55 mm Durcbmesser, wbrend sonst nicht ber 30 mm gemessen worden waren. Die Gallertscbicbt der Volva war ausserordentlicb stark entwickelt. Die Mycelien batten viel tiefere Frbung als sonst, und nabmen, freigelegt, an der Luft einen nocb dunk- leren, fast blauscbwarzen Farbenton an. Der Alkobol, in den man die Mycelien legt , frbt sieb alsbald tiefviolett. Die beiden Eier entwickelten sieb im Zimmer sehr schn (s. Nr. 4 und 10 des Verzeichnisses auf Seite 119). Der Geruch war schwcher als sonst beobachtet, aber im brigen derselbe. Der Hut war strker am Rande zusammengezogen als sonst je- mals, das Netz lnger und faltenreicher. Htte ich nur diese deiben Stcke beobachtet, und ausserdem vielleicht das auf 126 Taf. I dargestellte, so wrde ich kaum gewagt haben, beide als ein und dieselbe Art anzusprechen. Nachdem aber im Laufe der Zeit die Zahl der Zwischenformen, welche den Uebergang fast lckenlos herstellen, immer zahlreicher geworden war, trat die Ueberlegung in den Vordergrund, dass alle die gefundenen Unter- schiede doch nur auf ein Mehr oder Weniger hinausliefen , und unbedenklich vereinigte ich diese wahrscheinlich durch besonders gnstigen Standort bevorzugte Form mit allen frheren unter Dict. phalloidea. Das Vorkommen der Fruchtkrper in Sdbrasilien fllt vorzugsweise in die heissen Monate December bis April. Im Jahre 1890 und Anfang 1891 wurden sie nur im December und Anfang Januar bemerkt, vereinzelt noch ein Exemplar im Mrz. In diesem Jahre war der December feucht (Regenhhe im Monat December 297 mm). Der nchste December 1891 war durch ganz ausserordentliche Trockenheit und verhltnissmssige Khle ausgezeichnet (Regenhhe 26 mm). Wahrscheinlich war es eine Folge dieser Trockenheit, dass kein einziger Fruchtkrper aufzutreiben war. Die hchsten Durchschnittstemperaturen fielen in diesem Sommer in den Januar. Die Schleierdamen kamen in zahlreichen Exemplaren im Februar und Mrz zur Entfaltung. Auch im darauffolgenden Jahre war der December nicht an- nhernd so feucht, wie 1890 (Regenhhe 128 mm) und wiederum verzgerte sich Dictyophora bis ins neue Jahr und kam besonders hufig im Februar vor, der diesmal der heisseste Monat wurde. Ganz ausnahmsweise und vereinzelt wurde am 1. Juni 1891, also in der kalten Jahreszeit im Walde ein entwickelter Dictyophora- Fruchtkrper gefunden. Er war normal entwickelt, blieb aber an Grsse weit hinter allen sonst gesehenen zurck. Einen weiteren merkwrdigen Fund habe ich vom 2. Mai 1892 zu verzeichnen. An diesem Tage fand ich im Garten des Hauses, das ich bewohnte, unter einem Hibiscus-Strauch eine monstrse Dictyophora. Die Volva enthielt gleichsam 127 zwei Fcher, aus denen zwei vllig getrennte eceptacula auf- stiegen. Beide vereinigten sich dicht unter dem Hute zu einer ein wenig flachgedrckten Ehre, welche auch nur einen, fast normalen Hut trug. Nur die Mndungsffnung war etwas lang- gezogen. *Es w^ar ein Indusium vorhanden, welches, als ich den Pilz bemerkte, schon etwas welk, jedenfalls aber auch in frischem Zustande nur auffallend kurz gewesen war. Von den Mycelstrngen der Dictyophora weiss man seit lange, dass sie durch die auffllige violette Frbung ausgezeichnet sind. Ich habe oben schon erwhnt, dass sie sich im Boden auf weite Strecken hin, oft ber 1 m weit, verfolgen lassen, und dass sie ausnahmsweise bis 4 mm, gewhnlich nur bis 3 mm Strke er- reichen. Sie finden sich in reiner humoser Erde, oft aber, wenn sie abgestorbenes Holz oder Wurzelreste antreffen, umspinnen sie diese mit weissem Mycelfllz und durchsetzen auch das morsche Holz. Die Strnge sind allerwrts reichlich mit Kalkoxalat in- krustirt. Sie sind gebildet aus meist dnnen, bis 4 ^ starken, in der Lngsrichtung, jedoch unregelmssig geschlngelt verlaufenden Hyphen, welche in dicke Gallerte eingebettet sind. Die sehr dnne Rinde wird von hnlichen, zum Theil etwas strkeren, aber nicht vergallerteten und enger verflochtenen Fden gebildet. Der einfache Bau der Strnge gleicht fast zum Verwechseln dem bei der gemeinen Gichtmorchel vorkommenden. Die frher erwhnten Schlauchzellen kommen in den Strngen der Dictyophora eben- falls vor. Es ist anzunehmen , dass sie auch bei Ith. impudicus nicht fehlen werden; denn Fischer sagt von dieser 1886 S. 3, dass er zwischen den Elementen des Markes auch weitlumige Hyphen und blasig aufgetriebene Hyphenenden gefunden habe. Dies sind offenbar unsere Schlauchzellen gewesen, die ihren In- halt bereits verloren hatten. Wahrscheinlich werden solche Schlauchzellen in den Strngen aller Phalloideen nachzuweisen sein, wenn man aufmerksam danach sucht. Bringt man Strnge der Dictyophora mit dem sie umgebenden Erdreich zur eob- 128 achtung unter eine Glocke, und hlt sie feucht, so sieht man von den Enden derselben alsbald weisse Mycelfadenbschel ausstrahlen. An diesen Mycelfden kann man deutliche Schnallenbildung regel- mssig beobachten. Auch die knstliche Kultur der Mycelien gelingt leicht. Es wiederholten sich hier die Beobachtungen in ganz hnlicher "Weise wie ich sie oben fr Ithyphallus glutinolens geschildert habe. Aus dicken Mycelstrngen mit der nthigen Vorsicht herausgeschnittene Stcke wachsen in Nhrlsung weiter und bilden reich verzweigte Mycelien. Ich bertrug solche in die bereits oben erwhnten Erlenmayerschen Klbchen mit 3 cm Grund- flchendurchmesser. Hier wurde vom 9. Januar 1891 bis nach Mitte Februar der ganze Boden des Flschchens von dem Mycel bedeckt. Die Farbe blieb in den Kulturen reinweiss. Von dem Ausgangspunkte der Kultur strahlten strangartig ver- einte und ihrerseits wieder verzweigte Mycelbndel nach allen ichtungen. Zwischen den Strngen entsteht ein lockeres, dn- neres Geflecht von Hyphen, welche an Strke hinter den Strang- bildenden etwas zurckbleiben. Schnallen, welche von der oberen jngeren Zelle her nach der lteren hin gebildet werden, genau so, wie es Brefeld fr Coprinus beschrieben und abgebildet hat (s. Untersuchungen Bd. III, Taf. I, Fig. 3 b), finden sich an allen Fden. Fadenbrcken kommen vor, scheinen indessen nicht hufig zu sein. Obwohl ich einen grossen, mit einer Glocke berdeckten Teller zur Beobachtung hatte, auf dem Dictyophora-Mycel in dem feuchtgehaltenen natrlichen Substrat ppig wucherte, und obwohl ich auch die knstlichen Kulturen regelmssig pflegte und Monate lang rein erhielt, konnte ich doch nie eine Spur irgend welcher Nebenfruchtformen entdecken. Ich unterlasse es, auf die Entwickelungsgeschichte der Frucht- krper einzugehen. Es sei fr diese auf die ausgezeichneten Untersuchungen Ed. Fischer's (1887, 1890 und 1893) verwiesen, denen ich nach sorgsamer Nachprfung nichts hinzuzufgen wsste. 129 11. Dictyophora callichroa nov. spec. Am 14. Mrz 1892 fand Herr E. Grtner auf der sogenannten scharfen Ecke" im Walde, unweit von Blumenau, zwei bereits umgefallene, schon etwas beschdigte Fruchtkrper^ und daneben ein kurz vor der Streckung befindliches Ei von einer Dictyophora, die meiner Meinung nach mit der vorigen Art nicht vereinigt werden kann. Vor allem scheint mir hierfr der Umstand zu sprechen, dass die Gleba dieser Form einen specifisch andersartigen Geruch verbreitet, als die von D, phalloidea. Der Geruch war schwach, widerlich ssslich. Es fehlen mir Anhaltungspunkte zur besseren Bestimmung, und ich kann lediglich versichern, dass Herr Grtner, Frau Brockes, und die Kinder im Hause gleich mir und unab- hngig von einander ohne weiteres der Ansicht waren, dieser Gestank habe keine Aehnlichkeit mit dem der gewhnlichen Schleierdame. Der Hut der beiden beobachteten Stcke war orange gefrbt (Saccardo Chromotaxia Nr. 21 hell). Er hatte einen sehr breit ausgebogenen Kragen an der Mndung, und dieser war von rosa Frbung (Sacc. zwischen Nr. 17 u. 29). Diese Frbung erinnert an die von Berkeley und Broome aus Queensland beschriebene Dictyophora multicolor, bei welcher aber auch Stiel und Indusium gelb sein sollen. Bei unserer D. callichroa sind die letzteren beiden Theile rein weiss. Bei keinem der sonst beobachteten (ber 40) Fruchtkrper von D. phalloidea wurde eine hnliche Frbung, wie hier, auch nur andeutungsweise je beobachtet. Stets war da der ganze Pilz, mit Ausnahme der Gleba und der Mycel- strnge, rein weiss. In der Frbung der Gleba unterscheidet sich die neue Form von der vorigen nicht. Bei der Aufbewahrung in Alkohol geht die Farbe des Hutes verloren, so dass die Sammlungsstcke keinen gengenden Grund zur Abtrennung der Art bieten wrden, w'elche lediglich durch Schimper's Mittheilungen Heft 7. 9 -- 130 abweichenden Geruch und Farbe des Hutes von D. phalloidea verschieden ist. Im besonderen war an den gefundenen Stcken der Stiel nach oben zu sehr stark verdnnt. Whrend er im unteren Theile 20 mm Durchmesser hatte, ging dies Maass bis auf 7 mm dicht unter dem Hute zurck. Die ganze Hhe betrug 15 cm. Der Hut war mit tiefgrubiger Netzoberflche versehen. Die Netz- leisten waren hher, als bei allen in Bluraenau beobachteten Stcken der D. phalloidea, jedoch nicht zackig am oberen Rande. Stellenweise kommt sogar eine Art Kammerbildung im Hute vor. In solchen Fllen ist eine Grube der Netzoberflche des Hutes gleichsam durch einen Deckel verschlossen. Der Deckel erweist sich als eine der Hutflche parallele Fortsetzung der Pseudo- parenchymwand. Er schliesst aber die Kammer niemals voll- stndig und es knnen daher die vordringenden Spitzen der Gleba in die Kammer eindringen, und diese mit Glebamasse anfllen. Ganz hnliclie Vorkommnisse sind auch fr Dictyophora phalloidea von Ed. Fischer gesehen und abgebildet, aber nicht nher be- sprochen worden (siehe die Bilder 19 u. 20, auf Taf. III. 1887). Der Durchmesser der kragenartigen Mndung des Recepta- culums betrug in den beobachteten zwei Fllen 11 mm. Das Ei hatte 4 cm Durchmesser. Die Mycelstrnge zeigten die gewhn- liche violette Farbe, welche nur ein wenig mehr als sonst ins Rthliche spielte. Das Indusium war dem Stiele sehr tief, erst unter dem Hutrande, angesetzt. Seine obersten Theile waren auf eine ungewhnlich lange Erstreckung mit den Stielkammern ver- wachsen. Dadurch erhielten sie eine verhltnissmssig grosse Festigkeit, welche in frischem Zustande das mglichst spreizende, steife Abstehen des Netzes begnstigen drfte. Uebersicht der Ergebnisse. Die vorliegende Arbeit verfolgte in erster Linie den Zweck, die Kenntniss der Phalloideen zu mehren durch Beschreibung und treue Abbildung der neuen, von mir lebend in Sdbrasilien be- obachteten Arten, und fr die schon bekannten und beschriebenen Formen diejenigen Ergnzungen beizubringen, die nur durch lnger fortgesetzte Beobachtungen der Pilze am natrlichen Standorte gewonnen werden konnten. Es kann nicht meine Absicht sein, eine zusammenfassende Uebersicht ber den Gesammtbestand der Phalloideenkunde zu geben; denn diese Aufgabe ist von Ed. Fischer in seinen vielfach angefhrten Verffentlichungen, insbe- sondere den 1890 und 1893 erschienenen, bereits gelst. Es wird aber nothwendig, bei einem Ueberblicke der ge- wonnenen Ergebnisse, diese in Beziehung zu setzen zu dem vor- handenen Bestnde unserer Kenntnisse und zu prfen, in wie weit die bisher gltigen Anschauungen durch die neuen Funde eine Besttigung oder Ergnzung erfahren, und nach welchen Rich- tungen sie einer Erweiterung bedrftig scheinen. Unbedenklich habe ich mit der Bearbeitung der Phalloideen die Untersuchung ber Protubera, eine Hymenogastree, verbunden, denn gerade durch diese wurde das fr die Beurtheilung der systematischen Stellung unserer Gruppe vielleicht werthvollste E,e- 9* sultat gewonnen. Es kann nun keinem Zweifel mehr unterliegen, dass die Clathreen abzAileiten sind von niederen Gasteromyceten, von einer HymenogastreengrujDpe , welche in Hysterangium ihren bis dahin bestgekannten Vertreter besitzt. Diese von ehsteiner zuerst im Jahre 92 begrndete Anschauung ist durch die Unter- suchung von ProtuberaMaracuj zu vollstndiger Sicherheit erhoben worden. Protubera bildet ein Mittelglied zwischen Hysterangium und Clathrus, wie es beweisender fr den verwandtschaftlichen Zusammenhang beider kaum htte gedacht werden knnen. Ein sicherer Anschluss der Phalloideen an niedere Formen ist also gefunden. Unberwindlichen Schwierigkeiten aber begegnen wir. wenn wir versuchen alle Phalloideen auf diesen als gemeinsamen Ausgangspunkt zurckzufhren. Auf den ersten Blick erscheint freilich die Gruppe der Phalloideen jedem Unbefangenen als eine der natrlichsten, die es geben kann. Eine Menge von merkwrdigen und auffallenden Eigenthmlichkeiteu ist all ihren Gliedern gemeinsam: das strang- artig ausgebildete Mjcel, die Ausbildung der Fruchtkrper im Innern der von einer Gallerthlle umschlossenen Eier, das locker gebaute Receptaculum, welches durch Glttung seiner im Ei eingefal- teten Kammerwnde die Eihlle sprengt, sich schnell erhebt, und die wiederum bei allen Formen gleichartige Gleba emportrgt, dass Zerfliessen der Gleba und ihr starker Geruch, endlich die Form der Basidien und Sporen. Nichts erscheint in der That natrlicher als die Annahme eines nahen verwandtschaftlichen Ver- hltnisses aller Phalloideen unter einander. Wir Averden unwillkr- lich zu der Voraussetzung gefhrt, dass es eine gemeinsame Stamm- form gegeben haben msse, die mindestens schon ein Keceptaculum besass. Es erscheint ungereimt, anzunehmen, dass ein so eigen- artiges Organ unabhngig an zwei oder mehreren verschiedenen Stellen der Entwickelungsreihen knne aufgetreten sein. Und dennoch nthigen uns unsere bisherigen Kenntnisse zu einer solchen mit grossen Schwierigkeiten verbundenen Annahme. 133 Wir drfen wohl sagen, dass heute die Entwickelungsgeschichte der Phalloideenfruchtkrper besser bekannt ist wie diejenige man- cher viel leichter zugnglicher Pilzgruppen. Der Reiz ihrer eigen- artigen Formen und vielleicht gerade die Schwierigkeiten, welche sich der Beschaffung des in der ganzen Welt zerstreut vorkom- menden und berall ziemlich seltenen Materials entgegenstellten, haben die Sammler und ganz besonders den eifrigsten und erfolg- reichsten Phalloideenforscher Ed. Fischer zu immer erneuten An- strengungen gestachelt. Je klarer und zuverlssiger aber die Kenntniss von den Entwickelungsvorgngen wurde, um so tiefer ffnete sich die Kluft, welche die beiden Abtheilungen der Phal- loideen, die Clathreen und die Phalleen, vorlufig ohne irgend- welche Ueberbrckung scheidet. Schon in der ersten Anlage der Fruchtkrper zeigen beide tiefgreifende Unterschiede. Bei den Clathreen treffen wir einen Centralstrang, der sich in mehrere Zweige theilt, die Gleba wird in den AVinkeln zwischen den Zweigen des Receptaculums , an mehreren von einander getrennten Punkten angelegt, und ihre Entwickelungsrichtung geht von innen nach aussen, von unten nach oben, das Receptaculum aber wird ausserhalb der Gleba gebildet. Bei den Phalleen haben wir dagegen einen ungetheilten Centralstrang, die Gleba wird unabhngig von ihm in einer zusammenhngenden glockenfrmigen oberen Zone angelegt, ihre Entwickelungsrichtung geht von aussen nach innen, von oben nach unten, und das Re- ceptaculum wird im Innern der Gleba, im Zusammenhange mit dem Centralstrange gebildet. Keine bisher bekannte Form ver- mittelt einen Uebergang. Die trennenden Unterschiede treten zudem schon im ersten Anfange der Fruchtkrperanlage auf, und wir mssen daraus wohl schliessen, dass eine nahe Beziehung der Phalleen und Clathreen nicht bestehen kann, dass vielmehr die gemeinsamen Grundformen, auf welche sie schliesslich zurck- fhren, ausserhalb des Rahmens liegen, in den die Phalloideen heut eingeschlossen sind, dass es Formen sind, welche ein Recep- -^ 134 taculum noch nicht besassen. Protubera ist dann eine Stamm- form der Clathreen, aber nicht auch derPhalleen. Eine gemeinsame Stammform liegt viel weiter zurck, weiter noch als Hysterangium. Wenn dem aber so ist, so knnen wir die Annahme nicht um- gehen, dass die eigenartige Bildung des Receptaculums in der That zweimal aufgetreten ist ; das eine Mal bei Formen, die sich unmittelbar an Protubera anschliessen wrden, Formen, die wir, da sie in den nur engen Spielraum zwischen Protubera und Clathrus eingeschlossen sind, uns mglichst genau vorstellen knnen, das andere Mal bei den unbekannten Stammformen der Phalleen. Dass auch diese letzteren unter den Hymenogastreen zu suchen sein werden, ist an sich wahrscheinlich, und durch Reh- steiners Untersuchungen haben wir einen Fingerzeig nach Hymeno- gaster-hnlichen Formen hin erhalten. Unsere neue Gattung Aporophallus, welche die Gleba in einer nicht am Scheitel des Fruchtkrpers unterbrochenen Schichte anlegt stimmt mit der Annahme einer Ableitung der Phalleen von Hymenogaster-hulichen Stammformen sehr wohl zusammen. Eine gleiche Sicherheit wie fr die Clathreen ist aber hier vorlufig nicht zu gewinnen. Die smmtlichen zahlreichen Formen der Clathreen stehen in Beziehungen zu einander, und es lassen sich schne und ein- leuchtende Uebergangsreihen unter ihnen bilden. Es ist aber vollstndig unmglich, sie smmtlich in eine Reihe zu ordnen, und dies kann auch kaum anders erwartet werden. Schon das Vorkommen mehrerer Phalloideenformen gleichmssig auf den drei Sdenden der festen Erdoberfiche, in Australien, Afrika und Sdamerika, lsst uns an dem hohen Alter dieser Pilzgestalten nicht zweifeln, und es ist danach wohl anzunehmen, dass ihr Stammbaum ein reich verzweigter sein muss, dass viele seiner Aeste und Zweige im Laufe der Zeiten verloren gegangen sind, und wir neben manchem erhaltenen Mittelstcke auch viele ab- getrennte Endglieder unter den heut lebenden Formen antreffen. Auch diese kennen wir nur erst mangelhaft und sicher h|,rreji 136 noch viele seltene Bildungen an schwer zugnglichen Oertlich- keiten ihrer Entdecker. Dieser Schluss ist wohl nicht zu khn, angesichts der Thatsache, dass ich in kaum dreijhrigem Zeit- rume in einem verhltnissmssig schon viel durchforschten Ge- biete 4 neue Genera (wenn man Protubera einschliesst) und 8 neue Arten entdeckte. Da wir in Protubera die Stammform der Clathreen unzweifel- haft erkannten, so mssen wir in den gitterigen Clathreen, welche ein der Kugelgestalt sich annherndes Receptaculum besitzen, und deren Glebaber das ganze Receptaculum vertheilt ist, die niedersten frhesten Clathreen sehen. Wenn wir annehmen, dass es fr unsere Pilze von Vortheil gewesen ist, ihre Gleba, also ihre Sporenmasse, welche der Ver- breitung der Art dient, ber den Erdboden zu erheben, sie mg- lichst frei dem Besuche von Insekten darzubieten, und womglich durch einen Schauapparat auf ihr Dasein die Aufmerksamkeit zu lenken, so gewinnen wir einen leitenden Gesichtspunkt, unter dem uns die Formen verstndlich werden, und unter dem alle anderen Clathreenformen hher entwickelt erscheinen, als die gitterigen Stammformen von denen wir ausgehen mssen. Wenn bei Protubera die Volvagallerte und die Tramaelemente sich verflssigen, so verbreitet sich die Sporenmasse am Boden, oftmals bedeckt von aufliegenden Blatt- und Zweigresten, beinahe unterirdisch. Mit dem Auftreten eines festen Gerstes, des Recepta- culums, in den Zwischenrumen zwischen den Centralstrang- zweigen, wird die erste Mglichkeit geboten, die Gleba ber den Boden zu erheben. Zu den ursprnglichsten Clathreen gehren die mit sehr zart gebauten Receptaculumsten, fr die der Clathrus chrysomycelinus als Typus angesehen werden kann. Durch strkere widerstandsfhigere Ausbildung der Beceptaculumste kommen wir zu Clathrus cancellatus. Beim ersteren ist die Gleba in einzelnen Partien an den Ecken der Netzmaschen, beim letzteren ber die ganze Innenflche des Receptaculums ausgebreitet. 136 Soll nun eine weitere Erhhung der Gleba ber den Erd- boden erreicht werden, so sind verschiedene Wege dazu mglich. In einfachster Weise wird der Zweck erreicht , wenn das gleba- tragende Netz auf einen Stiel gesetzt wird. Die Anfnge der Stielbildung finden sich schon bei den niedersten Formen (z. B. bei C. chrysoraycelinus). Auf diesem Wege gelangen wir zur Gattung Simblum, die man einfach als einen auf einen Stiel ge- setzten Clathrus ansehen kann. Eine zweite Mglichkeit zur Erreichung desselben Zweckes sehen wir in Laternea verwirklicht. Die Centralstrangverzweigungen und damit die Netzmaschen nehmen an Zahl ab, die Horizontal- verbindungen der Receptaculumste hren auf, die kuglige Ge- stalt des Receptaculums, welche in den Eiern der Laternea-Formen noch erkennbar ist, wird durch geeigneten Bau der Laternenbgel in die lnglich ovale verwandelt, welche bei gleichem Stoffaufwand eine grssere Hhe des fertigen Gebildes ermglicht. Gleich- zeitig rckt die Gleba als eine geschlossene Masse an die Spitze, an den hchsten Punkt des Receptaculums. Die Gleba ist nun mglichst ber den Erdboden erhht, und kann durch ihren Geruch sich weithin bemerkbar machen. Aber der Zugang zu ihr ist nicht ganz frei, sie befindet sich im Innern der Laterne. Da treten die Flgellappen der Blume- navia als neue vervollkommnende Bildung auf. Durch sie wird, whrend das Receptaculum sich streckt, die Glebamasse aus dem Innern der Laterne nach aussen gewendet, dem Zugange von allen Seiten frei dargelegt. So wie in Simblum einerseits, so haben wir hier wiederum in Blumenavia einen andern Endpunkt der Entwickelung, ber den hinaus kein Weg zu irgend einer der bisher bekannten Formen fhrt. Die Vereinigung der beiden Erhhungsmittel, welche allein, je fr sich entwickelt, Simblum und Laternea erzeugten, fhrt uns zur dritten Reihe der Clathreen, die ber Colus, Anthurus zu den hchsten und prchtigsten Formen, zu Aseroe und Calathiscus 137 hinleitet. Colus ist gewissermasseii eine auf einen Stiel gesetzte La- ternea. Die Angehrigen dieser Gattung haben einen Stiel, in ihrem Receptaculum sind die senkrechten Balken auf Kosten der wage- rechten bevorzugt, die Gestalt des oberen Eeceptaculumtheiles ist mglichst langgestreckt und die Masse der Gleba ist an der hchsten Spitze unter dem Scheitelpunkte des Fruchtkrpers ver- einigt. Denselben Zweck, den von Laternea aus Blumenavia durch ihre Flgellappen erreichte, den Zweck nmlich, den Zugang zur Gleba vollstndig frei zu machen, denselben erreichen die ber Colus hinausgehenden Formen auf andere, und zwar wiederum ver- schiedene Weise. Bei Lysurus wird es durch eigenartige Ver- schiebungen des interkalaren Wachsthums der Zweige des Central- stranges bewirkt, dass die Gleba seitlich den Receptaculumsten sich anlagert, und da diese prismatisch und mit einer Flche nach innen gekehrt sind, so wird die Gleba so weit als mglich nach aussen gekehrt (vergl. Fischer 1893). Ein anderer Weg fhrt zur Gattung Anthurus. Die schon bei Colus an der Spitze nur schwach verbundenen Aeste des Receptaculums klappen aus einander. Die Gleba muss nun von der Spitze der Aeste wieder etwas zurckgehen, sonst wrde ihre Last die freie Spitze sofort nach unten umbiegen. Sie nhert sich mehr der Endffnung des Stieles. Die freigewordenen Arme des Receptaculums aber werden nun in einen prchtigen Schau- apparat verwandelt, wie er die Gattungen Aseroe und Calathis- cus schmckt. Einen vierten Endpunkt der Clathreenentwickelung wrden wir in der wundersamen Kalchbrennera zu suchen haben. Ihre Zugehrigkeit zu den Clathreen kann nach den neuesten Unter- suchungen nicht mehr bezweifelt werden. Noch in den letzten Tagen, whrend ich diese Arbeit beschloss, erhielt das Berliner Museum aus Togo eine in Alkohol bewahrte Kalchbrennera, deren oberer, gitteriger Theil so i'eich entwickelt war, dass auch jeder 138 Laie die nahen Beziehungen zu Clathrus sofort erkennen konnte. Da dieses Gitter von Kalchbrennera auf einem hohen Stiele sitzt, so drfen wir wohl annehmen, dass der Stammbaum dieser Clathree in weiter zurckliegenden Theilen auf lngere Zeit mit dem von Simblum zusammenfllt. Kalchbrennera geht indessen ber Sim- blum hinaus. In den korallenartigen usseren Fortstzen des Receptaculums besitzt sie einen auffallenden Schauapparat, und ferner ist die Anordnung der Gleba so, dass sie am reifen Prucht- krper im wesentlichen ausserhalb des Receptaculums sich befindet. Wie diese Anordnung entwickelungsgeschichtlich zu Stande kommt, und welche Stellung Kalchbrennera im System einnimmt, muss so lange unentschieden bleiben, als es nicht geliagt, gengend junge Zustnde des seltenen Pilzes zu untersuchen. Sind wir uns in der angegebenen Weise ber den Zusammen- hang der Clathreen unter einander klar geworden, so ist nun die Frage nach der Abgrenzung der Gattungen mehr von praktischem als von wissenschaftlichem Interesse. Meiner Ansicht nach fasst man unter Olathrus am besten alle die Formen zusammen, welche (in Uebereinstimmung mit dem Namen der Gattung) ein gitteriges, in der Hauptform kugliges Receptaculum haben , an dem die Gleba entweder ber die ganze Innenseite, oder ihren bei weitem grssten Theil, oder auf die Ecken der Netzmaschen vertheilt ist. Ob die einzelnen Aeste des Receptaculums unten frei enden oder schon in einen kurzen Stiel zusammenlaufen, bleibt besser unbe- rcksichtigt. Fischer wollte alle Formen, welche einen Stiel haben, schon zu Colus ziehen. Er nannte deshalb eine dem Clathrus pusillus Berk. ausserordentlich nahe stehende, aus Austra- lien stammende Form Colus Mlleri. 1893 aber liess er die von Hennings beschriebene Form Clathrus camerunensis bei der Gat- tung Clathrus, obwohl sie einen Stiel besitzt, gerade wie unser Cl. chrysomycelinus, mit welchem sie brigens sehr nahe ver- wandt ist. Auch hob Fischer hervor, dass dieser Clathrus aus Kamerun sehr an den Colus Mlleri erinnere, nur seien die mitt- 139 leren Gittermaschen nicht so stark verlngert, und die oberen Gitterste viel dnner und unregelmssig runzelig". Dass durch so geringe Verschiebungen zwei Gattungen getrennt sein sollten, will mir vom praktischen Gesichtspunkt aus nicht annehmbar er- scheinen. Rechnen wir aber den Colus Mlleri Ed. Fischer zur Gattung Clathrus, so gewinnen wir eine gute Trennung der Formen. Zu Colus gehren dann nur diejenigen Clathreen, welche gestielt sind, vorwiegend senkrechte Heceptaculumste haben, daher einer (wiederum dem Namen entsprechend) spindel- frmigen Gesammtgestalt sich annhern, und vor allem die Gleba zu einer Masse vereint unter dem Scheitel tragen. Wir haben dann als verhltnissmssig gut bekannte Arten der Gattung Colus den C. hirudinosus Cav. et Sech., den Colus Gardneri (Berk.) Ed. Fischer und den C. Garciae aufzufliren. Aus welchen Grnden ich die Gattung Laternea als solche fr berechtigt halte, ist oben bereits ausfhrlich aus einander gesetzt (s, S. 44). eber die sonstigen Gattungsabgrenzungen bei den Clathreen bestehen keine erheblichen Meinungsverschiedenheiten. Es kann an dieser Stelle nicht unerwhnt bleiben die Er- wgung, dass doch vielleicht noch Formen mchten gefunden werden, welche von den zuletzt besprochenen Clathreen, etwa von Anthurus oder Aseroe her einen Uebergang zu den Phalleen vermittelten. Es wrde berflssig sein, jetzt, wo kein thatsch- licher Anhalt fr diese Vermuthung vorliegt, nher darauf ein- zugehen, wie ein solcher Uebergang zu denken wre. Jeder mit den Formen Vertraute wird ihn sich etwas anders ausmalen. Unsere bisherigen thatschlichen Kenntnisse gaben keinen Anhalt fr diese Ableitung. Wir kommen aber immer wieder auf diesen Gedanken, einzig und allein um der Schwierigkeit willen, welche in der Annahme liegt, dass das bei Clathreen und Phalleen theil- weise vllig gleich gebaute eigenartige Receptaculum sonst noth- wendig an zwei verschiedenen von einander unabhngigen Punkten der Entwickelungsreihen aufgetreten sein muss. 1 10 - Auch den fortschreitenden Gang der Entwickelung der Phal- leenfruchtkrper werden wir mit Nutzen unter dem oben dar- gelegten allgemeinen Gesichtspunkte betrachten. Es gilt, die Gleba emporzuheben, der Sporenverbreitung Vorschub zu leisten, und womglich durch Schauapparate die Fruchtkrper weithin sichtbar zu machen. Dadurch, dass die Gleba der Phalleen von vornherein ausserhalb des eceptaculums sich befindet, ist die Erreichung des Zweckes erleichtert. Ihm dient bei allen Phalleen zunchst der Stiel. Bei den einfachsten, den Mutinus- formen, ist er es allein, der die Gleba emporhebt und trgt. Fischer hat mit Recht darauf hingewiesen, dass fast alle Unter- schiede der Phalleen auf den verschiedenen Bildungen beruhen, welche in dem zwischen Stiel und Gleba befindlichen Zwischen- geflecht entstehen. Die bis dahin unbekannte Gattung Itajahya bringt allein ein neues Moment hinzu. Gegen Mutinus ist die Gattung Ithyphallus durch den Besitz des Hutes ausgezeichnet. Er bildet eine vom Stiel abstehende kegelfrmige Flche, welche bedeutend grsser ist als die mehr der Cylinderform sich nhernde obere Flche des Receptaculums, der bei Mutinus die Gleba un- mittelbar aufgelagert ist. Die Sporenmasse wird nun auf grsserer Flche besser vertheilt dargeboten. Es kann nicht unbemerkt bleiben, dass eine auffllige Parallele besteht zwischen dem Hute der ber Mutinus hinausgehenden Phalleen und den Flgellappen der Clathree Blumenavia. Beide Bildungen sind Anhnge des Receptaculums, welche sich zwischen dieses und die darauf zu wachsende Gleba einschieben, die Gleba gewissermassen abfangen, an unmittelbarer Berhrung mit dem Keceptaculum hindern, und sie nun selbst tragen und zur Schau stellen, in zweckentsprechen- derer Weise als das Receptaculum diese Aufgabe erfllen knnte. Innerhalb der Gattung Ithyphallus macht sich eine Steige- rung der Formausbildung dahin geltend, dass der bei den niederen Formen (Fischers rugulosi) beinahe glatte Hut eine netzig-grubig skulpirte Oberflche erhlt, welche in schnster Ausbildung bei - 141 der Giclitniorchel und der Schleierdanie sich findet. Offenbar wird durch diese Gruben der Hutoberfiche das Abtropfen der G-leba verlangsamt, sie wird frei dargeboten, so lange als das eceptaculum berhaupt aufrecht steht. AVir haben gesehen, dass der Hut der Ithyphalli , entwickelungsgeschichtlich betrachtet, grosse Verschiedenheiten in Bezug auf seinen Ursprung darbietet. Er kann aus sehr verschiedenen Schichten des Zwischengeflechtes stammen, und die Tramaendigungen nehmen an seiner Bildung bei den verschiedenen Arten jeweils verschieden grossen Antheil. Entwickelungsgeschichtlich betrachtet stehen sich Ithyphallus und Dictvophora gewiss nher, als z. B. Ithyphallus impudicus und Ithyphallus glutinolens, oder der letztere wiederum und Ith. tenuis. Es ist nothwendig und fr unser Verstndniss der Formen frder- lich, die Entstehungsgeschichte des Hutes vergleichend zu be- trachten. Handelt es sich aber um die Gattungsabgrenzung, so ist es sicherlich praktisch, die mit einfachem glattem oder skulpirtem Hute versehenen Phalleenformen als eine Gattung Ithyphallus der mit Indusium versehenen Dictyophora gegenber zu stellen. Ueber Ithyphallus geht Itajahya durch die Perrckenbildung einen Schritt weiter. Es hat die Vorstellung keine Schwierigkeit dass diese Perrckenbildung in noch besserer Weise als die Grubeu- bildung auf dem Hute dem Zwecke dient, ein allmhliches Abtropfen der Gleba herbeizufhren, zumal die Fruchtkrper der Itajahya bei ihrem krftigen Bau von verhltnissmssig langer Dauer sind. Wenn ich Itajahya zwischen Mutinus und Ithyphallus gestellt habe, so soll selbstverstndlich damit nicht etwa gesagt sein, dass sie eine Zwischenform darstelle, ber welche hin der Weg von Mutinus zu Ithyphallus fhre. Vielmehr soll damit lediglich die frher nher begrndete. Beziehung zu Mutinus ausgedrckt werden, und wir knnen uns wohl vorstellen, dass Itajahya und Ithyphallus auf gemeinsame Vorfahren zurckgehen, welche ber Mutinus durch die ersten Anfnge der Hutbildung erst wenig hinaus- gekommen waren. _ 142 -^ In der weissen strahlig zerschlitzten Mtze von Itajahya drfen wir gewiss einen allerdings noch bescheidenen Schauapparat sehen. Von fast verschwindender Bedeutung allerdings erscheint er uns gegenber dem prchtigen Netze der Dictyophora, dem prunkvoll- sten Schaustck, welches unter den Phalloideen vorkommt. Ihm zur Seite zu stellen sind die korallenartigen Fortstze an dem Netze derKalchbrennerauudder strahlend rothe Stern von Aseroe. Diese Bildungen sind es, welche im Verein mit den allen Phalloi- deen zukommenden Eigenschaften des starken Geruches den Namen der Pilzblumen" fr die ganze Familie rechtfertigen. Fr die allgemeine Morphologie der Phalloideen ergeben sich aus unseren Untersuchungen eine Reihe von neuen und bemerkens- werthen Einzelheiten vorzugsweise in Beziehung auf die bisher wenig beachteten Mycelien. Die Vereinigung zu strangartigenBildun- gen ist den Mycelien aller Phalloideen gemeinsam. Eine Ausnahme in gewissem Sinne macht nur die neue Gattung Itajahya, bei welcher ma- kroskopisch sichtbare Strnge oftmals gar nicht, oder nur in sehr kurzen Enden unmittelbar unter dem Fruchtkrper vorhanden sind. Die Phalloideen-Mycelien leben meist in humosem Erdboden, doch durchsetzen viele auch morsches Holz. Tthyphallus glutinolens scheint nur in morschen Stmmen vorzukommen. Die Strnge schwanken in der Strke vom feinsten Faden bis zu 4 mm Durch- messer. Die strksten wurden bei Blumenavia rhacodes angetroffen. Ihre Farbe ist in der .Mehrzahl der Flle grauweiss; dass Dictyo- phora violette Strnge besitzt, ist seit langer Zeit bekannt. Bei Itajahya ist die Farbe braun, bei Clathrus chrysomycelinus gold- gelb, bei Ithyphallus quadricolor und Aseroe ceylanica nach Ed. Fischer purpurn. Im Bau der Strnge lernten wir sehr weitgehende Versclue- denheiten kennen. Die Inkrustation mit Kalkoxalat ist bei fast allen bisher untersuchten Formen wahrzunehmen. Sie wurde merkwr- digerweise nur bei dem ausschliesslich in Holz lebenden Ithy- phallus glutinolens vermisst. Die ussere Rinde zeigt bei einigen 143 Formen pseudoparenchymatische Beschaffenheit, so insbesondere bei Clathnis columnatus und noch ausgeprgter bei Blumenavia. In den meisten Fllen wird die Rinde von einfach verflochtenen Fden gebildet. Die Hyphen im Innern der Strnge sind meist vergallertet, und zeigen stets unregelmssig wellig geschlngelten, mitunter schraubenfrmig gedrehten Verlauf. Whrend bei vielen Formen das ganze Innere der Strnge von gleichartigem Geflecht erfllt ist, kommen bei anderen weitere Differenzirungen vor. So finden wir bei Blumenavia einen Centralstrang aus wenig gallertigen, parallel und gerade verlaufenden Hyphen in einer Scheide von lockeren, unregelmssig verlaufenden, stark vergallerteten Hyphen, nach aussen unter der Rinde aber eine Schicht von ganz wirr verflochtenen Fden in wiederum weniger starken Gallertscheiden. Bei Itajahya sind die vergallerteten Fden zu Bndeln vereint, welche durch Scheidewnde aus weniger oder nicht gallertigem Geflecht getrennt werden. Umgekehrt finden sich Bndel festeren Geflechts, durch Gallertscheiden getrennt, und eine sehr stark gallertige Aussenschicht in den Strngen des Ithyphallus glutinolens. Bei der Protubera und bei manchen Clathreen fanden wir die Strnge durchsetzt von gefssartigen Hohlrumen, welche zwisclien den Gallerthllen der Fden verlaufen. Bei den meisten For- men endlich wurden die Schlauchzellen beobachtet, auf deren muthmaassliche Bedeutung als Reservestoffbehlter oben schon mehrfach hingewiesen worden ist. Diese bisher ganz unbeachtet gebliebenen Bildungen wurden unter den untersuchten Formen vor- lufig nur bei Laternea columnata und Blumenavia rhacodes ver- misst. Da sie aber nicht regelmssig und nicht berall zu finden sind, so ist nicht ausgeschlossen dass sie trotzdem auch den genann- ten beiden Formen, vielleicht allen Phalloideen eigenthmlich sind. Die Kultur der Mycelien auf dem natrlichen Nhrboden und in knstlichen Nhrlsungen begegnete keinen Schwierigkeiten. Die Mycelien sind feinfdig, in der Regel sind die Fden nicht ber 4 // stark, Schnallenzellen wurden bei keiner Clathree und ^ 144 unter den Plialleen nur bei Ithypballus glutinolens und Dictyo- phora. hier aber ganz regelmssig angetroffen. Die wochenlange Beobachtung sehr vieler Mycelien auf natrlichem und knstlichem Nhrboden hat bei keiner Form die geringste Spur einer sekun- dren Fruchtform ergeben. Es ist sehr wahrscheinlichj dass solche den Phalloideen berhaupt nicht zukommen ; freilich ist ein solches negatives Resultat stets nur von geringem Werthe, nach den mancherlei Ueberraschungen . die wir bei den Pilzen in dieser Hinsicht schon erlebt haben. Die Form der Basidien und Sporen ist von auffallender Gleich- mssigkeit bei allen Phalloideen. lieber die Anzahl der Sporen, welche auf einer Basidie gebildet werden, sind unsere Kenntnisse noch ganz unzureichend. Die Untersuchung ist bei der Kleinheit der Objekte nicht leicht. Bei fast allen Formen gelang es nur durch aufmerksames Suchen Basidien aufzufinden, auf denen 8 Sporen deutlich und zweifellos gezhlt werden konnten. Bei der scharf bestimmten Form . Avelche die Basidien so deutlich ausgeprgt zur Schau tragen, liegt der Gedanke nahe, dass sie auch in der Anzahl der Basidiensporen nicht schwanken, und dass, wenn man weniger als 8 Sporen auf einer Basidie findet, die fehlenden abgefallen sind. Nur Untersuchung ganz junger Basidien mit den Sterigmenanlagen wrde hier Sicheres zu Tage frdern. Eine solche Untersuchung erfordert aber optische Hilfsmittel von grsserer Schrfe, als die mir zu Gebote stehenden sind. Alle Versuche, die Keimung der Phalloideensporen zu beobachten , sind bisher ergebnisslos geblieben. Auch ich habe mit jeder der hier be- sprochenen Formen Aussaaten im Wasser und verschiedenen Nhrlsungen vorgenommen, doch stets ohne den geringsten Er- folg. Dass die Angaben von Fulton in den Annais of Botany ber Keimung der durch Fliegenleiber durchgegangenen Phallus- sporen keine wissenschaftliche Beweiskraft besitzen knnen, habe ich frher schon erwhnt. Zusammenstellung der durch die vorliegende Arbeit vernderten und der Beschreibungen neuer Gattungen und Arten. A. Hymenogastreen. 1. Protubera nov. gen. Die sehr dnne braune Aussenhaut umschliesst eine weisse Volva- gallerte, welche von radialen Scheidewnden durchsetzt ist. Sporen gleich denen der Clathreen, stbchenfrmig, 3 4 f.i lang, l^j^ fi breit. Anlage der Hymenialschicht in den Winkeln der Centralstrangzweige. Unter den bekannten Hymenogastreen dem Hysterangium am nchsten verwandt. Protubera Maracuj nov. spec. Mycel in weissen bis 3 mm dicken Strngen auf weite Strecken humosen Boden durchziehend, Fruchtkrper faltig, runzlig, braun, bis 50 mm Durchmesser. Geruch der zerfliessenden Gleba gleicht dem der reifen Frchte von Passiflora alata Ait. Gefunden zu Blumenau, Brasilien. B. Phalloideen. I. Clathreen. 2. Clathrus Micheli (1729). Receptaculum netzig gittrig, ungestielt oder kurz gestielt, im Gre- sammtumriss annhernd kuglig, Gleba ber die ganze Innenseite des Receptaculums oder den grssten Theil desselben verbreitet, oder nur an den Ecken der Netzmaschen in rundlichen Hufchen ansitzend. Scliimper's Mittlieilimgeu Heft 7. 10 14f5 Clathrus chrysomycelinus nov. spec. Mycelien goldgelb, im Erdboden oder morschem Holze verlaufend. Receptaculum kuglig, gleichmssig gittrig, Netzbalken einkammerig, an den Ecken nach innen zu Vorsprnge, welche je eine Partie der Gleba tragen, weiss. Geruch nach verdorbenem Leim. Gefunden zu Blumenau, Brasilien. 3. Colus Cavalier et Sechier (1835). Receptaculum bestehend aus einem stielfrmigen unteren Theil und aus einem durchbrochenen oberen Theil. Die Durchbrechungen sind dabei entweder nur vertikal, oder aber ausserdem noch am Scheitel in grsserer Anzahl, auch horizontal, klein, vieleckig. Gesammtform lnglich spindelfrmig, Gleba in einer Masse unter dem Scheitel des Receptaculums. Colus Gar ciae nov. spec. Receptaculum halb stielfrmig. halb aus dnnen ein- bis zwei- kammerigen, je mit 2 Lngsleisten auf der Aussenseite versehenen (in den beobachteten Fllen 3 4) Aesten, welche an der Spitze nur in einem Punkte verbunden sind, weiss. Geruch nach faulenden Seethieren, schwach. Gefunden zu Blumenau, Brasilien, im Thal der Garcia. 4. Laternea Turpin (1822). Receptaculum ungestielt, aus senkrechten, nur an der Spitze ver- bundenen, ausnahmsweise schon unter der Spitze sich vereinigenden oder hier und da gittrig verbundenen Aesten. Gesammtumriss lng- lich tonnenfrmig. Gleba in einer blasse unter dem Scheitel des Re- ceptaculums. Laternea columnata (Bosc) N e e s. Beceptaculum aus 2 5 vielkammerigen, dreiseitigen, mit einer biswellen abgestumpften Kaute nach innen gewendeten, aussen schwach- rinnig gefurchten, nach oben an Strke wenig oder gar nicht abneh- menden Aesten, roth. Suerlicher Eruchtgeruch mit ekelhafter, bei lngerer Einwirkung betubender Beimischung. Scheint durch ganz Sdamerika und die Sdstaaten Nordamerikas verbreitet zu sein. 5. Blunionavia nov. ften. Receptaculum wie bei Laternea. Die Aeste desselben mit flgel- artigen hutigen Anhngseln besetzt, welche die Gleba tragen. 147 Blumenavia rliacodes nov. apec. Receptaculum hellgelb (in den beobachteten Fllen mit 3 4 krf- tigen Aesten). Die Aeste sind auf dem Querschnitte dreieckig oder trapezfrmig, mit einer Flche nach aussen gewendet. Breite cken- furche. Die unregelmssig dreieckigen Flgelfortstze besetzen die usseren Kanten der Aeste von oben an bis zum Rande der zerrissenen Volva. Geruch nach ghrendem Fruchtsaft mit allmhlich immer strker werdender ekelhafter Beimischung. Gefunden zu Blumenau, Brasilien. IL Phalleen. (). Aporophallus nov. geu. Die Gleba wird in einer glockenfrmigen, nicht am Scheitel durch- brochenen Schicht angelegt. Aporophallus subtilis nov. spec. Receptaculum mit einkammeriger. in der Mitte zweikammeriger "Wandung, weiss. Hut glatt, dickgallertig, durchsetzt von pseudoparen- chymatischen, radial und peripherisch verlaufenden Platten, welche als Fortsetzungen der obersten Kammerwnde erscheinen. Der Unterrand des Hutes liegt dem Receptaculum fest an. Gefunden zu Blumenau, Brasilien. 7. Mutiims Fries (s. Saccardo Sylloge Vol. VII pars 1. pag. 12). Mut in US bambusinus (Zollinger) Ed. Fischer. Stiel aus einer einfachen Lage von Kammern. Sporentragender Theil trbpurpurn, lang ausgezogen, spitz kegelfrmig, sporeufreier Theil nur mehr oder weniger stark rthlich angelaufen, nach unten zu weiss. Die AVandung des sporentragenden Theils mit nach innen offenen Kammern, Kammerwnde hier nicht strker als im unteren Theile gebaut. Das Verhltniss der Lnge des sporeu tragenden Receptaculum- theiles zu dem unteren ist unbestimmt. In dem zwischen Gleba und Receptaculum Ijefindlichen Zwischengeflecht treten lockere oder zu kleinen pseudoparenchymatischen Verbnden zusammenschliessende kuglige Zellen in grsserer oder geringerer Menge auf. Geruch schwach, sehr widerlich, menschenkothartig (nach Prof. Graf zu Solms- Laubach); er erinnert au den der vorstreckbaren Stinkhrner ge- wisser Raupen'- (nach Dr. Fritz Mller), nach meiner Meinung an frischen Pferdemist, Vorkommen : Java, Blumenau (Brasilien), Argentinien (?). 148 8. Itajahya nov. gen. Nach Abtropfen der Sporenflssigkeit bleiben die Tram aplatten, welche pseudoparenchymatischen Bau besitzen, in ihrer ganzen Aus- dehnung erhalten. Hut dnnhutig. Itajahya galericulata nov, spec. Mycelstrnge im Boden meist gar nicht, oder nur auf wenige Cen- timeter Lcnge auffindbar. Eier sehr gross, bis 75 mm Durchmesser. Dicke Volvagallerte. Stiel krftig, Wandung bis 1 cm stark aus vielen Kammerlagen, weiss. Die Tramaplatten bleiben nach Verflssigung der Sporenmasse in Gestalt einer vielfach zerschlitzten lockeren Perrcke an dem oberen fast massiven Theile des Receptaculuras und an dem dnnhutigen Hute hngen, der in sehr wechselnder Hhe dem Stiele angesetzt ist. Scheitel der Fruchtkrper von einer leicht vergnglichen^ strahlig zerschlitzten, aus Pseudoparenchym gebildeten, weissen Mtze bedeckt, welche bald den Kopf des Pilzes zur Hlfte bedeckend, bald kleiner, bisweilen nur andeutungsweise ausgebildet wird. Geruch nach frischem' Hefenteig. Nicht ekelhaft. Gefunden zu Rio de Janeiro (Glaziou), Blumenau, Brasilien. 9. Ithyphallus Fries (s. Saccardo Sylloge Vol. VII pars 1. pag. 8). Ithyphallus glutinolens nov. spec. Stielwandung aus einer, nur stellenweise aus zwei Lagen von Kammern gebildet, am Scheitel kragenartig ausgebogen, weiss. Hut fest steif abstehend, glatt, durchzogen von einer in Gallertgewebe liegenden Pseudoparenchymschicht, welche als Fortsetzung des Pseudoparenchyms der obersten Stielwandung erscheint. Mycelstrnge weiss, von glasig gallertigem Aussehen, durchziehen morsche Baumstmme. Geruch, wie der des Clathrus chrysomycelinus, nach verdorbenem Leim. Gefunden zu Blumenau, Brasilien. 10. Dictyophora Desvtaux (s. Saccardo Sylloge Vol. VII pars 1. p. 3) 11. Dictyophora callichroa nov. spec. Stiel und Indusium weiss, Hut orange, mit breit ausgebogenem, kragenartigem, rosa gefrbtem Rande. Geruch widerlich ssslich, von dem des Ithyphallus irapudicus und der Dictyophora phalloidea stark abweichend. Gefunden zu Blumenau, Brasilien. Erklrung der Tafeln, Tafel I. Dictyophora phalloidea Desvaux in natrlicher Grsse und Farbe. Das Vorbild zu dieser Tafel wurde beobachtet am Nachmittag des 14. Februar 1892, wo es sich in zwei Stunden aus dem Ei erhob und um 6 Uhr 20 Min. Abends fertig dastand. Unter einer schtzenden Glocke die Nacht ber aufbewahrt, wurde es am folgenden Morgen, sobald gengendes Licht zur Verfgung war, um "j^ Uhr in halber natrlicher Grsse photo- graphirt. Nach der Photographie hat Herr R. Volk in Ratzeburg die Farben- tafel gemalt, und mit ausserordentlicher Treue jede Netzmasche bis ins ein- zelnste genau copirt, Tafel II. Fig. 1 und 2. Clathrus chrysomycelinus nov. spec. Die Vorbilder entwickelten sich im Laboratorium aus dem Ei, am 13. und 18. August 1891 und wurden alsbald in natrlicher Grsse photographirt. Bei 1 ist die Volva entfernt und das eceptaculum auf einen Draht gesteckt, um den stiel- artigen Grund zu zeigen. Fig. 3. Laternea columnata (Bosc) Nees nebst reifem Ei. Photographie in natrlicher Grsse nach einem im Laboratorium aus dem Ei gestreckten Fruchtkrper. Beobachtet am 23. Mrz 1893. Fig. 4. Laternea columnata (Bosc) Nees, wie vor.; gewhnliche Form mit vier einfachen Bgeln. Januar 1891. Tafel III. Fig. 1. Blumenavia rhacodes nov. gen. und Clathrus chrysomycelinus nov. spec, in halber natrlicher Grsse. Beide entwickelten sich aus den Eiern im Laboratorium am Morgen des 15. August 1891. Fig. 2. Blumenavia rhacodes. Reifes Exemplar in natrlicher Grsse. Aus dem Ei entwickelt im Laboratorium am 7. Februar 1893. Fig. 3. Desgl. wie vor., noch nicht vllig gestreckt. 0,86 der natrlichen Grsse. 2. Febr. 1893. Tafel IV. Fig. 1. Ithyphallus glutinolens nov. spec. Im Laboratorium aus dem Ei ent- wickelt am 14. Februar 1893. Natrliche Grsse. Fig. 2. Colus Garciae nov. spec. mit Eiern. Im Laboratorium aus dem Ei entwickelt am 30. October 1892. Natrliche Grsse. Fig. 3. Mutinus bambusinus (Zollinger) Ed. Fischer mit Eiern. Im Labora- torium aus dem Ei entwickelt am 7. April 1892. ^/n, der nat. Grsse. Fig. 4. Dictyophora phalloidea Desv. Tra Laboratorium aus dem Ei ent- 150 wickelt am 24, April 1892. Photograpliirt am Morgen des 25. April. Y: der natrlichen Grsse. Dieses Stck ist ausgezeichnet durch einen nach unten ungewhnlich stark zusammengezogenen Hut, durch sehr flach bandfrmig zusammengedrckte Netzbalken, und durch unge- whnlich weites und langes, auf den Boden aufstossendes Netz. Tafel V. Alle vier Figuren von Itajahya galericulata nov. gen. Fig. 1. Lngsschnitt durch einen reifen aus der Volva herausgehobenen Frucht- krper. /a der nat. Gr. Fig. 2. Der Kopf desselben Fruchtkrpers mit der Mtze. Derselbe hatte sich im Laboratorium aus dem Ei entwickelt am 28. Juli 1891. Nat. Gr. Fig. 3. Ganzer Fruchtkrper. Die Gleba beginnt abzutropfen. Gefunden im Walde bei Blumenau I. Mrz 1893 in noch nicht vllig gestrecktem Zustande. Die Streckung wurde im Laboratorium beendet. */jo der nat. Gr. Fig. 4. Zwei scheinbar verwachsene Eier an einem Mycelstrange ; aus dem oberen beginnt der Fruchtkrper sich hervorzustrecken. In diesem Zustande im "Walde gefunden, 6, August 1891, ^/g der nat. Grsse. Tafel VI, Fig. 1, Protubera Maracuj, nov. gen., reifer Fruchtkrper. Nat. Gr. Fig, 2. Desgl. junger Fruchtkrper mit den ersten Verzweigungen des Centralstranges S, P^ Zweig des Centralstranges, G Ende desselben, welches zur Volvagallerte wird, A Zwischengeflecht. Vergr. 1 : 9. Fig. 3. Desgl. etwas weiter vorgeschrittener Fruchtkrper, bei f in den Winkeln zwischen den Centralstrangzweigen erste Anlage des Hyme- niums. Vergr. 1 : 11. Fig, 4, Desgl. Ein Stck vom Kande eines Lngsschnittes durch einen noch weiter entwickelten Fruchtkri3er ; die Glebakammern werden deut- lich, Gr Volvagallerte , A Zwischengeflecht, welches allmhlich zu Platten zusammengedrckt wird. Vergr. 1 : 10. Fig. 5. Desgl. Eine noch weiter vorgeschrittene Glebakammer, Anlage der Trama-AVlste und Falten. Vergr. 1 : 20. Fig. 6, Desgl. Lngsschnitt durch einen reifen Fruchtkrper. Nat. Gr. Fig. 7. Clathrus chrysomycelinus nov. spec. Lngsschnitt durch die junge Fruchtkrperanlage. S der Centralstrang, umgeben von dem rinden- artigen Mantel SS, in welchem alle spteren Neubildungen auftreten. A das Grundgewebe, aus welchem das Zwischengeflecht der spteren Zustnde hervorgeht. Vergr. 1 : 15, Fig, 8. Desgl. AVeiter entwickelter Zustand; A und S wie vor. Pj die An- fnge der Centralstrangzweige. Vergr. 1 : 15. Fig. 9. Desgl. Noch weiter vorgeschrittenes Ei. Die Enden der Central- strangzweige P, sind verbreitert, und entwickeln sich zur Volva- gallerte G. Zwischen ihnen zusammengepresst zu Platten das Zwischengeflecht PI. Bei lteUaiieu a. cL Tropen Hell VH. Taf. \T 'M.v Gustm- Fischer Jerti Botanische Milteimc|>eix a. d. Tropen Heft \T1. Taf. \m. Fi.l'K -ij^>s&^s?, ^ Fi.16. % -a Botanische Mitteilungen a. d. Tropen Heft Vn. Taf. Vm. Fi;^.31. H<|.32. RVolkJFm 31u.32)u.A.Mller gez. ' Gustav Fischer, Jena. Ijtli.Ansl.v, Aliltsdi, Jend. t.i New York Botantcal uaraen Liordry QK606.4.B7M6 ^.. ^, Qen Moller, Alfred/Brasilische Pilzblumen 3 5185 00115 9597 vill^llifik Mi m